Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 9 (September 1936)
- Article
- Die Kibbuzim im Anfang 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 462 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Ausgaben für Ernährung machen im Durchschnitt in sämtlichen Kibbuzim fast die Hälfte des Gesamtaufwandes aus. Folgende Ziffern vermögen die Auswirkungen der Teuerung zu illustrieren: Während sich im Jahre 1933 die Ausgaben für Nahrungsmittel in 32 Kibbuzim auf höchstens 45 Mils pro Tag und Mitglied stellten, hatten im Jahre 1935 nur sechs Kibbuzim diese Ausgabe. 31 Kibbuzim hatten im aufgelaufenen Jahr 46 bis 55 Mils für Ernährung pro Tag und Mitglied aufzuwenden» gegen bloß zwölf Kibbuzim im Jahre 1933. In weiteren sechs Kibbuzim waren die Ausgaben dafür pro Tag und Mitglied über 55 Mils. Für Ausgaben in dieser Höhe gibt es überhaupt keine Vergleichsziffern im Jahre 1933. Die steigenden Ausgaben für Nahrungsmittel und die zunehmende Belastung durch die Erhaltung von Angehörigen zeigen sich am besten im Gesamtbudget. Im Jahre 1931 haben sämtliche Ausgaben pro Person und Tag im Durchschnitt 100 Mils nicht überstiegen und lagen zum Teil noch wesentlich darunter. Im Jahre 1933 bewegte sie sich in 40 Kibbuzim um diesen Durchschnitt und nur bei vier Kibbuzim lagen sie darüber. Im Jahre 1935 sind sie in 38 Kibbuzim auf mehr als 100 Mils gestiegen und blieben nur bei 13 darunter. Diese Ziffern beziehen sich auf jüdische Wirtschaftsjahre. Da die Lebenskosten stärker .stiegen als die Löhne, konnte weniger gespart werden. Im Bericht des Kibbuzausschusses heißt es, daß in den Jahren 1931 bis 1933 in den Kibbuzim 40.000 £P gespart wurden, wobei die Zahl der Kibbuzim geringer, die Arbeitsverhältnisse ungünstiger und die Löhne niedriger waren, als in den Jahren 1934/35, in denen trotz Vermehrung der Zahl der Kibbuzim und Besserung der Arbeitsbedingungen und Löhne nur 35.000 £P gespart wurden. Dennoch ist gerade in den letzten Jahren eine Erweiterung der Wirtschaft in den Kibbuzim erfolgt, und zwar besonders in solchen, die über Boden verfügen. Schon bei Aufgliederung der Arbeit in ihre Hauptkategorien ließ sich eine Ausdehnung der Tätigkeit in der Eigenwirtschaft feststellen, und zwar in der Viehwirtschaft durch Vergrößerung des Viehbestandes und im Gemüse- und Futtermittelbau. Die handwerklichen Betriebe wurden vergrößert und an die Gründung von Kleinindustrien wie Weberei, Strickerei, Schuherzeugung und Tischlerei gegangen. Alles dies geschah zu ganz erheblichem Teil aus eigenen Mitteln und durch Aufnahme vielfach kurzfristiger Anleihen. Seitens der offiziellen Stellen, wie Jewish Agency, Nir, Deutsche Abteilung, flössen den Kibbuzim bis 1. Oktober 1935 Anleihen in der Höhe von rund 99.000 £P zu. Die aufgenommenen Anleihen beliefen sich auf rund 78.000 £P, die Wechselschulden machten rund 98.000 £P aus, Kreditoren ergaben eine Summe von rund 43.000 £P. Einschließlich »Sonstige« (rund 1450 £P) stellt sich die gesamte Schuldensumme zum oben angeführten Zeitpunkte auf rund 320.000 £P (für 44 Kibbuzim). Das Eigenkapital, beträgt rund 80.000 £P. Der gesamte Vermögenswert betrug am 1. Oktober 1935 für 44 Kibbuzim rund 350.000 £Pt hievon Pflanzungen, Bewässerungsanlagen usw. rund 89.500 £P, Gebäude, Bodenmeliorationen, Wege und Umzäunungen rund 115.500 £P, lebendes Inventar rund 28.000 £P, totes Inventar rund 57.500 £P, Wertpapiere und Anteile rund 10.500 £P, Lagerbestand und Sonstiges rund 48.000 £P. Hiezu kommen noch Debitoren, Banken und Kassenbestand mit 48.500 £P. Über die finanzielle Lage der Kibbuzim heißt es im Vorwort des Berichtes: »Die Kibbuzim waren die ersten, die mit der Methode der Errichtung ihrer Wirtschaft nicht lediglich auf Grund von Takziwim, sondern auch auf Grund von Eigenersparnissen begonnen haben, und sie leisteten auf diesem Gebiete Großes. Zehntausende von Pfund sind gespart und in die Wirtschaft investiert worden. Aber in letzter Zeit werden übertriebene Forderungen an die Ansiedler gestellt, ohne deren effektive Möglichkeiten zu berücksichtigen. Insbesondere erscheinen die Forderungen übertrieben gegenüber dem Kibbuzsektor, dem auferlegt wurde und der es auch übernahm, »Kibusch«-Aufgaben zu