Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1937)
- Article
- Bemerkungen über die Notwendigkeit einer rationellen Krisenpolitik
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 280 (sequence 2)
- Language
- German
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Dieser »Krampf« der Wirtschaft, welcher hauptsächlich durch psychologische Faktoren begründet ist, hat es uns ermöglicht, durch eine kritische Zeit ohne Panik hindurchzukommen Seit Dezember 1936 beginnt sich dieser Krampf zu lösen, und da das erhoffte neue Kapital nicht kommt, nimmt die Krise immer schärfere Formen an. Die diesjährige Touristensaison kann eine wirkliche Entspannung der Lage nicht bringen, denn das jüdische Kapital im Ausland ist durch Devisensperren gehemmt und durch die Unruhen gründlich abgeschreckt. Nach einer momentanen Erleichterung muß im Frühjahr mit einer weiteren Verschlechterung des Zustandes gerechnet werden3. Die gegenwärtige Krise ist zweifellos durch Umstände, die außerhalb der palästinensischen Wirtschaft liegen, ausgelöst und weiter beeinflußt worden: durch den italienisch-abessinischen Krieg, die polnische Devisensperre und die Unruhen. Trotzdem ist die Krise die Folge der Konjunktur der Jahre 1932 bis 1935. Es ist hier nicht der Ort zu ihrer ökonomischen Analyse. Es möge der Hinweis auf die Artikel von D. Horowitz (Das Konjunkturrätsel in Palästina, »Palästina« 1934, S. 233) und Dr. M. Ettinger (Einige Bemerkungen zur palästinensischen Aufbaukonjunktur, »Palästina« 1936, S. 72). Der Erste kommt stillschweigend, der Zweite ausdrücklich zum Schluß, daß — aus wirtschaftlichen Gründen — die Krise in der Natur der Aufbaukonjunktur liegt *. Diese Untersuchungen ergeben, daß die Konjunktur. — und der ganze Verlaut des Wirtschaftsprozesses — durch eine wachsende Einwanderung und eine wachsende Kapitalzufuhr bedingt war. Da in einem bestimmten Augenblick das Wachsen aufhören muß, ist die Notwendigkeit einer Krise gegeben. Die Einwanderung des Jahres 1935 (61.854 Personen) scheint aus vielen Gründen5 der Höhepunkt einer gewissen Periode gewesen zu sein. Das Abflauen der Einwanderung mit den entsprechenden Begleiterscheinungen wäre aller Wahrscheinlichkeit nach auch ohne die abessinische Krise und ohne Unruhen eingetreten. Nun hat aber die gegenwärtige Krise, die bis jetzt nur die städtische Wirtschaft erfaßt hat 6, durchaus den Charakter einer Strukturkrise. 2 Es ist schwer, das Obige statistisch zu belegen. Die Zahl der prolongierten Wechsel ist nicht bekannt, doch dürfte es sich um ziemlich große Beträge handeln. Eines der charakteristischen Symptome der Verkrampfung ist die Tatsache, daß laut Schätzung der maßgebenden Quellen (genaue Ziffern fehlen) die Verschiebungen in der beruflichen Schichtung der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1936 kaum nennenswert sind. Kaum 2000 Menschen sind aufs Land gegangen. Die fast völlige Starrheit der Bodenpreise (von Notverkäufen abgesehen) ist ein weiteres Zeichen der Verkrampfung. 3 Es besteht in Palästina die Tendenz, den »Palästinozentrismus« des jüdischen Kapitals in der Galuth zu überschätzen. Dagegen unterschätzt man die Wirkung der täglichen »Furchtinjektionen« durch die Nachrichten aus Palästina, die oft in der Presse stark aufgebauscht werden. 4 Ettinger beschränkt sich auf die Abhängigkeit der Konjunktur von der Einwanderung und will die Dauer der Konjunktur von der ursprünglichen Kapitalinvestition bestimmt wissen. Er scheint also die Bedeutung der fortlaufenden Kapitaleinfuhr zu unterschätzen. 5 U. a. weil die große Einwanderung von Verwandten (28.500) eine Erledigung von »Rückständen« war. 6 Die Pardessanuth führt ein Eigenleben und die gemischte Landwirtschaft hat bisher das Sinken der städtischen Kaufkraft nicht zu spüren bekommen.