Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1937)
- Article
- Zum Ernährungsproblem in Palästina
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 69 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379956-2410241--24380-2410399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tiefsten Stand erreichte, stieg der Reallohn seit 1929 ständig und war 1935 um 14% höher als 1929 Der Erhöhung des Realeinkommens der Arbeiterschaft ohne Erhöhung ihres Nominaleinkommens dienten Maßnahmen zur Förderung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Arbeiter, um die Preise der Massenkonsumgüter durch Ausschaltung der Gewinnspanne des Zwischenhandels zu verringern, sowie erzieherische preispolitische und propagandistische Maßnahmen, um die arbeitenden Schichten so zu beeinflussen, daß sie die zur Erhaltung ihrer Gesundheit und ihrer Leistungsfähigkeit erforderlichen Kalorien und Vitamine verbrauchen. Insbesondere wird der Zweck verfolgt, den vitaminreichen protektiven Nahrungsmitteln, wie Milch, Milchprodukte, Eier, Gemüse und Früchte, einen steigenden Anteil in der Zusammensetzung der Nahrung der Arbeiterhaushalte zu verschaffen. Diese Tendenz wird begünstigt durch den zunehmenden Ersatz der körperlichen Arbeit durch mechanische, wodurch der notwendige Bedarf an kalorienreicher Zerealienkost sinkt, und sich der Raum für vitaminreiche Nahrungsmittel in der Ernährung der arbeitenden Schichten erweitert. Da die Senkung der Agrarpreise nicht das Ergebnis einer Verringerung der Verteilungskosten, sondern die Folge des allgemeinen Rückganges der Kaufkraft war, so traf die Wirtschaftskrise in besonderem Maße große Teile der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Daher ist die landwirtschaftliche Bevölkerung in einzelnen Staaten, namentlich in den auf Ausfuhr angewiesenen Agrarstaaten, zum Teil erheblich schlechter ernährt als die städtischen Arbeiter. —' Diese auffallende Diskrepanz zwischen der Ernährung der agrarischen und der städtischen Arbeiterbevölkerung zu gunsten der letzteren besteht, wie noch weiter unten ausgeführt wird, auch im Jischuw. Es wird heute allgemein anerkannt, daß das Ernährungsproblem nur durch das Zusammenwirken konstruktiver Ernährungspolitik und Sozialpolitik gelöst werden kann, die sowohl den Interessen der nationalen Landwirtschaft, als auch der Kaufkraft der arbeitenden Volksschichten Rechnung trägt. Da frische Milch, frisches Gemüse und frisches Obst zu den wichtigsten protektiven Nahrungsmitteln zählen, deren Verbrauch in den arbeitenden Schichten hinter dem zur Erhaltung der Gesundheit und der Arbeitskraft erforderlichen Bedarf zurückbleibt, und da die Erzeugung dieser Nahrungsmittel ihrer Natur nach am besten in der Nähe der Absatzmärkte erfolgt, so würde sich durch eine den neuesten Erkenntnissen der Ernährungshygiene angepaßte Ernährungspolitik in einer Reihe von Staaten auch neue Ansätze für das Verhältnis vom Angebot inlän- 1 Indexziffern der Nominal- und Reallöhne der Industriearbeiter in verschiedenen Ländern (Index 1929 100). Länder Nominallöhne Reallöhne 1932 1933 1934 1935 1932 1933 1934 1935 Belgien . . . .... 92 90 86 82 111 109 108 103 Dänemark . ... 102 102 103 104 114 110 107 105 . ... 104 104 104 102 110 111 112 117 Deutschland .... 82 79 79 79 104 104 101 99 Italien . . . - .... 86 84 82 82 104 106 109 108 Niederlande .... 93 89 87 88 112 107 107 105 .... 88 78 74 72 111 112 117 114 Schweiz . . . .... 98 97 94 92 114 119 117 116 Großbritannien .... 96 95 96 97 110 112 111 111 World Economic Survey 1935/36, League of Nations, Geneva 1936.