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Palästina · 1937-01-01 · Heft 1 (Januar 1937) · p. Seite 38

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 1 (Januar 1937)
Article
Wirtschaft. Von Dr. Alfred Michaelis, Tel Aviv.
Date
1937-01-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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der vollen Vorjahreshöhe gehalten. Im übrigen ist es in der palästinensischen Industrie im Laufe des Jahres zu einer Anzahl von Betriebseinschränkungen und sogar -stillleg ungen gekommen, die sich aber weniger von der Markt- und Absatzseite her, als aus finanziellen und organisatorischen Schwächen im Aufbau der betreffenden Unternehmungen erklären- Es handelt sich hierbei um Kinderkrankheiten, die mit jeder industriellen Entwicklung verbunden und durch Reorganisationen zu überwanden sind. Diese Reorganisation der finanziellen und organisatorischen Struktur industrieller Unternehmungen stellt die dringendste industrielle Entwicklungsaufgabe dar. Die nationalen und wirtschaftlichen Institutionen des Landes sollten es nicht versäumen, sich dieser Aufgabe anzunehmen. Die jüdische Landwirtschaft hat — von den direkten Sabotageschäden und Zerstörungen abgesehen — am arabischen Streik gewonnen. Die Lieferungsausfälle der arabischen Landwirtschaft wurden bis an die Grenze ihrer Lieferkapazität von der jüdischen Landwirtschaft übernommen, und zwar zum Teil zu außerordentlich erhöhten Preisen, die sich aus den Versorgungs- und Transportschwierigkeiten ergaben. Obwohl wir über keine schlüssigen Einzeldaten verfügen, besteht doch der Eindruck, daß das verflossene Jahr für die jüdische Landwirtschaft ein Jahr der Stärkung war. Auch die diesjährige vergrößerte Orangenernte verspricht auf dem Weltmarkt infolge der Verhältnisse in Spanien zu annehmbaren — wenn nicht günstigen — Preisen abgesetzt zu werden. Im ganzen gesehen hat die jüdische Wirtschaft in Palästina trotz der kritischen Umstände in der Depression eine überraschende Widerstandsfähigkeit bewiesen. Sie ist nicht nur nicht zusammengebrochen, sondern hat, von Einzelschäden und -einbüßen abgesehen, ihr Entwicklungsniveau gehalten. Um die wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande nicht in ein zu günstiges Licht zu rücken, ist aber darauf hinzuweisen, daß sich vom Standpunkt des Einzelnen aus — und der Einzelne pflegt von diesem seinem Standpunkt aus die Dinge anzusehen — die Existenzverhältnisse in Palästina im letzten Jahre erschwert haben. Nachdem der Aufschwung, der sich bis zum Herbst 1935 in ununterbrochener Steigerung fortgesetzt hatte, abgestoppt ist und einer Entwicklungspause Platz gemacht hat, wirkt sich der Existenz- und Konkurrenzkampf für den Einzelnen schwerer aus, treten finanzielle Schwächen stärker in Erscheinung, haben sich die Einkommensverhältnisse verengt. Trotz dieser zweifellosen Erschwerung der Existenzverhältnisse für den Einzelnen ist aber festzustellen, daß eine Arbeitslosigkeit in stärkerem Maße nicht um sich gegriffen hat und die im Bauwesen und einigen anderen Stellen frei gewordenen Arbeiter an anderer Stelle absorbiert wTurden, wobei das Lohnniveau der Prosperität allerdings eine Reduktion erfahren hat. Kapitalmarkt und Finanzierungsverhältnisse. Trotz der starken Kapitaleinwanderung der letzten Jahre war die palästinensische Wirtschaft stets nur knapp mit Kapital versorgt, was sich ja auch in dem hohen Diskont- und Hypothekenzinsfuß von 8 bis 10% ausdrückte. Wie bereits angedeutet, hat sich diese Kapitalsknappheit unter den depressiven Wirtschaftsverhältnissen des letzten Jahres besonders stark fühlbar gemacht und wirtschaftliche Reibungswiderstände hervorgerufen. Die Kapitalsknappheit der palästinensischen Wirtschaft beruht nicht einfach auf einem zu geringen Kapitalfonds, sondern bildet ein sehr verwickeltes Problem. Es wird noch besonders dadurch verdunkelt, daß die in Palästina arbeitenden internationalen Banken außer der Anglo- Palestine Bank keine palästinensischen Bilanzen veröffentlichen, so daß die Depositen- und Kreditbewegungen bei den Banken weitgehend unbekannt bleiben. Letzten Endes steht die Kapitalsverknappung in der palästinensischen Wirtschaft mit der Tatsache im Zusammenhang, daß das Land über keine zentrale Rediskontbank verfügt, die in allen

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