Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Das Wirtschafts-Barometer: September 1936
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 522 (sequence 2)
- Language
- German
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Wie, zunächst nur gerüchtweise, verlautet, soll zugleich mit dem Kriegsrecht auch ein Moratorium verkündet werden. Zitrusfrüchte Am 3. September gingen die ersten Zitronensendungen von Haifa ab; der Grapefruits-Export muß im Oktober beginnen. Gleichwohl erscheint jedwede Prognose über den Verlauf der neuen Saison 1936/37 bis auf weiteres unmöglich. Nur wenige Faktoren, die die Geschäftsgestaltung beeinflussen, sind heute mit Sicherheit abzuschätzen. Ein positives Moment ist die sehr günstige Entwicklung der Früchte, die quantitativ wie qualitativ eine Rekord-Ernte erwarten läßt. Anderseits steht als negatives Moment fest, daß sich die handelspolitische Situation nicht gebessert hat; nach wie vor wird uns von England die »Imperial Preference« und eine Senkung des bisher abnorm hohen Grapefruit-Zolles vorenthalten; der Absatz nach Deutschland wird sich bei den zunehmenden Devisenkomplikationen noch schwieriger zeigen als im Vorjahr; der polnische Markt, der in den letzten Jahren so wichtig für uns geworden ist, ist seit Ende der letzten Saison nunmehr auch mit einem Devisenverordnung belastet worden. Und jetzt die noch unbekannten Komponenten des kommenden Geschäftsverlaufes! Wieviel von der zum Export voraussichtlich disponiblen Menge, die man beim gegenwärtigen glänzenden Stande der Pflanzungen auf kaum unter 11 Millionen Kisten beziffert, in Wirklichkeit zum Export gelangen wird, ist eine ganz offene Frage, zumal hinsichtlich der rund 5 Millionen Kisten aus arabischen Orangerien im Falle der offiziellen Fortsetzung des arabischen »Streiks«. Was die 6 Millionen Kisten aus jüdischem Pardessim betrifft (bei deren Erwähnung wir mit Ehrfurcht der kürzlich hochbetagt verstorbenen Frau Sara Etta Fellmann gedenken, - die 1883 die erste jüdische Zitrus-Pflanzung anlegte), so erscheint das technisch-organisatorische Problem des Abtransports und der Verschiffung von äußerster Dringlichkeit. Die reibungslose Zufuhr der Früchte von den Packhäusern zu den Häfen .per Bahn und Auto hängt davon ab, daß ausreichende militärisch-polizeiliche Sicherungsmaßnahmen getroffen, Eisenbahnwaggons in genügender Zahl bereitgestellt, verschiedene Landstraßenbauten noch rechtzeitig vollendet werden. Um den glatten Gang der Verschiffung zu ermöglichen, auch für den Fall, daß Jaffa weiter streikt, arbeitet man fieberhaft am Ausbau der entsprechenden Einrichtungen des neuen Hafens von Tel Aviv, und man erklärt von autoritativer Seite, daß alle berechtigten Erwartungen sich erfüllen werden. Schließlich der letzte, und wohl" meistumstrittene Faktor: die spanische Konkurrenz! Wird Spanien im kommenden Winter überhaupt und mit welchen Mengen lieferfähig sein? »Normal« könnte Spanien fast rund das Dreifache des palästinensischen Quantums auf den Weltmarkt bringen. Wie nun aber, wenn die spanische Offerte diesmal total oder zu beträchtlichem Teile ausbleibt? Vorläufig sollen Schlußfolgerungen aus dieser Frage vermieden werden, da die spanische Ware in der Regel erst gegen Jahresende in großen Mengen auf die Auslandsmärkte kommt, und die Entwicklung der politischen Lage ist noch unabsehbar. Getreide, Futtermittel und Mehl Die letzthin feste Stimmung auf dem Weltgetreidemarkte hat jetzt wieder einem gewissen Rückschläge Platz gemacht und damit den palästinensischen Fachkreisen recht gegeben, die sich nicht zu größerer Lagerbildung entschließen wollten. Die Loko-Preise für Weizen, Gerste und Dutt ah büßten daher im Berichtsmonat den Aufschlag, den sie im Vormonat erzielt hatten durchwegs wieder ein. Die Umsätze halten sich in engen Grenzen. Was Mehl betrifft, so verlautet, daß die Import-Kontingente für das vierte Quartal 1936 im allgemeinen denen des dritten Quartals entsprechen sollen; auch diesmal ist ihre Zuteilung Gegenstand lebhafter Kontroverse zwischen Mehlgroßhandel