Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1937)
- Article
- Die Königliche Kommission
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 88 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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derjenigen Palästinas vorzuziehen, denn sie stehe nicht unter der strengen Aufsicht des Kolonialamtes in London. Der Zeuge behauptete, daß das gegenwärtige Regierungssystem in großem Maße für die wiederholten Unruhen im Lande verantwortlich sei; eine weitere Ursache sei das bei den Arabern vorherrschende Gefühl, daß sie eine andere Behandlung erfahren als die Juden. Die Juden werden begünstigt, während gegen die Araber Unterscheidungen gemacht werden. Als er erklärte, daß die Gesetzgebung der Regierung nicht genüge, um die arabischen Bauern zu schützen, bemerkte Sir Laurie Hammond, daß die Habsucht der Araber die guten Absichten der Regierung zunichte mache. Die Aussagen von Antonius wurden sodann unterbrochen und Auni Bey Abdul Hadi erschien wiederum vor der Kommission, um gewisse Aufklärungen zu geben, da behauptet worden war, daß seine seinerzeitigen Aussagen an gewissen Stellen falsch übersetzt worden waren. Kein Kompromiß* Die Schlußsitzung der Königlichen Kommission wurde am IS. Jänner, um 4 Uhr nachmittags, eröffnet. George Antonius, der seine am Vormittag unterbrochenen Aussagen fortsetzte, erklärte, daß die Araber kein Vertrauen zu der Regierung hätten. Er schilderte den moralischen Verlust, der durch Entwurzelung des arabischen Bauern und seine Abwanderung nach den Städten entstehe. ALs weitere Ursache der Unruhen erwähnte der Zeuge die Unzufriedenheit der palästinensischen Araber, die die Unabhängigkeit der Araber in Irak und Syrien beobachten, ohne selbst der Unabhängigkeit näher zu kommen. Er bestritt, daß die Araber die Juden hassen; Antisemitismus sei ein Produkt der europäischen Christenheit, und die Juden hätten unter mohammedanischer Herrschaft friedlich gelebt. Die Araber seien ein Volk, das zu Kompromissen bereit sei; in der Frage der nationalen Unabhängigkeit sei jedoch kein Kompromiß möglich. Sie seien entschlossen, sich die Unabhängigkeit zu erkämpfen; nichts werde sie daran hindern können. Der Zeuge verglich die britische Politik in Palästina mit dem italienischen Überfall auf Abessinien. Sir Horace Rumbold bemerkte dazu, daß während der Völkerbund die Handlungsweise Italiens verurteilte, er das Mandat Großbritannien anvertraut habe. G. Antonius sagte, daß er Mitleid mit den verfolgten Juden in Europa empfinde, jedoch nicht bereit sei, ihnen auf Kosten eines anderen Volkes zu helfen. Dann erhielt Auni Bey Abdul Hadi die Erlaubnis, zu gewissen Punkten seiner seinerzeitigen Aussage eine Erklärung abzugeben. Er sagte, daß ein Ausdruck falsch übersetzt worden war. Als er von Lord Peel gefragt worden war, ob die Araber bereit wären, ein Kompromiß mit den Juden zu schließen, wurde »Kompromiß« mit dem arabischen Ausdruck für »Vereinbarung« übersetzt. Er stellte nunmehr fest, daß die Araber zwar zu einem Kompromiß bereit seien, jedoch unter keinen Umständen den Zionismus anerkennen würden. Sie seien bereit, mit den Juden auf nichtzionistischer Basis zu verhandeln und sie als Minderheit in Palästina anzuerkennen. Mit bezug auf den Briefwechsel Mac Mahon-Hussein zitierte Abdul Hadi eine Stelle aus einem Schreiben Lord Curzons an Feisal vom Jahre 1919, nach der, wie er behauptete, Palästina in dem Gebiet eingeschlossen war, in welchem den Arabern Unabhängigkeit zugesagt wurde, während Syrien nicht inbegriffen gewesen sei. Nach der Vernehmung von George Antonius und der Erklärung Abdul Hadis wurde die Sitzung geschlossen. Der Hochkommissär wurde unter Ausschluß der Öffentlichkeit vernommen.