Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Industrieprobleme 1937
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 187 (sequence 12)
- Language
- German
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hoch ist, ist schon viel diskutiert worden und es wurde mit Recht darauf hingewiesen, daß am Lohnstandard in hochentwickelten europäischen und amerikanischen Industrien gemessen, diese Frage nicht zu bejahen ist. Demgegenüber muß allerdings beachtet werden, daß das am palästinensischen Markt konkurrierende Auslandangebot in vielen Fällen nicht aus Ländern mit hohem, sondern mit niedrigem Lebensstandard kommt und oft gerade durch die dort üblichen niedrigen Arbeitslöhne begünstigt wird. Im ganzen kann man aber doch feststellen, daß es nicht der absolute Lohnsatz ist, der die Kalkulation des palästinensischen Produktes belastet. Ausschlaggebender ist unseres Erachtens schon die geringe Differenzierung der Lohnkosten in Palästina für Arbeiten verschiedener Art. Einzelbeobachtungen zeigen z. B., daß in Fällen, wo die Arbeit an der Hauptmaschine ungefähr in gleicher Höhe entlohnt wird wie in einer deutschen Fabrik, die Arbeit an den Hilfsmaschinen viel teurer ist, da diese in Deutschland durch Lehrlings- oder ungelernte Arbeit ausgeführt wird. Und schließlich muß die Lohnhöhe im Verhältnis zur Arbeitsleistung gesehen werden und diese wird in vielen Fällen erst nach einer Reihe von Produktionsperioden die älteren Industrieländern entsprechende Höhe erreichen können. Die Stromkosten sind in Palästina vorläufig noch höher als in den anderen Ländern, können aber hier wegen ihrer relativ geringen Bedeutung vernachlässigt werden. Die verhältnismäßig niedrigen Kosten der Ölfeuerung bieten auch einen gewissen Ausgleich. Nach Abzug der Herstellungskosten verbleiben der palästinensischen Industrie laut unserer Statistik durchschnittlich 25'% des Erlöses als Bruttogewinn. Mit ihm sind die kaufmännischen Unkosten, Kapitalverzinsung, Amortisation, Abschreibungen und Reingewinn zu decken. Der eigentliche Aufwand an kaufmännischen Arbeiten der Art, wie man sie in ■iuropa kennt, ist in palästinensischen Industriebetrieben im allgemeinen nicht groß. Anforderungen an Repräsentation, Ausstattung der Verkaufsräume und Büros werden licht gestellt. Reisen beschränken sich auf kurze Distanzen. Besondere Vertreter sind neist nicht notwendig. Überhaupt ist der Angestelltenapparat häufig auf ein Minimum oeschränkt. Die Buchführung ist vielfach primitiv, Statistik nur in wenigen Betrieben vorhanden. Verkauf, Inkasso und Finanzierung sind die Hauptarbeitsgebiete der kaufmännischen Abteilung. Inkasso und Finanzverhandlungen beanspruchen dabei einen ungebührlich großen Zeit- und Kraftaufw and. Sie liegen meist in den Händen eines der Partner oder Manager. Leitungskosten, Entnahmen oder Gehälter stellen bei vielen Betrieben den größten kaufmännischen Ausgabeposten dar, was einmal die Folge der übermäßigen Beanspruchung der Leitung durch die eben geschilderten Aufgaben, anderseits auch ein Resultat einer aus der Entstehungsgeschichte vieler Betriebe zu erklärenden Überbesetzung der leitenden Posten ist. Die Kapitalverzinsung haben wir in unserer Tabelle mit durchschnittlich 6% des Verkaufserlöses berechnet, diese aber nur annäherungsweise. Fre'mdkapital muß fast immer höher, verzinst werden. Halten wir aber selbst an diesem Satz fest, so muß er als Kostenbestandteil der Kalkulation unter Berücksichtigung palästinensischer Kapitalisierungsverhältnisse als sehr hoch angesehen werden. Das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital ist, wie wir am Anfang gesehen haben, bei vielen Betrieben sehr ungünstig. Es ist aber zweifellos ein großer Unterschied, ob man 6% vom Umsatz nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr in Form von Dividenden an die eigenen Aktionäre ausschüttet oder ob man auch nur denselben Satz von 6% unabhängig vom Geschäftsgang an fremde Gläubiger abzuführen hat.