Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Verfall der natürlichen Bedingungen Palästinas in der nachjüdischen Zeit
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 546 (sequence 2)
- Language
- German
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Erscheinungen seiner Lebewelt. Die Änderungen, die hier eintraten, sind im wesentlichen Schwankungen qualitativer und quantitativer Natur innerhalb seit langem festliegender Grenzen. Im allgemeinen dürfte es richtig sein, zu sagen, daß die Lebewelt Palästinas degenerierte, ohne aber grundsätzliche Änderungen zu erfahren, und daß diese Degeneration mit einem allgemeinen Niedergang in der Natur des Landes verbunden war. War dieser Niedergang notwendig? Lagen die Gründe dafür in der Natur des Landes oder außerhalb derselben? Und welche waren diese Gründe? Ist es möglich, den früheren, besseren Zustand wiederherzustellen? Und wenn ja, wie? Dies sind die Fragen, welche nicht nur gegenwärtig, sondern immerzu für unsere Arbeit von größter Bedeutung sein werden. Die Antwort auf die letzte Frage haben wir in gewissem Umfang bereits gefunden. Und sie ist schlagend: besteht sie doch in den Ergebnissen der jüdischen Kolonisation. Zudem sind die Möglichkeiten, die man bisher kennt, nur ein Teil jener, die man bei Fortführung unseres Werkes in Zukunft noch kennenlernen dürfte. B* Die Zerstörung der Böden* Die Zerstörung der Böden in Palästina wurde von verschiedenen Seiten und unter verschiedenen Gesichtspunkten des öfteren erörtert. Die. Erfahrungen der jüdischen Kolonisation bestätigen hier wiederum die historischen Überlieferungen und die theoretischen Anschauungen. Die Bodenzerstörung — im wesentlichen quantitativer, in gewissem Umfang aber auch qualitativer Natur — erfolgte auf verschiedene Weise Generationen hindurch ohne Unterbrechung, nachdem die jüdische Landwirtschaft im Lande aufhörte. Sie ist unbedingt auf die Verwahrlosung und Nachlässigkeit in wirtschaftlichen Dingen, die seitdem im Lande herrschten, zurückzuführen. Einer der Hauptgründe für die Zerstörung des Bodens ist die" Vernichtung der Bäume und Sträucher in den Wäldern, Weinbergen und Gärten des Landes. Einen großen Teil der Schuld daran tragen sicherlich die vielen Kriege, aber sie geben doch nicht den Ausschlag. Denn zu einem erheblichen Teil wurde diese Zerstörung in Friedenszeiten von den Bewohnern des Landes selbst beharrlich fortgesetzt. Die Einwohner selbst waren es, die Bäume fällten und Sträucher ausrissen, um sie zu verbrennen oder zur Herstellung von Brennmaterial (Holzkohle) zu verwenden, ohne sich irgendwie darüber Rechenschaft zu geben, welchen Schaden sie damit dem Lande zufügten. Die Einwohner weideten ihr Vieh in Wäldern und Weinbergen, ihre Ziegen fraßen die Bäume bis zu den Kronen ab, besonders die zarten Blätter, und ihre Kamele und Kühe zerstörten alle Reben, die sie mit den Zähnen erreichen konnten. All das war zur Zeit des zweiten Tempels anders, als besondere Vorschriften die Aufzucht von Kleinvieh in bestimmten Bezirken verboten oder wenigstens beschränkten, um die Pflanzungen zu schonen. Und sicher wurden in der Vergangenheit noch viel häufiger als heute, dem Brauch der Wüste entsprechend, Pflanzungen ausgerodet, als Racheakte von Dörfern, Stämmen und Familien. Durch das Verschwinden der Bäume und Sträucher verarmte die Pflanzendecke überhaupt und der Boden verlor seinen Schutz, wurde den Regengüssen des Winters und den austrocknenden Winden des Sommers ausgesetzt, die ihn zerbröckeln und die Erdkrume von jenen Stellen wegtragen, wo er notwendig, und ihn dort absetzen, wo er überflüssig ist. Wo keine Pflanzenwurzeln dem Boden Halt geben, können die abtragenden Kräfte der Atmosphäre ihn so weit zerbröckeln, daß ihm jede Widerstandskraft fehlt.