Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1936)
- Article
- Zum Ärzteproblem in Palästina
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 287 (sequence 9)
- Language
- German
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etwa 10 £P, eine Zweizimmerwohnung ist nicht unter 4.500 £P zu haben, das heißt der palästinensische Arbeiter und Angestellte muß doppelt so viel wie sein Kollege in Europa für Miete bezahlen. Der Verfasser hat in einer eingehenden Untersuchung in Europa einmal festgestellt, daß die Senkung der Hypothekenzinsen (bei 50% Beleihung) um 1%, die Mieten um 10% senkt, während eine 10% Baukostensenkung die Miete nur um etwa 3% vermindert. Eine wesentliche Senkung der Baukosten ist voraussichtlich nicht mehr zu erwarten, und eine solche würde auch die Mieten nicht so wesentlich verbilligen, wie dies bei einer Erleichterung des Zinsendienstes möglich wäre. Es soll damit gezeigt werden, daß das Hauptaugenmerk der Wohnungspolitik in Palästina sich in erster Linie auf eine Senkung des Zinsfußes richtet und nicht auf übermäßige Vereinfachung (wertvermindernde Bauausführung) des Baues. Eine Senkung der Baukosten ist bereits in den letzten Monaten eingetreten, eine weitere wesentliche Senkung ist weder durch Ermäßigung der Preise der Baumaterialien noch durch Fallen der Löhne wahrscheinlich. Verbilligungen in der Ausführung durch Vereinfachungen oder rationellere Bauweise sind ebenfalls kaum zu erwarten, so daß das Hauptaugenmerk auf eine Senkung der Hypothekenzinsen zu richten ist, um eine Verbilligung der Mieten zu erzielen. VIL Forderungen der Wohnungswirtschaft* Das Wohnungsproblem ist eines der größten sozialen Probleme in Palästina, viele Rentner verlassen das Land und verbrauchen ihre Kapitalien in Ländern, wo sie billiger wohnen; unabsehbarer Schaden wird durch die unhygienischen, überfüllten Wohnungen hervorgerufen. In Europa haben die Regierungen Grund und Boden, zinsenfreie oder 1'% Hypotheken (Hauszinssteuer) und Mietzuschüsse zur Verfügung gestellt, Zwangskonvertierungen überhöhter Hypothekenzinsen durchgeführt. Wir können von der Mandatsregierung mit einer Unterstützung in der Wohnungswirtschaft kaum rechnen. Wohl aber können wir uns bei nationaler Führung selbst helfen. Zum Bau eines Hauses sind Eigenkapital und Hypothekenkapital notwendig. Außer Grund und Boden muß Eigenkapital, etwa bis zu 30% vorhanden sein, um Bauten auszuführen. Schwieriger ist es schon mit dem erforderlichen Hypothekenkapital. Leider hat die Hypothekenbank gerade seit der Krisenzeit den Baumarkt nicht mehr im normalen Umfang befriedigen können. Es ist bedauerlich, daß die durch die Krise hervorgerufene Geldverknappung noch eine weitere Einschränkung der Bautätigkeit notwendig machte. Es sollte Aufgabe der nationalen Institute sein, durch Aufnahme von Anleihen in England dem palästinensischen Markt billige Hypothekarkredite zur Verfügung zu stellen. Ein weiterer wesentlicher Faktor zur Befriedigung des Baumarktes wäre die Gewährung von Transferhypotheken. Baumaterial, zu niedrigen Zinsen zur Verfügung gestellt (Transferhypotheken), könnte dem Wohnungsmarkt, der Bauindustrie, dem Tranferenten und dem Lande mehr geholfen werden als dies bei der gegenwärtigen engherzigen Beurteilung und Führung der zuständigen Stellen bisher möglich ist. Dieser Aufsatz soll zur Selbsthilfe aufrufen, denn auch auf diesem Gebiet können wir uns nur selber helfen. Nicht durch theoretische Erwägungen, sondern aus den Erfahrungen der Praxis sind diese Forderungen gestellt.