Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Wirtschaft. Von Dr. Alfred Michaelis, Tel Aviv.
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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entwickelten Ländern das Rückgrat des Bankwesens bildet. Die palästinensischen Banken sind durch den Mangel der Rediskontmöglichkeit sehr beengt, was auf die ganze Wirtschaftsfinanzierung zurückwirkt. Ein erheblicher Teil des ins Land geflossenen Kapitals wird der palästinensischen Wirtschaft dadurch entzogen, daß die großen Banken sehr starke Liquiditätsreserven im Ausland (vor allem in England) halten, die normalerweise bei der Zentralbank angelegt werden statt ins Ausland abzufließen. Auch der gesamte palästinensische Geldumlauf ist ja zu etwa 115% durch englische Staatspapiere statt wenigstens teilweise durch palästinensische Handelswechsel gedeckt. Im Jahre 1936 hat sich mit der Einwanderung naturgemäß auch der Kapitalimport stark reduziert. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres ist die Kapitalisteneinwanderung (Mindestkapital 1000 £P) von 5074 Personen im Vorjahr auf 2583 Personen — also ungefähr die Hälfte — zurückgegangen. Daraus allein ergibt sich eine Verminderung des Kapitalimportes um zirka 2Y2 Millionen £P. In Wirklichkeit ist der Rückgang aber ein stärkerer, da auf den einwandernden Kapitalisten ein höheres Durchschnittskapital als nur 1000 £P entfiel und die in den vorhergehenden Jahren umfangreiche unpersönliche Kapitaleinwanderung weitgehend in Fortfall gekommen ist. Dieser Rückgang des Kapitalimportes wird allerdings weitgehend durch den Importrückgang und die daraus resultierende Verminderung des Handelsbilanzpassivums (exklusive Regierungs- und Militärimporte, Einwanderergut u. ä.) um zirka 3 Millionen £P ausgeglichen. Der Rückgang der Kapitaleinwanderung hatte aber zur Folge, daß die in den letzten Jahren ununterbrochen vor sich gehende Zunahme der Bankdepositeinlagen praktisch zum Stillstand gekommen ist. Das Gleiche trifft auch auf den Pfandbriefumlauf der General Mortgage Bank zu, der im wesentlichen durch deutsches Einwandererkapital gespeist wurde. Infolgedessen ist die Hypothekenbank in der Hypothekenvergebung stark beengt, was sich auf dem Baumarkt geltend macht, der jetzt fast ausschließlich auf den privaten Hypothekenkredit angewiesen ist. Die Lage am Bau- und Bodenmarkt. Der Baumarkt hat in Anbetracht der besonderen Umstände im Jahre 1936 eine beachtliche innere Festigkeit gezeigt. Die Bautätigkeit weist im Vergleich zum Vorjahr in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem bis Oktober folgendes Bild auf (in Quadratmeter): Monatsdurchschnitt Jänner- —August September Oktober 1936 (1935) 1936 (1935) 1936 (1935) Tel Aviv . . . 23.825 (40.874) 18.835 (34.811) 18.602 (33.755) Haifa . . . . 24.557 (35.657) 16.981 (18.214) 15.688 (26.400) Jerusalem . . 12.442 (15.471) 8.760 (20.678) - 4.701 (8.426) Insgesamt . . 60.824 (92.542) 44.576 (73.703) 38.991 (68.581) Bei dem Vergleich mit den Vorjahresziffern ist im Auge zu behalten, daß die Bautätigkeit im vergangenen Jahre einen Kulminationspunkt darstellte, daß im vergangenen Jahre eine Einwanderung von nahezu 65.000 Personen stattfand, die in diesem Jahre auf knapp die Hälfte zurückgegangen ist. Im Jänner—August dieses Jahres macht die Bautätigkeit rund zwei Drittel, im September—Oktober zirka 60% des vorjährigen Umfanges aus. Trotz der Unruhen, trotz der erschwerten Finanzierung, trotz der halbierten Einwanderung hat sich die Bautätigkeit auf einem relativ recht hohen Niveau gehalten. Auf dem städtischen Bodenmarkt hat sich eine eigenartige Situation herausgebildet: die Verkäufer sind fest und sind — von vereinzelten dringlichen Verkäufen abgesehen — nur bereit, zu Preisen abzugeben, die kaum oder wenig unter den vorjährigen Höchstpreisen liegen. Die Kaufreflektanten hingegen nehmen diese Preise nicht an, so daß