Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Die Wasservorräte Palästinas und ihre Nutzbarmachung
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379958-2410830--24795-2411011- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
getation verbraucht wird, versickert der Rest in immer größere Tiefen, bis er durch undurchlässige Schichten aufgehalten wird. Er sammelt sich hier als »Grundwasser im weiteren Sinne« und fließt ab, im allgemeinen dem Gefälle der undurchlässigen Schicht folgend. Ist die wasserführende Schicht kleinporig, so liegt »Grundwasser im engeren Sinne« vor; ist sie grobklüftig, so haben wir »unterirdische Wasserläufe (Karstwasser)« vor uns. Der Abfluß alles Grundwassers folgt dem tektonischen Aufbau des Landes und mündet schließlich entweder ins Mittelmeer oder in die Jordan-Senke und ins Tote Meer. Im einzelnen erfolgt die Strömung senkrecht zu den Linien gleichen Potentials des Grundwassers. Das Potential wird dargestellt durch das absolute Niveau (über Meereshöhe), auf dem sich der freie Wasserspiegel eines unterirdischen Wasservorkommens einstellt. Quellen, ist an einem Orte das Potential des unterirdischen Wassers höher als das Niveau des Geländes und steht dem Wasser ein Weg zur Erdoberfläche offen, so bildet sich eine Quelle. Daraus folgt, daß die meisten Quellen entweder in tiefen Tälern auftreten, deren Sohle bis auf die wasserführende Schicht hinabreicht, oder auf den Randverwerfungen, welche die Hauptebenen des Landes begrenzen. Beispiele für die erste Art Quellen: Wadi Qurn (nördlich von Akko, nahe der syrischen Grenze); Wadi Qilt (Ein Fara, Ein Qilt); Rubin River. Beispiele der zweiten Art: Die Kabri-Quellen; die Zarqa-Quellen bei Benjamina; die Jarkon-(Audscha River)Quellen bei Ras el Ein; die Hule-Quellen; die Quellen am Gilboa-Rande (Emek Jesreel und Beisan-Ebene); die Dujuk- und Elisa-Quellen bei Jericho; die stark versalzene Faschkha-Quelle am Toten Meer. Die Verwerfungsquellen .sind meist die ergiebigsten. Alles zutage tretende Quellwasser war, ehe es zutage trat, »Grundwasser im weiteren Sinne«. Es steht in keiner Beziehung zu dem oberflächlichen Abfluß der Regensturmfluten. Ausgenommen von der ersteren Regel ist nur »Juveniles Wasser«, welches als Rest von ehemaliger vulkanischer Tätigkeit aus dem Erdinnern aufdringt. Wasserwirtschaft. Sobald Grundwasser zutage gefördert oder eine Quelle gefaßt und damit ihre Schüttung vergrößert wird, erfolgt ein Eingriff in das natürliche Gleichgewicht zwischen der alljährlichen Versickerung ins Grundwasser und dessen Abfluß. Es ist strengstens darauf zu achten, daß die künstlich im Jahre entzogene Wassermenge keinesfalls den alljährlichen Zufluß in das drainierte Gebiet des Grundwassers überschreitet. Dies ist die Grundregel jeglicher Bewirtschaftung von Grundwasservorräten. Nichtbeachtung derselben kann zur Versiegung der gefaßten Quellen oder zu ständig zunehmender Absenkung des Grundwasserspiegels in den Brunnen und deren Erschöpfung führen. Eingehend wurden die Prinzipien der Bewirtschaftung von Grundwasser vom Verfasser im Artikel »Zur Hydrologie der Küstenebene Palästinas« dargelegt2. Es sei daher auf diese Ausführungen hingewiesen. In diesem Zusammenhange sei jedoch eine Bemerkung über die hierzulande üblichen »Ergiebigkeitsversuche« neuer Brunnen hingewiesen. Die Art, in der diese Versuche im allgemeinen ausgeführt werden, ist absolut irreführend und unzulänglich. Nur sehr selten wird ein solcher Versuch bis zum Eintreten des »Beharrungszustandes«, welcher oft erst nach sehr langer Zeit eintritt, fortgesetzt. Außerdem muß die Relation zwischen Absenkung des Grundwasserspiegels beim Pumpen, der geförderten, konstant zu haltenden Wassermenge und den Eigenschaften des Grundwasserfeldes richtig ausge- 2 Siehe »Palästina«, Jahrgang 1935, Heft 12, Seite 643 ff.