Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1936)
- Article
- Politik. Von a. b.
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 292 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau POLITIK. Von a. b. Die Unruhen in Palästina dauern zur Zeit, als diese Zeilen in Druck gehen, noch in unverminderter Stärke an und auch der Streik der Araber ist noch nicht abgebrochen. In dieser ungeklärten Situation ist es unmöglich, sich ein Urteil über die letzten Ursachen und die Tragweite der Ereignisse zu bilden. Über die einzelnen Geschehnisse, wie über die Lage selbst ist in allen Blättern fortlaufend mehr oder weniger exakt, aber jedenfalls sehr ausführlich berichtet worden. Es seien daher hier nur einige Momente herausgehoben, die für die Entwicklung charakteristisch sind. Die Führung des Aufstandes ist nach allgemeinem Urteil den seit Beginn der englischen Administration als Protagonisten der arabischen Sache fungierenden (und als solche von der englischen Regierung anerkannten) Notabein entglitten, respektive sie können nicht zurück, da die moslemische Jugend, hervorgegangen aus einer nationalistischen Pseudoscoutbewegung, sowie die bürgerlichen Intellektuellen die größere Rolle bei der Inszenierung der Unruhen spielen und sich-, wie es bei solchen Schichten überall der Fall ist, intransigent gebärden. Die fascistische Haltung dieser Jugend kopiert europäische Vorbilder: Im Februar dieses Jahres fand in einer Schule in Jerusalem (Rawdat al-ma'arif) eine Vereidigung einiger Jugendführer durch Dschemal el Husseini statt, und zwar auf zehn Gebote, die nach fascistischem Muster die absolute Opferbereitschaft für die Nation, die Verachtung jeder Gefahr, die Ablehnung jedes Kompromisses usw. stipulierten und in denen das Prinzip ausgesprochen wurde, daß in Palästina für niemand Platz ist, der nicht Araber ist. Im Zuge des Streiks ist zu beobachten gewesen, daß sowohl die Zwangsbesteuerungen reicher Kaufleute, wie der Terror wegen Geschlossenhalten der Läden durch Jugendtrupps erfolgten. Die arabischen Zeitungen haben schon bei Beginn der Unruhen eine fürchterliche Hetzkampagne betrieben und fortwährend von der Abschlachtung zahlreicher Araber durch die Juden geschrieben und behauptet, diese beabsichtigten, alle Araber zu ermorden oder zumindest zu vertreiben u. a. m. Man darf sich allerdings durch den auf der ganzen Linie durchgeführten Streik nicht dazu verleiten lassen, zu glauben, daß die Masse der arabischen Bevölkerung im Aufstand steht oder ihn billigt. Vielmehr ist die überwiegende Mehrheit der städtischen Araber, die den Streik zumeist nur widerwillig mitmacht, durchaus friedlich gesinnt, was man auch von der 600.000 Köpfe starken Fellachenbevölkerung sagen kann. Während es die Notabein in früheren Jahren in der Hand hatten, die Exzesse wieder abzublasen, wenn es ihnen paßte, scheint die von ihnen durch eineinhalb Jahrzehnte betriebene Hetze gegen die Juden, das Mandat und England, auf die Bevölkerung und besonders auf die zur Verteidigung ihrer angeblich bedrohten Nation zum äußersten entschlossenen Jugend nun ihre Wirkung zu tun. Die Notabein haben es nicht mehr in der Hand, die Auflehnung zu liquidieren. Dies scheint aus dem Verlauf der Ereignisse hervorzugehen. Die jüdische Bevölkerung zeigt eine musterhafte Disziplin, die auch von der englischen Öffentlichkeit anerkannt wird. Doch ist nicht vorauszusehen, ob die nun zwei Monate lang dauernden Terrorakte nicht endlich die Nerven der Juden zum Reißen bringen werden, was nur verständlich wäre. Die Beschwerden, die sie gegen die Regierung haben, sind zwar abgeschwächt worden, durch die in letzter Zeit von dieser entwickelten Energie, doch findet man im jüdischen Lager, daß gegen die Führer noch