Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 8 (August 1936)
- Article
- Das Wirtschafts-Barometer: Juli 1936
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 411 (sequence 2)
- Language
- German
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charakteristisch ist. Von den wirtschaftlichen Selbsthilfemaßnahmen der jüdischen Be- ^-^-j^ völkerung sind insbesondere hervorzuheben: Die ausgezeichnet fortschreitende Geldsammlung für den Konsolidierungsfonds, der der produktiven Flüchtlingsfürsorge dient, die Gewährung zusätzlicher Überbrückungskredite im Erwerbsleben ermöglichen soll; die große Werbeaktion »Dreißig Tage Tozereth-Haaretz« zugunsten der jüdischen Industrie, Handwerk und Landwirtschaft, um die Handelsbilanz Palästinas in dieser kritischen Zeit von entbehrlichen Importen zu entlasten; die tatkräftig eingeleitete Finanzierung zusätzlicher öffentlicher Arbeiten (hauptsächlich Straßenbau in jüdischem Gebiet) durch die »Bizur, Ltd.«; die Entwicklung des Tel-Aviver Hafenbetriebs, der am 19. Juli, zwei Monate nach der Eröffnung, bereits eine Tagesleistung von weit über 300 Tonnen aufwies, trotzdem der große Ladekran bisher noch nicht installiert ist. Mit all diesen vielseitigen Bemühungen, den normalen Wirtschaftsprozeß im Gang zu halten, dient der »Jischuw« unbestreitbar dem Gesamtinteresse des Landes, und es wäre wichtig, wenn auch die Regierung in gleicher Richtung positiv eingreifen würde, vor allem durch größere Aktivität auf dem Gebiete der öffentlichen Arbeiten. Ein gewisser Anfang dazu ist soeben gemacht worden durch Inangriffnahme eines neuen Bauabschnitts der direkten Autostraße Tel Aviv—Haifa, nämlich der Strecke Ewen— Jehuda-— Chedera. Der direkte Sachschaden, den die »Jischuw« erlitten hat, beläuft sich im Augenblick auf ungefähr 220.000 £P! Die Regierung wäre finanziell durchaus imstande, vor allem den unmittelbar notleidenden Geschädigten sofort zu Hilfe zu kommen. Die schwierigste Frage bleibt nach wie vor, welche Rekonstruktionsmaßnahmen zu treffen sind, wenn die Unruhen nun wirklich einmal zu Ende gehen, der arabische Wirtschaftssektor wieder regulär zu funktionieren beginnt und ein neuer »Modus vivendi« für alle im Lande wirksamen Wirtschaftskräfte auf der Basis der Kooperation gesucht werden muß. Es sei nur an das überaus dornige Problem eines »Moratoriums« erinnert, dessen Für und Wider leidenschaftlich umkämpft sind, also entweder offizielle Fortsetzung oder Beendigung der gegenwärtigen formlosen »Stillhaltung«, einer weitgehenden Lockerung der Zahlungssitten, die auch vor Wechselverpflichtungen kein Bedenken kennt. Kurzum, es ist notwendig, daß man sich über die Art der Rückkehr zum volkswirtschaftlichen Normalzustand klar ward, um die schweren Wunden, die Land und Bevölkerung in allen ihren Teilen erlitten haben, baldmöglichst wieder auszuheilen. Quantitativ wie qualitativ gestalten sich die Aussichten der nächsten Ernte weiterhin vielversprechend. Soeben hat die Regierung be- Zitrusfrüchte schlössen, in der kommenden Saison, um eine dem Preisniveau nachteilige Überflutung der Absatzmärkte zu verhüten, die Selektion der Exportware noch in der Weise verschärfen, daß künftighin Orangen größten Formats (100 Stück pro Kiste), die aus jungen Pflanzungen stammen und noch nicht von höchster Feinheit des Aromas sind, vom Auslandsverkauf ausgeschlossen werden. Als Mindestinhalt einer normalen Orangenkiste sind nunmehr 120 Stück vorgeschrieben worden. Schon unter Berücksichtigung dieser Maßregel schätzt man in Regierungskreisen die Exportmenge der Saison 1936/37 auf rund 10J^ Millionen Kisten. Wie man von amtlicher Seite hört, wird sich an der Verschiffung zum ersten Male auch der neue Tel-Aviver Hafen beteiligen, und zwar sind ihm etwa \Yi Millionen Kisten zugedacht, während via Haifa 5 und via Jaffa 4 Millionen Kisten hinausgehen sollen. Für den Fall, daß Jaffa auch noch nach Beginn der Zitrus-Exportsaison unter arabischer Obstruktion zu leiden hätte, würde die Jaffaer Exportquote entsprechend auf Haifa und Tel Aviv verteilt werden. Der Vorverkauf der neuen Ernte ab Baum war auch im Juli noch äußerst schleppend; die dabei bewilligten Preise hielten sich nur knapp auf dem Vormonatsniveau. Zwecks handelspolitischer Vor-