Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1937)
- Article
- Die Wirtschaftspolitik der Exekutive [Nachricht]
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
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zu überwinden. Da kam der Araberaufstand, den man sechs Monate gewähren und seither als Boykott gegen den jüdischen Wirtschaftssektor fortsetzen ließ. Oer aber wußte sich zu behaupten. Vor allem haben wir unsere kaufmännische Ehre gewahrt; denn durch Mobilisierung des Inlandkredites brachten wir es zustande, von 10 Millionen Pfund Schulden ans Ausland zu Krisenbeginn — meist Wechselfällifjkeiten — bisher 90% zu tilgen. Und man versteht jetzt draußen, daß unsere Kaufleute, wenn sie damals oft ablehnten, bestellte Waren zu übernehmen, nur aus Gewissenhaftigkeit gehandelt haben. Sodann wußten wir Juden aus den Fehlern der Araber viel zuzulernen. Da diese sich weigerten, uns zu verkaufen, mußten wir, um nicht zu verhungern, aus eigener Kraft dem drohenden Warenmangel abhelfen. Das gelang, war jedoch nicht leicht. Denn das Studium des palästinensischen Marktes brachte zunächst verblüffende Tatsachen hervor, wie, daß die Araber den Import von Eiern zu 90%, von Zucker zu 75% und von Mehl zu 50% beherrschten; dabei lag auch die Versorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, besonders mit Gemüse, Eiern und Geflügel und ihre Produktion vorwiegend in arabischer Hand. Da tat der jüdische Händler — unter unserer Anleitung und mit unserer Hilfe — seine Pflicht. Von den aus Jaffa verjagten 12.000 Juden waren nicht weniger als 900 Kaufleute. Diese, wie ihre Berufsgenossen im ganzen Land, brauchten ihr Geld — wie gesägt — zunächst zur Wechseldeckung. Neue Ware wollte man, zumal das Ausland, ihnen auf Kredit nicht liefern. Also verschafften wir ihnen Kredit, damit sie nicht gezwungen waren, ihre letzte Ware zu verschleudern, und damit sie ihr Lager wieder auffüllen konnten. Nicht minder wichtig war unser Eingreifen in der Landwirtschaft. Durch unsere Kreditzufuhr ermutigt, beeilten sich die jüdischen Landwirte, ihre Produktion rasch zu steigern. Man brauchte dazu mehr Hände. Nun, da der Hausbau — zumal in den Städten — stockte, führten wir von den 16.000 Bauarbeitern 7000 hinaus aufs Land und bequartierten sie in frisch errichteten Baracken. So traten an Stelle der von ihren Bojaren-Streikkomitees abberufenen billigen und konkurrenzkräftigen arabischen Arbeiter Juden und begnügten sich hier mit einem bescheideneren Lohn, als den bisher in der Stadt gewohnten. Heute schon kann z. B. Tel Aviv fast restlos mit jüdischem Gemüse versorgt werden. Und unsere Produktion besonders an Eiern wächst förmlich von Tag zu Tag. Sogar dem Eindringen der zollfreien und durch den Francs- Sturz noch mehr verbilligten Produkte aus Syrien konnten wir standhalten. Auch der Industrie nahmen wir uns an. Ihre Schulden wurden auf längere Fristen mit der Wirkung konvertiert, daß die Wechselproteste so gut wie verschwanden. Zweckmäßige Kredite erleichterten den Ankauf von Rohstoffen und neuen Maschinen. Mochte der und jener Fabrikant Verluste erleiden, mochte manche Aktie fallen, wenn hur die Fabrik erhalten blieb und weiterproduzierte! Und der Konsum steigt. Was der jüdische Fabrikant an arabischen Kunden verlor, bringt er durch Erfassung des jüdischen Marktes reichlich wieder ein; dabei fördert ihn nicht wenig die — mit Begeisterung, zumal von Frauen und Kindern befolgte — Parole »Tozereth Haarez« (Heimische Produktion). Eine weitere Stärkung der Inlandproduktion steht auch deshalb zu erwarten, weil ein Gutteil des steigenden Imports — über den Konsum hinaus — Investitionen dient. Das Vertrauen des Auslandes in diese Entwicklung zeigt sich im Wiederauftauchen europäischer Reisender und Fabriksdirektoren als Kundenwerber; sogar die sonst so passive Palästina-Regierung ist neuerdings um Empfehlung englischer Waren bemüht.