Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Transjordanien und Palästina
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 559 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Transjordanien und Palästina Von Dr* E. Bromberger, Jerusalem. In der jüngsten politischen Diskussion wird nicht nur von arabischer Seite, sondern auch von nichtarabischen Kreisen, z. B. »Great Britain and the East« auf Transjordanien hingewiesen, als ein Land, daß sich ohne jüdische Einwanderung entwickelt haben soll und durchaus in seiner Entwicklung mit Palästina verglichen werden könnte. Beschäftigt man sich eingehend mit der Wirtschaftslage Transjordaniens, so wird man zu ganz entgegengesetzten Schlüssen kommen müssen. Obwohl die englische Verwaltung für Palästina reichliches Zahlenmaterial veröffentlicht, ist die Mandatsverwaltung mit der Veröffentlichung von Zahlen und Statistiken der transjordanischen Wirtschaft äußerst zurückhaltend. Erst seit 1924 werden überhaupt offizielle Angaben für Transjordanien gemacht, und auch diese erwecken mitunter den Eindruck, verschiedenes zu verdecken. Zum Beispiel wurde die Gesamtbodenfläche Transjordaniens im offiziellen »Handbook of Palestine« 1934 mit 20,000.000 Dunam angegeben, während wir im »Jahresbericht an den Völkerbund« 1935 die Bodenfläche mit 90,000.000 angegeben finden. Objektive Schätzungsfehler sind hier nur schwer vorstellbar1. Die Bevölkerung wird in den verschiedenen Berichten mit zirka 300.000 bis 320.000 Seelen angegeben. Der Geburtenüberschuß in Transjordanien betrug 14.9 pro Tausend gegen 28.11 pro Tausend der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas. Der doppelt so hohe Geburtenüberschuß der arabischen Bevölkerung in Palästina läßt auf wesentlich bessere und hygienischere Verhältnisse der palästinensischen Araber schließen. Die Bevölkerung Trans Jordaniens wird nach den Regierungsberichten in 1. Seßhafte Bevölkerung, 2. Halbnomaden, 3. Beduinen, eingeteilt. Die Größe der einzelnen Gruppen wird nicht angegeben. Dazu müssen wir noch als vierte Gruppe die der landlosen, landwirtschaftlichen Arbeiter zuzählen. Der Regierungsbericht für 1935 sagt auf Seite 315 darüber: »Obwohl der Boden nicht intensiv bewirtschaftet wird, gibt es eine sehr beträchtliche Klasse von landlosen Arbeitern; diese finden in der stillen Saison im Straßenbau und bei der Bahn Arbeit und kommen manchmal sogar bis Haifa.« Auf Seite 50 heißt es von diesen Wanderarbeitern: »Die meisten suchen in Palästina ein kleines Kapital zu erwerben, um damit nach Transjordanien zurückzukehren und dort ihr Auskommen zu erleichtern.« Nimmt man die Ziffer des bebaubaren Bodens, der im Bericht für 1935 mit 4,500.000 Dunam angegeben wird und die eine sehr vorsichtige Schätzung zu sein scheint, so ergibt sich unter Berücksichtigung dessen, daß ein großer Teil der Bevölkerung nicht seßhaft ist, daß der Boden sehr extensiv und unzureichend bearbeitet zu werden scheint. Dem entspricht, daß sogar nach der neuen Landtaxe die durchschnittliche Steueraufbringung eines bebaubaren Dunams Boden nur 21.78 Mil beträgt, also nicht mehr als zwei Piaster per Dunam. Und auch das scheint nach verschiedenen Äußerungen noch als zu hoch empfunden zu werden. Die Staatseinkünfte Transjordaniens beliefen sich im Budgetjahre 1934/35 auf 377.518 £P, von denen aber nur 276.258 £P im Lande selbst aufgebracht wurden. Wie 1 Wir haben darüber bereits berichtet und mitgeteilt, daß die übliche Schätzung, die sich auch nach dem Ausmessen der Karte ergibt, 65 Millionen Dunam beträgt. Ferner wiesen wir darauf hin, daß die Mandatsregierung die kultivierbare Fläche nur mit 4.5 Millionen Dunam angibt, was sicher viel zu niedrig gegriffen ist und sich wahrscheinlich durch politische Absichten erklärt. — Die Red.