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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 288

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Die Bewertung des Grundbesitzes in Palästina
Date
1936-06-01
Page
Seite 288 (sequence 1)
Language
German
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288 Die Bewertung des Grundbesitzes in Palästina Von Dr^Ing* V* Lesser, Tel Aviv. Vorbem. der Red. Wir übernehmen diesen Artikel aus der letzten Nummer der »Palästina Nachrichten«, Berlin. Alles, was mit Grund und Boden zusammenhängt, spielt innerhalb der palästinensischen Wirtschaft eine viel größere Rolle als in europäischen Staaten, weil sich das Land nicht in ausgeglichenem Zustand, sondern im Aufbau befindet. Gerade hiedurch schwingen auch die politischen Erschütterungen, von denen der vordere Orient jetzt erfüllt ist, in diesem wichtigen Teil der Wirtschaft mit am nachhaltigsten wieder und machen innerhalb des allgemeinen Tendenzrückganges seit etwa sieben Monaten verläßliche und objektive Werturteile für Agrarland, Bauplätze, Wohn- und Geschäftsgebäude so überaus schwierig, mag es sich dabei um Kauf oder Verkauf, Hypothekenbeleihungen, Schadenersatzansprüche, Feuerversicherungen usw. handeln. Jeder Bewertung hat natürlich die Klärung der Eigentumsverhältnisse, in ländlichen Gebieten zuzüglich die Klärung der Art des Landes voranzugehen. Vorlegung des Eigentumvertrages bedingt noch nicht 100%ig das tatsächliche Eigentum des Verkäufers. In ländlichen Gegenden kann allein über »Mulk«-Boden vom Verkäufer verfügt werden, andere Bodenarten wie »Miri« oder »Masha« gehören — mindestens formal — dem Staat, der Kommune usw. Alle Immobilienarten haben in letzter Zeit Werteinbußen erfahren; Zitruspflanzungen bis 30 und 40%. In kritischen Zeiten wie jetzt ist zu befürchten, daß — besonders da analoge Bestrebungen auch in anderen Staaten bestanden — ihre dauernde Vermehrung an Stelle der Kultivierung des Bodens für Eigenbedarf mit der Aufnahme-- Steigerung der Außenwelt für Orangen nicht mehr Schritt hält. Der tragende Zitrus- Pardeß ist heute keinesfalls höher als 70 £P pro Dunam einzuschätzen. Auch das Bauland hat — besonders innerhalb der großen Städte mit ihren Spitzenpreisen — erhebliche Rückschläge bis zu 50% erfahren: Restriktion, bzw. Aufhebung der Devisenzuteilung in vielen Staaten, Befürchtungen, daß das Mittelmeer in Kriegsmitleidenschaft gezogen wird, die dadurch hervorgerufene starke Verminderung des Touristenverkehrs mit Rückwirkung auf Handel und Gewerbe haben dies verursacht; und wenn auch gewiß hier erst ein radikaler Umschwung nach Liquidierung des Krieges zu erwarten ist, so ist doch gegenüber allzugroßen Reserven darauf hinzuweisen, daß jedes Grundstück unabhängig von seinem Liebhaberwert stets einen Ertragswert besitzt, der wiederum die Resultate nüchterner Bilanzzahlen ist, bestehend auf der einen Seite aus den Zinsen für die investierten Kapitalien, den laufenden Abgaben und Unterhaltungskosten und auf der anderen Seite aus den Einnahmen. In Palästina ist die Kunde, Immobilien zu bewerten, noch verhältnismäßig wenig entwickelt. Die Grundstückseigentümer sind mehr Spieler und Spielball der Konjunktur, als daß sie sich eingehend mit Prüfung und Herausschälung der einzelnen Wertbestandteile befassen, wie das mehr bei den befestigten Verhältnissen in Europa der Fall ist. Letzten Endes half darüber die kontinuierliche Wertsteigerung des Bodens hinweg, wie übrigens auch anderwärts in Zeiten prägnanten Wohlstandes. Nunmehr erfordern aber Stagnation und Rückgang das Eingehen auf alle Einzelheiten. Den ersten allerdings nur losen Anhalt für die Wertbestimmung verleiht bei unbestimmten Grundstücken die Kenntnis der in der Nachbarschaft gezahlten Preise: Division durch die Anzahl der Quadratmeter, Dunam (= 1000 m2) oder Pik (0,562 m2)

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