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Palästina · 1937-04-01 · Heft 4 (April 1937) · p. Seite 190

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 4 (April 1937)
Article
Industrieprobleme 1937
Date
1937-04-01
Page
Seite 190 (sequence 15)
Language
German
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durch die Mandatsbestimmungen vorgeschriebenen sonstigen handelspolitischen Wehrlosigkeit von der Industrie als dringende Notwendigkeit empfunden. Die Gewinnung von Auslandmärkten wäre, ganz abgesehen von ihrer Bedeutung für die Verbesserung der Handelsbilanz, für viele Industriezweige ein wertvolles Mittel zur Vergrößerung des Absatzes. Wieweit bei den gegenwärtigen Konkurrenzverhältnissen auf auswärtigen Märkten Absatzchancen für palästinensische Produkte bestehen, läßt sich nur von Fall zu Fall sagen. Zweifellos sind aber bei dem heutigen Stand ihrer Entwicklung viele Industriefirmen gar nicht imstande, aus eigenen Kräften die Untersuchung dieser Frage anzustellen. Es fehlt den kleineren und mittleren Fabriken an Zeit und Mitteln, um durch eigene Versuche die Lage der benachbarten Märkte zu studieren. Eine Mitarbeit von Exporthandelsfirmen, wie sie in vielen anderen Ländern als Verbindung zwischen dem kleinen inländischen Fabrikanten und dem ausländischen Abnehmer stattfindet, ist in Palästina noch kaum vorhanden. Um diese Lücke auszufüllen, hat der Industriellenverband Anfang 1937 beschlossen, eine zentrale Exportinformationsstelle zu schaffen, die die Absatzmöglichkeiten der einzelnen Produkte auf anderen Märkten untersuchen und durch Beratung des palästinensischen Industriellen, durch Vermittlung von Vertretern, durch gemeinsame Propaganda und andere Maßnahmen den Weg der palästinensischen Erzeugnisse zu den für sie geeigneten Absatzmärkten erleichtern soll. Von noch größerer Bedeutung für die Weiterentwicklung der Industrie ist die Organisation des Binnenmarktes und die Schaffung eines Finanzierungsinstitutes für Kapitalbeteiligungen und langfristige Kredite. Die gegenwärtige Lage auf dem palästinensischen Markt, die wir in einem früheren Abschnitt geschildert haben, zeigt, daß es ohne schwere Schäden für die Industrieentwicklung nicht möglich ist, den Markt seinem gegenwärtigen chaotischen Zustande zu überlassen oder den Erfolg der Marktregelung von der Initiative einzelner Industriefirmen zu erwarten. Die in verschiedenen Wirtschaftszweigen gegründeten Kartelle litten unter der Existenz von Außenseitern und dem Widerstand der Abnehmer, die sich durch ihre Einkaufsmöglichkeiten im Ausland jedem Druck seitens der Kartellfirmen entziehen konnten. Eine erfolgreiche Marktregelung wird nur in größerem Rahmen möglich sein, durch Einbeziehung sämtlicher Fabrikanten nicht nur eines Artikels, sondern eines ganzen Wirtschaftszweiges. — Dadurch wird auch eine Verständigung mit dem Handel möglich, der sich einer geschlossenen Front seiner sämtlichen inländischen Lieferanten gegenüber befände. Ob diese Zusammenfassung von Industriegruppen möglich ist, ob sie zur Schaffung einer selbständigen Großhandelsorganisation für verschiedene Zweige der palästinensischen Industrie führen soll, ist gegenwärtig Gegenstand von Untersuchungen der interessierten Kreise. Das Bedürfnis der palästinensischen Industrie nach langfristigen Darlehen wurde schon seit ihren Anfängen gespürt und — theoretisch wenigstens — anerkannt7. Die Frage ist nur, in welcher Form und von welcher Stelle es befriedigt werden kann, da dies zweifellos außerhalb des Aufgabenkreises der palästinensischen Depositenbanken liegt. Die heute herrschende Vorstellung geht dahin, daß ein selbständiges Institut, etwa in der Art einer Investment Corporation geschaffen werden muß. Dieses müßte durch Beteiligung von Banken und vielleicht auch von zionistischen Institutionen mit ausreichendem Kapital und entsprechender Autorität ausgestattet werden. In dieser Form wäre es seinerseits imstande, private Kapitalien durch Ausgabe von Obligationen und Verkauf von Aktien heranzuziehen, die es bei entsprechender Risikover- 7 Bereits der 1925 in Wien tagende Zionistische Kongreß beschloß die Gründung einer Industriebank.

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