Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Der Untersuchungskommissär als Prophet - eine Warnung!
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 506 (sequence 2)
- Language
- German
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faßbaren, teilweise zahlenmäßig darstellbaren Untergrund entfernen und sich dem rein Politischen, Diffizileren, Unwägbaren, zuwenden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich die arabische Taktik vor der Untersuchungskommission diesmal sehr wesentlich von der 1929 befolgten unterscheiden wird; der große wirtschaftliche Erfolg des Aufbauwerks, die Tatsache, daß die »Legende von der Entwurzelung«, die damals solch eine entscheidende Rolle spielte, sich als vollkommen aus der Luft gegriffen erwies, daß heute von arabischer Arbeitslosigkeit als Folge des Aufbauwerks keine Rede mehr sein kann, das Gegenteil leicht erweisbar ist; all dies macht es sehr wahrscheinlich, daß diesmal weniger wirtschaftliche Gründe als das einfache politische »Nein« gegenüber der jüdischen Einwanderung die Haltung der Araber vor der Kommission wesentlich bestimmen wird. Umso interessanter ist es, einmal zu kontrollieren, was sogar aus den Prophezeiung gen eines Wirtschaftssachverständigen geworden ist, der auf dem Boden der »reinen nackten Tatsachen« stehend, im Jahre 1929 mit absolut überlegener Gewißheit Schlußfolgerungen über die Zukunft des Aufbauwerks zog, die, wenn auch nur ein Teil von ihnen, sei es als politische Richtlinie einer zukünftigen Palästinapolitik der .Mandatsregierung, sei es als selbstverständliche Folge »aufgezeigter Tatsachen«, eingetroffen wäre, das Ende des jüdischen Aufbauwerks bedeutet hätte. Wir sprechen von dem berühmten »Report on Immigration, Land Settlement and Development« von Sir John Hope Simpson vom Jahre 1930, der als »der« Sachverständige der Regierung damals einige Wochen in Palästina weilte und diesen Bericht als Frucht seines Besuches vorlegte. Wir beschränken uns hier absichtlich auf einen Teilabschnitt seines Berichtes,, weil der landwirtschaftliche Teil oft kritisiert und widerlegt wurde. Bekanntlich hatte Sir John festgestellt, daß kein Quadratmeter Boden in Palästina für jüdische Siedlung mehr zur Verfügung stehen könne (ohne einem großen Entwicklungsplan). Auch hierüber ließe sich heute, auf Grund siebenjähriger Erfahrung manches Neue sagen. Allein wir wollen ah dieser Stelle über Sir Johns Prophezeiungen über Aussichten der jüdischen Industrie sprechen, weil hier die Fragen viel einfacher liegen. Es gibt wohl kaum ein Beispiel, an dem es so klar wird, wie sehr dem Land und der Psychologie seiner Bewohner fremde, nur kurze Zeit im Lande weilende Beobachter fehlerhafte Schlüsse ziehen und verhängnisvollen Täuschungen zum Opfer fallen. Wenn nämlich Sir John Simpson neue jüdische Siedlung im Lande, ohne einen riesige Summen verschlingenden Entwicklungsplan für umnöglich erklärte, da in Erez Israel ohnedies absolut kein Boden für zusätzliche Bevölkerung mehr vorhanden sei — so mußte er konsequenter Weise auch untersuchen, ob wenigstens Aussichten vorhanden wären, in Erez Israel eine große Industrie zu entwickeln, um dadurch die jüdische Einwanderung zu steigern, denn auf diesem Gebiete wenigstens ist es doch von vornherein sicher, daß eine solche Entwicklung niemanden »entwurzeln«, niemanden Boden wegnehmen, niemanden seiner Existenz berauben wird. Aber leider, leider auch eine solche Aussicht bestand nach Sir John leider in keiner Weise und die Phantasie des Sachverständigen reichte nicht aus, sich so etwas vorzustellen. Wer ihm daher vorausgesagt hätte, daß in kurzen fünf Jahren nach seinem Bericht 250.000 Juden nach Erez Israel einwandern würden, wäre von ihm für einen Narren und Phantasten erklärt worden. Folgende sind die Schlußfolgerungen der Untersuchungen Simpsons auf diesem Gebiet: »Vom Standpunkt jener, die so brennend eine große Einwanderung aus dem Osten und dem Jemen wünschen (scheinbar eine besonders schauerliche VorstellungI D. V.) und deren Ziel mit der Ankunft der Immigranten in Palästina erreicht ist, mag es ge-