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Palästina · 1936-09-01 · Heft 9 (September 1936) · p. Seite 475

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 9 (September 1936)
Article
Der Kampf um die jüdische Einwanderung [Nachricht]
Date
1936-09-01
Page
Seite 475 (sequence 2)
Language
German
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setzte der Terror um so heftiger ein. Für den Jischuw werden die Tage unvergessen bleiben, an denen in Jaffa zwei Krankenschwestern aus dem Hinterhalt erschossen und an einem Tag in Safed und Haifa acht Juden getötet wurden, darunter einige kleine Kinder. Ebenso wenig änderte sich etwas an der Haltung der Regierung. Ihre moralische Autorität wurde immer mehr geschwächt, der Konflikt zwischen Justizverwaltung und politischer Verwaltung dauerte an und setzte das Ansehen des Hochkommissärs ebenso herab, wie die Nichtanwendung der zur Bekämpfung des Terrors erlassenen Notverordnungen und die Verzögerung der Verhängung des Belagerungszustandes. Das Memorandum der zwölfhundert arabischen Unterbeamten, und die durch absichtlich fehlerhafte Anklagestellung durch arabische Staatsanwälte erzwungene milde Bestrafung der ersten vor Gericht gestellten Aufständischen zeigt, daß die Regierung ihre eigene Verwaltung nicht mehr in der Hand hat. Der Jischuw hat auch im letzten Monat die von politischer Einsicht aufgezwungene Selbstbeherrschung und Zurückhaltung bewahrt, obwohl einige Male Aktionen gegen den arabischen Terror nur mit Mühe verhindert wurden. Der abgelaufene Monat wurde jedoch von den Auseinandersetzungen der Araberführer untereinander beherrscht, die sich um den Abbruch des Streiks drehten und zur Ermordung des Bürgermeisters von Hebron, Nasr Ed Din, durch Extremisten führten. Ein Teil des Arabischen Komitees unter der Führung der Naschaschibi war für den Abbruch des Streiks gegen vorübergehende Einstellung der jüdischen Einwanderung, die aber erst nach Streikabbruch erfolgen sollte. Durch Abwälzung der Entscheidung über die Einstellung des Streiks auf die lokalen Streikkomitees hat die intransigente Muftipartei diese Entscheidung und damit einen empfindlichen Prestigeverlust für den Augenblick vermieden. Wie sehr jedoch die Lage auf eine Entscheidung drängte, zeigte das Eingreifen des Außenministers des Irak und Freundes des Obersten Lawrence, General Nuri Pascha Es Said, der durch Wochen Verhandlungen mit dem Hochkommissär, der Exekutive, dem Arabischen Komitee und den arabischen Fürsten führte, um nach dem Mißerfolg Emir Abdallahs ein Kompromiß zu erzielen. Die öffentliche Meinung, die in echt levantinischer Weise von Tag zu Tag mit Gerüchten versorgt wurde, war schon auf das Ärgste, auf die Einstellung der Einwanderung gefaßt, wozu die Erklärung des Kolonienministers an die arabischen Beamten, daß eine solche wohlwollend erwogen werde, allen Anlaß gab. Die Tagung des Aktionskomitees wurde von dieser Drohung so vollständig beherrscht, daß darüber die Notwendigkeit der absoluten Zurückweisung der Einmischung außerpalästinensischer arabischer Faktoren und Regierungen, wie es die Mission Nuri Paschas war, nicht so sehr in den Vordergrund gestellt wurde, wie sie es verdiente. Eine Anerkennung der Berechtigung dieser Einmischung würde die Anerkennung einer historischen Verbundenheit der arabischen Völker außerhalb Palästinas mit diesem Lande bedeuten. Die Forderung Nuri Paschas und der arabischen Fürsten nach einer Kontrolle der Verwaltung Palästinas und die Tatsache, daß eine beträchtliche Zahl der in den Kämpfen gefallenen Araber aus dem Ausland stammten, hat die geschwundene Autorität der Verwaltung und den Prestigeverlust der Mandatsmacht gezeigt und dem britischen Kabinett die vorläufige Aussichtslosigkeit eines Kompromisses vor Augen geführt. Daher erfolgte nach der Kabinettssitzung vom 3. September die Veröffentlichung des Briefes des Kolonienministers an Prof. Weitzmann, in dem die Vermittlerrolle Nuri Paschas und seine Mission als gescheitert erklärt und weiters betont wurde, daß an eine Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht gedacht werde. In einer späteren Erklärung wurde diese sogar als ein wesentlicher Faktor des Mandats bezeichnet.

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