Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1936)
- Article
- Die Struktur der Bevölkerung Palästinas als Schlüssel für die Zusammensetzung des Legislative Council
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 345 (sequence 2)
- Language
- German
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Zu Wirtschaftsberatern sollten ein Moslem und ein Jude ernannt werden, doch steht dies noch nicht fest. Dies angenommen, stünden 5 englischen*Beamten 12 Moslem, 8 Juden und 3 Christen gegenüber, das sind 15 Araber und 8 Juden. Sieht man von der rein politischen Seite ab, wonach die Juden niemals damit einverstanden sein können, von vornherein, selbst mit Einrechnung der englischen Stimmen, in der Minderheit bleiben zu müssen, und betrachtet man das gewählte Zahlenverhältnis auf Grund der sozialen Struktur der Bevölkerung, so ergibt sich ungefähr folgendes Bild (wobei bloß die Verhältnisse bei den seßhaften Landesbewohnern in Betracht gezogen wurden). Bevölkerung Ende 1936. Nach vorliegenden Schätzungen betrug diese Zahl1: Insgesamt Davon Nichtjuden Juden % Christen % Moslem % Insgesamt % Stadt 541.325 284.000 52.00 69.250 12.15 188.075 35.25 237.325 48.00 Land 684.785 91.000 13.00 22.148 3.15 571.637 83.15 593.785 81.00 1,226.110 375.000 30.58 91.398 4^22 759.712 65.20 831.110 69.42 Das Prozentverhältnis in der Bevölkerung ist demnach: Juden 30.58, Christen 4.22, Moslem 65.20 (Rest zerplittert). Es ergäbe sich daher bei zwölf gewählten Mandataren ein perzentueller Schlüssel von: Juden 3.6, Christen 0.5, Moslem 7.8. Daraus ist zu ersehen, daß die Regierung die Zahl der zu Wählenden so gefunden hat, daß sie die Verhältniszahl der Christen und Moslem nach oben, die der Juden nach unten abgerundet hat. Nimmt man aber gewählte und ernannte Mitglieder zusammen (21), bei Vernachlässigung der zwei Wirtschaftsberater, von denen nicht festgesetzt ist, aus welcher Bevölkerungsgruppe sie genommen werden sollen, so ist das Verhältnis der einzelnen Konfessionen das folgende: Perzentueller Anteil Juden (7) 33.3 % Christen (3) 14.3% Moslem (11) 52.4% Dagegen: Bevölkerungsschlüssel Juden 30.58% Christen 4.2% Mosiem 65.2% Daraus ist zu ersehen, daß die Juden nur unwesentlich besser gestellt sind, als ihr Bevölkerungsanteil beträgt, die Moslem aber vor allem auf Kosten der Christen gekürzt wurden. Aus dieser Tatsache ergibt sich klar, daß die Regierung nicht die bloßen Bevölkerungsanteile zur Grundlage des Schlüssels genommen hat, sondern daß sie noch andere Momente als wichtig ansieht, denn den Christen ist ein über dreimal so großer Anteil gegeben worden, als ihrem Prozentsatz an der Bevölkerung entspricht. Es ist auch klar, daß in einem Lande, in dem der zahlenmäßig größte Teil der Bevölkerung — die Moslem — noch überwiegend aus Analphabeten besteht, nicht ein allgemeines Wahlrecht bloß nach der Kopfzahl eingeführt werden kann. Umso erstaunlicher und unerklärlicher ist es, daß bei den Juden, die völkerrechtlich Staatsnation in Palästina sind und keine nationale Minderheit, die wirtschaftlich, sozial und kulturell ungemein stärker entwickelt sind als die Araber, eine solche Korrektur wie bei den Christen nicht angewendet worden ist. Versuchen wir, trotz der Mangelhaftigkeit der palästinensischen Statistik, uns die wirtschaftliche und soziale Überlegenheit der Juden an einigen Zahlen klar zu machen. 1 Siehe »Palästina«, Heft 3, Seite 156.