Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Politik.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 568 (sequence 5)
- Language
- German
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Zulässigkeit einer künftigen jüdischen Majorität ist damit nicht präjudiziert. In weicher Weise jene Parität zum Ausdruck kommen und wie sie gesichert werden soll, darüber verlautet bisher noch nichts. Wir haben zu dieser Frage in den früheren Rundschauartikeln Stellung genommen. Es kann sich nur darum handeln, daß England die Garantie für die Durchführung und stete Aufrechthaltung jener Parität auf sich nimmt und diese zunächst in einem paritätisch besetzten Legislative Council zum Ausdruck kommt. Der weitere verfassungsmäßige Ausbau kann nur sukzessive erfolgen. Inzwischen hat der Oberkommissär eine seltsame Entscheidung getroffen. Er hat zum Bürgermeister von Tel Aviv den bei der Wahl unterlegenen Kandidaten, J. Rokach, ernannt. Man fragt sich vergebens, warum ein Exponent des demokratischen England einen solchen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Juden tun konnte. Ohnehin ist die Position der Rechten im Stadtrat von Tel Aviv nur durch ein nicht fortschrittliches Wahlrecht zu halten gewesen und die Linke, deren Bruderpartei in England regierungsfähig ist, kann dem Oberkommissär doch wohl nicht etwa politisch gefährlich erscheinen? Dieser Vorfall zeigt aufs neue, daß es mit den Selbstverwaltungsrechten der Juden in Palästina noch schlecht bestellt ist. Ein Ausgleich mit den Arabern, der heute eine unabweisbare politische Notwendigkeit ist, wäre auch die Voraussetzung dafür, daß beide Völker ihre Selbstverwaltungen ausbauen und auch auf die allgemeine Administration einen heilsamen Einfluß ausüben könnten. a. b. WIRTSCHAFT. Von Dr. J. Adler, Tel Aviv. Das Wirtschafts^Barometer: Oktober 1936» Monatsbericht über den Palästina-Markt. Die Stimmung ist im arabischen Lager, nach dem ersten Überschwang der Freude über den beendeten Streik, umso Geld" und Kapitalmarkt gereizter, als gerade jetzt die Wunden, die der Streik dem arabischen Wirtschaftssektor geschlagen hat, deutlich zutage treten, die Einbußen der Landwirte infolge der großenteils unverkauft gebliebenen Aprikosen-, Weintrauben- und Melonen-Ernte, die Verluste der Hausbesitzer infolge des Leerstehens der früher an Juden vermieteten Wohnungen, Läden und Werkstätten, der Ausfall an Umsatz und Einkommen bei Kaufleuten und Handwerkern, die Uneinbringlichkeit zahlreicher Außenstände, eine ganz natürliche Folge der soeben erwähnten Tatsachen und ein sehr ernstes Problem für die arabischen Kreditinstitute, das heute umso drückender empfunden wird, als bisher entgegen früherem Erwarten die Regierung von der Verkündung eines Moratoriums Abstand genommen hat. Eine fühlbare Erleichterung der heute so schwierigen Wirtschaftslage verspricht man sich in seriösen arabischen Kreisen nur davon, daß der Zitrusexport möglicherweise in den nächsten Monaten außerordentlich günstigen Absatzverhältnissen begegnen wird, wenn der spanische Bürgerkrieg, dessen Schauplatz in den kommenden Wochen vor allem die Mittelmeerprovinzen sein dürfte, zu einschneidenden Erschwerungen des Apfelsinen-Exports aus Spanien führt. Dann würden auf den westeuropäischen Märkten Maximalpreise für Palästina-Früchte zu erzielen sein. In diesem Zusammenhange muß hervorgehoben werden, daß der arabische Wirtschaftssektor, soweit er heute schon moderne kapitalistische Züge trägt, sich viel einseitiger auf die Zitrus-Produktion stützt als der jüdische, der ja auch eine mannigfach ausgebildete Industrie umfaßt und sich mit dem Aufbau einer intensiven gemischten Landwirtschaft beschäftigt, die sich auf Großbetriebsformen der Absatzorganisation (z. B. »Tnuvah«) stützt. So wesentlich auch dem jüdischen Wirtschaftssektor ein gutes Zitrus-Geschäft helfen könnte, gelten dennoch seine Hoffnungen wie seine Sorgen durchaus nicht der