Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 8 (August 1936)
- Article
- Die kolonisierende Tätigkeit der "American Zion Commonwealth" und der Keren Hajessod
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 397 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Pläne für die Erschließung verschiedener Bodenkomplexe waren übersteigert und entsprachen nicht der Wirklichkeit Palästinas (als Beispiel erwähnen wir die Propaganda, die seinerzeit bei dem Verkauf der Parzellen in Afule unter dem Motto »das Tel Aviv des Nordens« gemacht wurde). Die Ausgaben für die Durchführung dieser Entwicklungspläne waren nicht genau berechnet und in verschiedenen Fällen nicht vollständig in die Bodenpreise eingeschlossen. Schließlich kamen dazu Fehler in der Verwaltung. Die Leitung der Geschäfte wechselte häufig und lag in den Händen meist unerfahrener Personen und die Verwaltungskosten waren übermäßig hoch. Mit der Exekutive der Zionistischen Organisation stand die »Amzic« nur in sehr loser Verbindung und ebenso war die Zusammenarbeit zwischen der Büros der Gesellschaft in Amerika und Palästina nicht richtig geordnet. Die Fehlschläge der »Amzic« und ihrer Tochtergesellschaften können als wertvolle Lehre dienen und man sollte ihnen deshalb genau nachgehen, um jene in Zukunft zu vermeiden. Gleichzeitig aber sollte man nicht vergessen, daß diese Gesellschaften/ dank der Hilfe des Keren Hajessod, unseren ländlichen und städtischen Bodenbesitz um große Flächen vermehrt haben und auch in der Kolonisation, besonders* in der Ansiedlung des Mittelstandes, sich bedeutende Verdienste erworben haben. Eben jetzt, wo die Gesellschaften ihre Tätigkeit zu Ende führen, werden Projekte für die Neuorganisation des Bodenverkaufs erörtert. Hoffen wir, daß man aus der Vergangenheit für die Zukunft gelernt hat und die neue Tätigkeit unter Vermeidung der seinerzeit begangenen Fehler organisieren kann, in engster Zusammenarbeit mit den obersten nationalen Instanzen und mit ihrer Unterstützung. Daß die Tätigkeit der Gesellschaften,' die hier besprochen wurde, nicht in Zusammenbruch geendet hat, ist jedenfalls nur der wirksamen Hilfe des Keren Hajessod zu verdanken. Probleme der Jugendverwahrlosung in Palästina Von Dr. Carl Frankenstein, Jerusalem. Es ist gewiß keine unerlaubte Übertreibung, wenn man sagt, daß die Ursachen der Verwahrlosung der Jugend in den sozialen Bedingungen zu suchen sind, unter denen sich das Leben des Kindes und des Jugendlichen abspielt. Ob wir die exzessive Arbeitslosigkeit oder den Mangel an politischer Stabilität, ob wir die Verwandlung eines ethischen Wertsystems durch Revolutionen oder den Zerfall der Ordnung in Zeiten der Inflation in das Zentrum der ätiologischen Betrachtung rücken, — immer ist es die soziale Situation, die ein anormales Ansteigen der Verwahrlosungsziffern erklärt. Gewiß gibt es auch in Zeiten sozialer Stabilität und innerhalb sozial stabiler Schichten Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen, und wir können diese Fälle durch psychologische Analyse der individuellen Entwicklung verständlich machen. Und gewiß ist für die Therapie die Arbeit des Psychologen unersetzlich. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, daß wir bei Verwahrlosung nicht vor Einzelfällen, sondern vor dem erschreckenden Phänomen einer Epidemie stehen, einer Epidemie, die um so gefährlicher ist, als wir ihren »Erreger« keineswegs* immer wirkungs-