Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Die Frage der Lebenshaltung als Problem der Konsumentenerziehung
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 497 (sequence 7)
- Language
- German
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zurück,) Aber die Existenz der Luxusfabrik hängt davon ab, daß sie Jahr für Jahr ihre Produktion absetzt; Jahr für Jahr müssen also Reiche ihre Ersparnisse einschränken, damit die Arbeitsstellen in dieser Fabrik erhalten bleiben, während sonst, wenn das Geld für Neuinvestitionen verwandt worden wäre, ständig neue Arbeitsstellen hätten geschaffen werden können. Jede Luxusindustrie zehrt an der volkswirtschaftlichen Sparsumme, und damit an der Quelle, die die Aufnahmefähigkeit einer Volkswirtschaft für neue Arbeiter befruchtet. Es hat sich gezeigt, daß für eine Einwirkung auf den Aufbau Palästinas und seine Menschenfassungskraft die Erziehung des Konsumenten mindestens ebenso wichtig ist, wie die Einwirkung auf den künftigen Produzenten; daß diese Konsumentenerziehung auf Förderung des Spartriebs, des Verbrauchs heimischer Produkte und der Vermeidung von Luxusverbrauch ausgehen sollte. Die Doktor-Frage, was als Luxus anzusehen ist und was nicht, ist noch nicht entschieden und kann wohl auch nie absolut beantwortet werden, weil der Begriff je nach den besonderen soziologischen, ethischen, ja sogar politischen Umständen schwankt. Aber man kann die Abgrenzung ruhig dem gesunden Urteil derjenigen überlassen, die die berufenen Träger der Massenerziehung sind, z. B. die Schulen und Hochschulen, die Sportbünde, die Sozialorganisationen, die Gewerkschaften usw. Eine besondere Rolle für die von uns im einzelnen behandelten wirtschaftlichen Aufgaben fällt den Kredit- und Konsumgenossenschaften zu, doch können wir hierauf an dieser Stelle nicht mehr eingehen. Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie Von Dr* Erwin Wittkowski, Tel Aviv. I. Man ist gewohnt, wenn man von Problemen der palästinensischen Industrie spricht, an Fabrikationsschwierigkeiten — Qualitätsfragen, Arbeitskosten, Produktionsmengen — oder an den Kampf um ausreichende Preise gegenüber dem ausländischen Wettbewerb zu denken. Zweifellos gebührt diesen Fragen immer noch größte Aufmerksamkeit, wenn auch erfreulicherweise konstatiert werden kann, daß es einem nicht unerheblichen Teil der Industrie bereits in mehr oder weniger großem Maße gelungen ist, befriedigende Lösungen zu finden. Viele palästinensische Industrieprodukte stehen an Qualität ausländischen Erzeugnissen nicht mehr nach, einige sind auch, durch Zollschutz und Kostenanpassung, bereits soweit, mit dem bestehenden, größtenteils noch durch die ausländische Konkurrenz bestimmten Preisniveau auszukommen. Während dieses Aufstiegprozesses aber offenbarte sich ein neues Problem, das Problem der Marktpolitik. Die Industrie mußte erkennen, daß es nicht genügte, eine Ware »richtig« zu fabrizieren und zum »richtigen« Preis anzubieten, sondern daß auch die Weiterleitung der Ware durch die verschiedenen Kanäle des Handels ein Problem ist, das ihr Interesse erfordert- An wen soll verkauft werden, an den Großhandel, Detailhandel oder direkt an den Konsumenten; mit welchen Preisabstufungen, wenn verschiedene Kundenkategorien in Frage kommen; in freiem Wettbewerb oder mit Preisbindungen in einer oder allen Stufen des Vertriebs; mit finanzieller Beteiligung an den Handelsfirmen, oder im Verkehr zwischen völlig unabhängigen Unternehmungen. Diese und ähnliche Fragen mußten aktuell werden, sobald der Absatz von Tozereth Haaretz-Waren auf dem palästinensischen Markt quantitativ beachtliche Ausmaße annahm. Daß sie — ver-