Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 8 (August 1936)
- Article
- Das Filmwesen Palästinas
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 417 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Tulkarm und Nablus —- zur Verfügung hat (neuerdings plant die arabische Nationalpartei die Errichtung von Kinos in Jaffa, Haifa und Jerusalem), wo gelegentlich auch die in Ägypten seit kurzem in steigender Zahl aufgenommenen arabischen Filme laufen können, ist die mit rund 400.000 Köpfe zählende jüdische Bevölkerung mit Kinos und Kinoplätzen sehr gut versorgt. Es gibt heute in Palästina neben den unbedeutenden arabischen rund 25 Kinos einschließlich der reinen Freilicht-(Sommer-)Kinos, und zwar vier in Jerusalem (davon eines in der deutschen Kolonie), sieben in Tel Aviv, sechs in Haifa und eine ständig wachsende Zahl von Kinos in den größeren Siedlungen wie Chedera, Rischon-le-Zion, Petach Tikwah, Kfar Saba usw. Diese Kinos bestehen zum größten Teil erst seit kürzerer Zeit und sind daher, was ihre Einrichtung und Ausstattung betrifft, von durchaus europäischem Standard, mit bequemen Sitzen, tadelloser Bild- und Tonwiedergabe, oft mit Kühlanlagen versehen usw. Der Durchschnitt der Sitzplätze dürfte etwa bei 1000 liegen, das heißt auf weniger als 20 Kopf der Bevölkerung entfällt ein Kinoplatz, eine Zahl, die nicht weit unter der der »ältesten« Filmländer liegt. Dasselbe gilt für die Besuchsfrequenz. Diese kann aus einer für das Jahr 1934 bekannten Zahl nach der Abgabe von 1 Mil pro Eintrittskarte an den KKL auf etwa 18mal pro Jahr pro Kopf der Bevölkerung geschätzt werden. Da inzwischen eine ganze Reihe Kinos erst neu in Betrieb genommen wurden und der Besuch allgemein sehr stark war, ist es eher zu vorsichtig geschätzt, wenn man annimmt, daß jeder palästinensische Jude heute einmal im Monat ins Kino geht, ein außerordentlich seltenes Ergebnis für den Nahen Osten. Der niedrigste Eintrittspreis beträgt etwa V/z Piaster, die teureren Plätze sind verschieden gestaffelt und gehen bis 10, 12 und 15 Piaster, sind also im ganzen nicht allzu hoch bemessen. Das Niveau der in Palästina gezeigten Filme ist ein an »kolonialen« Maßstäben gemessen außerordentlich hohes. Die hohe Kulturstufe der jüdischen Bevölkerung und ihre Herkunft aus den zivilisiertesten Ländern brachte für die Kinos die Notwendigkeit, wirklich gute Filme vorzuführen, und dies, wie das Fehlen jeglicher Einfuhrbeschränkung führte dazu, daß in Palästina mit wenigen Ausnahmen, die besten Produktionen der Welt vertreten sind. Vorherrschend auf dem Markt sind die amerikanischen und deutschsprachigen Produktionen. Letztere stammen heute ausschließlich aus Österreich, Ungarn oder der Tschechoslowakei und haben vor den anderen Produktionen den Vorteil, daß sie von der großen Schicht palästinensischer Juden deutscher oder jiddischer Muttersprache am besten verstanden werden. Sie haben daher, besonders wenn es sich um Lustspiele handelt, mit die größten Erfolge. Der Anteil der Amerikaner ist, wie gesagt, ebenfalls stark, im Vordringen sind die französischen Produktionen, die ein gutes Durchschnittsniveau aufweisen und in der Levante auch auf gutes Sprachverständnis stoßen. Englische Filme werden erst neuerdings häufiger gezeigt, gelegentlich auch polnische und russische. Die Filme sind in der Einfuhr nicht beschränkt, nur müssen sie eine spezielle palästinensische Zensur passieren, aber wenn es sich nicht gerade um koloniale oder politische Probleme handelt, ziemlich liberal ist, und neuerdings auch ein Jugendverbot kennt. Während bis vor noch nicht allzu langer Zeit Ägypten der Filmlieferant Palästinas war, ist die Bedeutung des palästinensischen Marktes durch die Filmfirmen auch dadurch anerkannt worden, daß fast alle größeren Häuser heute Vertretungen in Tel Aviv oder Jerusalem haben, von wo auch die Filmkopien versandt werden. Die Leihmieten für die Filme sind verhältnismäßig hoch und schwanken etwa zwischen 30 und 50%, eine Folge der im Großen gesehen natürlich noch immer relativ geringen Aus- Wertungsmöglichkeiten, die noch dadurch verringert werden, daß die Kinos fast ausschließlich »Erstaufführungskinos« sind. Es gibt also keine sogenannten »Nachspieler«,