Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1936)
- Article
- Die Genossenschaft-Organisationen Palästinas
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 337 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379947-2408361--22996-2408542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
als 65% der erforderlichen Summe zur Verfügung, die übrigen 35% müssen die Genossenschaften aus eigenen Mitteln aufbringen. Das Kapital des Genossenschaftsfonds beläuft sich auf 10.000 £P; der für die Anleihen zu zahlende Zins beträgt 8% pro Jahr. Die Genossenschaftskasse ergänzt die Tätigkeit des Genossenschaftsfonds, indem sie den Genossenschaften durch kurzfristige kleine Anleihen schnelle Hilfe gewährt. 6* Die Wohnstättengenossenschaften» Für den jüdischen Arbeiter Palästinas sind die Wohnungsbedingungen sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande wesentlich ungünstiger als für den Arbeiter der europäischen Kulturländer: Charakteristisch hiefür ist, daß in Frankreich 18% der Arbeiterfamilien in Einzimmerwohnungen wohnen, in England sogar nur 6%, hingegen in Palästina 68%. Der französische Arbeiter gibt 12% seines Lohnes für Miete aus, der englische Arbeiter 11%, der palästinensische 25%. Die Wohnungsbedingungen des palästinensischen Arbeiters sind demnach um ein vielfaches ungünstiger, als die des englischen und französischen und es liegt auf der Hand, daß die hohen Wohnungsmieten den ganzen Lebensstandard ungünstig beeinflussen. In Palästina hat sich deutlicher als in irgendeinem anderen Lande als wichtigstes Mittel zur Lösung des Arbeiterwohnproblems die Schaffung von großen Arbeiterwohnstätten erwiesen, wo der Arbeiter eine Wohnung oder ein kleines Haus mit einem Stückchen Boden erwerben kann. Denn ein Haus und eine kleine Hilfswirtschaft, durch die er sich mit Gemüse, Obst und Eiern versorgen und durch Verkauf noch kleine Nebeneinkünfte erzielen kann, sind eine günstige Voraussetzung für die Investierung von Ersparnissen in Zeiten der Prosperität und eine wichtige Hilfe in Zeiten der Depression. Im Jahre 1928 begann die Zentrale für Arbeiterwohnstätten ihre Tätigkeit. Sie stellte sich folgende Aufgaben: Erstens Propaganda für die Errichtung von Arbeiterwohnstätten, Organisierung der Wohnstätten-Genossenschaften und Unterstützung derselben; zweitens Klärung wirtschaftlicher und juristischer Fragen, die mit der Errichtung der Wohngenossenschaften verbunden sind, Ausarbeitung der technischen, finanziellen und wirtschaftlichen Programme für jede einzelne Wohnstättengenossenschaft, Beschaffung von Anleihen für den Bau und für die Errichtung von Hilfswirtschaften und drittens Bodenerwerb. Das Jahr 1928 war ein Jahr der Vorbereitung. In der palästinensischen Wirtschaft waren noch die Nachwirkungen der großen Wirtschaftskrise der Jahre 1925/27 zu spüren. In den Jahren 1929/30 begann der wirtschaftliche Aufstieg, bis dann mit dem Jahre 1931 eine ruhige Entwicklung einsetzte. Dem Bau von Arbeiterwohnstätten stehen viele äußere und innere Schwierigkeiten entgegen: Mangel an geeignetem Boden, Mangel an Kredit zu niedrigem Zinsfuß, Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber dem Wohnstättenproblem, das Fehlen jeglicher praktischen Hilfe von Seiten der Stadtverwaltungen und der Institutionen, die sich mit dem Problem befassen, die hohen Bodenpreise in der Nähe der Stadt, und schließlich: die individualistischen Wünsche der Arbeiter in bezug auf die Ausführung der Häuser und der Wohnungen, wodurch die Uniformierung der Baupläne und damit die Verbilligung des Bauens sehr erschwert werden. Trotz all dieser Schwierigkeiten hat die Zentrale für Wohnungsstätten eine umfangreiche und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. Freilich sind noch längst nicht alle Probleme gelöst und viele Fragen haben nur eine unvollständige Beantwortung erfahren. Trotzdem darf nicht verkannt werden, daß in den letzten Jahren auf diesem Gebiet viel erreicht worden ist.