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Palästina · 1936-11-01 · Heft 11 (November 1936) · p. Seite 569

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 11 (November 1936)
Article
Das Wirtschafts-Barometer: Oktober 1936
Date
1936-11-01
Page
Seite 569 (sequence 2)
Language
German
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Zitrus- Wirtschaft allein. Verhältnismäßig wenig macht ihm die arabische Boykott-Drohung zu schaffen, da man ja auch in den letzten sechs Monaten bereits ohne die arabische Kundschaft ausgekommen ist, und schon in früheren Jahren derartige Boykottversuche ohne wesentliche Wirkung waren. Weitaus komplizierter zeigen sich andere Probleme. Da der Streik zu Ende ist, suchen die billigen arabischen Arbeitskräfte und die billigen arabischen Landwirtschaftsprodukte (Gemüse, Eier, Geflügel) nunmehr wieder den jüdischen Arbeitsmarkt und Lebensmittelmarkt zu überschwemmen. Eines hohen Maßes an nationaler Disziplin und an Bereitschaft zu materiellen Opfern in allen Schichten des Jischuw wird es bedürfen, um die neuen Positionen zu verteidigen, die seit Mitte April die jüdischen Arbeiter in den Pflanzungskolonien, den öffentlichen Arbeiten und im Verkehrswesen, die Erzeugnisse der jüdischen gemischten Landwirtschaft auf den Märkten der Städte und die jüdischen Ladengeschäfte in der Versorgung des Gemüse- und Obstbedarfs (worin sie früher mit den arabischen Straßenhändlern nicht konkurrieren konnten) gewonnen haben. Äußerste Anstrengung wird von arabischer Seite auch dem Ziele gewidmet, die jüdischen Verkehrsinteressenten Mittel- und Südpalästinas wieder von der Benutzung des neuen Tel Aviver Hafens abzubringen und zur Rückkehr nach Jaffa zu veranlassen. Auch noch andere Fragen sind in den letzten Wochen brennend geworden. Es hat sich leider gezeigt, daß gewisse unverantwortliche Elemente in unseren Reihen, insbesondere in dem naturgemäß von einigen wenigen Großfirmen relativ leicht kontrollierbaren Lebensmittel-Einfuhr- und Großhandel, die abnorme Situation benutzt haben, um durch Ringbildung die Preise zu Lasten der Allgemeinheit hochzutreiben. So haben z. B. die Schlachtvieh-Importeure ihre Verdienstspanne willkürlich von 15 auf 20% erhöht. Auch von außenher bedrohen uns wirtschaftliche Gefahren. Der Kapitaltransfer aus Deutschland ist immer schwieriger geworden; von großem Interesse ist es daher, wie der neueste Schritt des »Emissions- Transfers«, die Ausgabe von 2 Millionen Reichsmark Obligationen der offiziellen Siedlungsgesellschaft des Keren Hajessod und der Jewish Agency, der »Palestine Agricultural Settlement Association, Ltd.«, sich realisieren wird. Augenblicklich fast ganz ins Stocken geraten sind die Vorarbeiten für den Kapitaltransfer aus Polen. Auf ein anderes Gebiet wiederum führt uns die Frage der Auswirkung der kürzlich in vieleneuropäischen Staaten vorgenommenen Währungs-Devalvation auf Palästina. Man befürchtet von den hiedurch erheblich verbilligten französischen, italienischen usw. Fabrikaten einen drückenden Wettbewerb für die palästinensische Industrie auf dem einheimischen Markte. Angesichts all dieser Probleme, zu denen noch die Sorge um Beschaffung von Übergangskrediten für verschiedene besonders notleidende Branchen hinzukommt, drängt sich die 'Notwendigkeit einer einheitlichen, starken Wirtschaftspolitik des Jischuw in den Vordergrund. Am 14. Oktober tagte in Tel Aviv eine Generalversammlung des palästinensischen Industriellenverbandes, der heute 850 Fabrikanten umfaßt, welche in ihren Betrieben über 30.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Man richtete an die Regierung das Verlangen, gewisse Zollerhöhungen für Fertigwaren und Zollbefreiungen für Rohstoffe, die schon seit einiger Zeit versprochen sind, umgehend durchzuführen. Auch wurde beschlossen, ein Institut für die Gewährung von Exportkrediten zu errichten. Am 15. Oktober fand sich die Tel-Aviver Handelskammer zu außerordentlicher Tagung zusammen, die in einem eindrucksvollen Solidaritätsbekenntnis für den Tel Aviver Hafen gipfelte, der ja geradezu das Symbol der jüdischen Widerstandkraft und aufbauenden Initiative geworden ist. Mit Recht wurde in diesen beiden Zusammenkünften hervorgehoben, daß die Zuversicht und das ökonomische Fundament des Jischuw nach sechsmonatigem Abwehrkampf unerschüttert ist. Der Geldumlauf be-

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