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Palästina · 1936-10-01 · Heft 10 (Oktober 1936) · p. Seite 492

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 10 (Oktober 1936)
Article
Die Frage der Lebenshaltung als Problem der Konsumentenerziehung
Date
1936-10-01
Page
Seite 492 (sequence 2)
Language
German
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1. Es ist eines der Grundgesetze der unternehmerischen Verkehrswirtschaft, daß das .Kapital nach der Investitionsart1 strebt, die die höchste Gewinnrate verspricht. In welchem Wirtschaftszweig, an welcher Ware, durch welches Angebot der Gewinn erzielt wird, ist für die Rentabilitätsrechnung, und damit für den »Kapitalisten« belanglos. Nun besteht diese vielgeschmähte Menschenklasse allerdings nicht aus den »homines oeconomici« der Laboratorien der klassischen Nationalökonomie, sondern es sind Menschen aus Fleisch und Blut, die außerwirtschaftlichen Gesichtspunkten zugänglich sind. Aber sich darauf zu verlassen, geht allenfalls in einem Lande mit gefestigter wirtschaftlicher Tradition an; in Palästina konnte sich aber eine solche noch gar nicht heranbilden. Daher finden sich unter zwanzig investitionslustigen, zukünftigen Unternehmern leicht mehrere, die gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten unzugänglich, nur ihrem privaten Gewinninteresse folgen und eine vom nationalen Standpunkt aus unerwünschte Ware oder Leistung auf den Markt bringen. Dann dient aber die Disziplin der übrigen Kapitalisten nur dazu, den Ausbrechern eine höhere Kapitalrente zu verschaffen! 2. Aber selbst wenn wir annehmen, alle unsere zwanzig Kapitalisten unterwürfen sich dem Gesamtinteresse und nähmen davon Abstand, um bei unserem Beispiel zu bleiben, eine »Luxus«produktion einzurichten, — wer könnte verhindern, daß nicht das betreffende Angebot dennoch auf dem Markte erscheint, von arabischer Seite oder durch Import? Nur die Regierung; aber von dieser kann man weitgehende Unterstützung durch interventionistischen oder protektionistischen Maßnahmen wohl nicht erwarten. So wenig diese beiden Argumente dazu bestimmt sind, die Einflußnahme auf die Angebotsseite der Wirtschaft zum Zwecke optimaler Gestaltung des Wirtschaftsaufbaus zu entmutigen, so sehr sollen sie doch zeigen, daß die Erziehung des Konsumenten ergänzend hinzutreten muß. Wenn ich darauf eingestellt bin, mir eher ein gutes Buch als eine neue Krawatte zu kaufen, und mit mir das Gros der Angehörigen meiner gesellschaftlichen Klasse, so wird ein Angebot in dem betreffenden Gut gar nicht entstehen, oder wenn doch, so werden die Anbietenden in ihren Gewinnerwartungen grausam enttäuscht werden. Wichtig ist, daß das Gesetz der »Hundertprozentigkeit«, wie man es nennen könnte, auf der Nachfrageseite viel weniger gilt, als auf der Angebotsseite: die Disziplin der überwiegenden Mehrzahl der Anbietenden ist fruchtlos, wenn eine kleine Minderheit die unerwünschte Ware doch auf den Markt bringt. Wenn dagegen ein entsprechend großer Teil der Konsumenten nicht mitmacht, so wird es für den Anbietenden nicht mehr lohnend, den Rest der Konsumenten zu beliefern. Der Verbraucher ist der wahre Herrscher am Markte; er wird auch die egoistischen Unternehmer in die gesamtwirtschaftlich erwünschte Richtung drängen, wenn er durch eine entsprechende Erziehung seine Kaufwünsche in bestimmte Bahnen gelenkt werden. Welches ist aber nun die »gesamtwirtschaftlich erwünschte« Richtung der Einkommensverwendung? Die erste Entscheidung, die jeder der Einkommen bezieht, zu treffen hat, ist die, wieviel er davon einerseits sparen oder investieren und anderseits verbrauchen soll. Je mehr er verbraucht, desto weniger kann er zurücklegen. Volkswirtschaftlich betrachtet, bilden diese Rücklagen in der Regel ebenfalls Nachfrage, nämlich nach Investitionsgütern, sei es daß der Sparer selbst investiert, sei es, daß 1 Hier, wie durchweg im Folgenden, wird unter Investieren nicht, wie in der Bank-, und Börsensprache, der Kauf von Wertpapieren, sondern Kauf oder Widmung von Produktionsmitteln zur Produktion im weitesten Sinne, also den Handel mit umfassend, verstanden.

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