Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Die Entwicklung der Landwirtschaft im Verlaufe des letzten Jahres
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 201 (sequence 1)
- Language
- German
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Rundschau 201 WIRTSCHAFT. Die Entwicklung der Landwirtschaft im Verlaufe des letzten Jahres* Von Dr. A. Michaelis, Tel Aviv. Die Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft ist im letzten Jahre durch die Unruhen weit weniger in Mitleidenschaft gezogen worden, als das bei den übrigen Wirtschaftszweigen der Fall war. Während die industrielle Entwicklung weitgehend stagnierte und Rückschläge erlitt, die Bautätigkeit eingeschränkt wurde, der Import und Verkehrsumfang sich verminderte, hat sich die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahre 1936 ohne Unterbrechung fortgesetzt. Diese verhältnismäßig günstige Situation der jüdischen Landwirtschaft steht auch im Gegensatz zur Lage der arabischen Landwirtschaft, die unter dem Streik und Lieferungsboykott am stärksten gelitten hat und noch dazu durch eine ungünstige Ernte getroffen wurde. Wohl hat auch die jüdische Landwirtschaft beträchtliche Verluste durch direkte Terror- und Sabotageakte erlitten. Nach einer Aufstellung der Jewish Agency wurde die Ernte von 17.000 Dunam Kulturboden zerstört, ferner sind über 200.000 Bäume. Zitrus- und andere Pflanzen durch den Terror auf dem Lande vernichtet worden. So empfindlich diese Verluste für die betroffenen Wirtschaften und Siedlungen auch sind, so haben sie dennoch die stark aufwärts tendierende Produktionsleistung der jüdischen Landwirtschaft im ganzen nicht einschneidend berührt. Andererseits konnte die jüdische Landwirtschaft besonders auf dem Gebiete der Gemüse- und Früchteproduktion die arabischen Lieferungsausfälle bis an die Grenze ihrer Kapazität ersetzen und aus den wesentlich erhöhten Preisen Nutzen ziehen, die sich aus der Angebotsverknappung und den Transportschwierigkeiten ergeben haben. Die jüdische Landwirtschaft fand im letzten Jahre für ihre Produkte einen außerordentlich aufnahmewilligen Markt vor, der ihrer Entwicklung verstärkte Impulse gegeben hat. Der Fortschritt der landwirtschaftlichen Siedlungstätigkeit kommt zunächst in der Gründung neuer Siedlungen und Zunahme der ländlichen Bevölkerung zum Ausdruck. Nach einem von der Statistischen Abteilung der Jewish Agency durchgeführten Zensus bestanden Ende 1936 203 ländliche Siedlungen mit insgesamt 105.000 Bewohnern. Diese Ziffern gewinnen vor allem durch einen Vergleich mit den entsprechenden Vorjahrsdaten Interesse, die die Entwicklung der Siedlungstätigkeit erkennen lassen.: Zahl der jüdi- Gesamtbevölkerung davon landwirtschen Siedlungen der Siedlungen schaftlich tätig Ende 1934 ... ca. 156 ca. 64.000 ca. 36.000 Ende 1935 ... ca. 175 ca. 90.000 ca. 46.000 Ende 1936 ... 203 105.000 56.000 Bei den Vergleichszahlen für die Jahre 1935 und 1934 handelt es sich um Schätzungsziffern, die nur annäherungsweise zutreffend sind. Im Jahre 1936 wurden nach diesen Ziffern etwa 25 bis 30 Siedlungen gegründet; die ländliche Bevölkerung erhöhte sich um rund 15.000 Personen, die landwirtschaftlich erwerbstätige um rund 10.000. Der jüdische Bevölkerungszuwachs des Jahres 1936 in der Höhe von knapp 30.000 Personen siedelte also zur Hälfte auf dem Lande an und wurde zu einem Drittel landwirtschaftlich tätig. Selbstverständlich sind diese Ziffern nur per Saldo richtig, denn die tatsächliche Zunahme der ländlichen Bevölkerung beruht zum Teil auf Abwanderung städtischer Elemente aufs Land. Die landwirtschaftlich erwerbstätige jüdische Bevölkerung