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Palästina · 1936-11-01 · Heft 11 (November 1936) · p. Seite 575

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 11 (November 1936)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A. T.
Date
1936-11-01
Page
Seite 575 (sequence 1)
Language
German
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ARBEITERBEWEGUNG. Von Dr. A. T. L Um die Vereinigung der großen Kooperativen (Kibbuzim). Die schweren Mißstände, die sich infolge der Zersplitterung der sonst überaus einheitlichen und diszliplinierten jüdischen Arbeiterorganisation in eine Reihe von großen kibbuzischen Bewegungen ergeben haben und die Kritik der daraus resultierenden Sachlage (siehe diesbezüglich Rundschau in Nr. 6 dieser Zeitschrift) sind nicht ohne Einfluß auf die weitere Entwicklung der Dinge geblieben. Es macht sich letztens immer stärker die Tendenz bemerkbar, die schroffen Gegensätze zwischen den einzelnen Kibbuzim zu überwinden und eine weitgehende Kooperation, ja sogar eine Wiedervereinigung der Bewegung anzustreben. Ein starker Ansporn in dieser Richtung geht insbesondere von der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation aus, die eine Sektion der Histadruth bildet und infolge der Zersplitterung wohl am meisten leidet. Anläßlich des Jubiläums des 25jährigen Bestehens dieser Organisation, das vor einigen Wochen gefeiert wurde, wurde wehmütig daran erinnert, daß sie infolge der Vorherrschaft der Sonderinteressen der einzelnen Kibbuzim eigentlich aufgehört hat zu existieren und daß ziemlich oft die allgemeinen Instanzen der Histadruth, wo die städtische Arbeiterschaft überwiegt, um eine Intervention angegangen werden müssen, weil die einzelnen Kibbuzim auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Siedlungstätigkeit untereinander nicht einig werden können. So versucht man es denn jetzt, den ungesunden Auswüchsen der kibbuzischen Bewegung vorzubeugen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bewegungen sind ja ohnehin mehr von theoretischer und taktischer, als von politischer und entscheidender organisatorischer Natur. Ein politischer Gegensatz klafft bloß zwischen dem Kibbuz Arzi des Haschomer Hazair und den übrigen großen Kooperativen. Der Haschomer Hazair entwickelt sich immer mehr zu einer regelrechten radikalsozialistischen Partei und wird wohl schließlich daraus auch die organisatorischen Konsequenzen ziehen müssen. Seine Vereinigung mit den übrigen kibbuzischen Bewegungen kommt deshalb wohl kaum in Betracht. Der Gegensatz zwischen ihm und der überwiegenden Majorität der Arbeiterschaft in der Histadruth, die sich unter dem Einfluß der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas (der »Mapaj«) befindet, kommt immer wieder zum Ausdruck, so letztens anläßlich der Unruhen im Lande, wo vom Haschomer Hazair, der übrigens den Kampf um die jüdische Lohnarbeit in. den Kolonien aufopferungsvoll mitmacht und sehr viele seiner Mitglieder dafür mobilisiert, das Prinzip der . hundertprozentigen jüdischen Lohnarbeit wiederum verneint und die Forderung nach einer gemeinsamen Organisation der jüdischen und der ständigen arabischen Arbeiter in den Kolonien mit gemischter Arbeit erhoben wurde. Von denselben radikal-sozialistischen Standpunkt ausgehend spricht sich auch der Haschomer Hazair gegen ein Lohnsystem nach der Leistung des Arbeiters und gegen das Prinzip einer Mindestleistung des Arbeiters, sowie gegen die letztens neugeschaffenen landwirtschaftlichen Unternehmungsämter der Histadruth in den Kolonien aus, weil sie Arbeiten in Akkord übernehmen, für die bisher Zeitlohn üblich war. Angesichts dieser prinzipiellen Meinungsgegensätze wird die ziemlich schroff gewahrte Sonderstellung des Kibbuz Arzi des Haschomer Hazair leicht verständlich. Anderseits macht auch der große organisatorische Unterschied zwischen den Moschwe Owdim und den übrigen, auf gemeinsamen Arbeits- und Lebensformen basierten Genossenschaftsarten eine weitgehende Kooperation, geschweige denn eine Vereinigung wenig wahrscheinlich. Mag auch die Bewegung der Moschwe Owdim sehr viele genossenschaftliche Züge anhaben und in den letzten Jahren sogar auf einigen Gebieten zur gemeinsamen Arbeit der Mitglieder der einzelnen Siedlungen übergangen sein, das Prinzip der individuellen Wirtschaft der Siedler bleibt als solches weiterbestehen

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