Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1936)
- Article
- Zum Ärzteproblem in Palästina
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 284 (sequence 6)
- Language
- German
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meinen Ärztevereine sie pflegen, soll von ihr übernommen werden. Ihr Aufgabenkreis ist folgender: I. Es ist nicht Sache der jüdischen Ärzteakademie, die Interessen der Ärztebeim Volke zu vertreten, sondern als Sachkundige die Forderungen des Volkes an seine Ärzte zu formulieren. Denn die Erneuerung aller Berufe wird nicht aus dem Bedürfnis ihrer gegenwärtigen Träger, sondern aus dem des Volkes kommen, dem die Berufe zu dienen haben. Die anonyme Masse ist nicht imstande, die Forderungen des Volkes zu formulieren. Sie kann nur mit ja oder nein votieren. Dies können nur Menschen, die wahrhaft sachkundig sind, das heißt die Volk und Beruf kennen und lieben. II. Der Aufbau unseres Berufslebens in Palästina kann nicht sich selbst überlassen bleiben. So unentbehrlich die regulierende und vermittelnde Tätigkeit der allgemeinen Ärztevereine ist, sie reicht im besten Falle aus, den wirtschaftlichen Existenzkampf in Schranken zu halten, Neues zu schaffen und Zukünftiges anzuregen, sind sie nicht imstande. Es ist Aufgabe der ärztlichen Akademie, die Entwicklung des ärztlichen Lebens in der Welt zu verfolgen, kritisch zu untersuchen und den Erfordernissen unseres Volkslebens anzupassen. Mitglied der Akademie kann nur ein Arzt sein, der bereit ist, einen formellen Eid abzulegen: daß er als Mitglied der Akademie sich nur von den Bedürfnissen des Volkslebens leiten lassen wird, und nicht nur von Interessen seiner Person oder seines Berufes. Die Mitglieder der Akademie werden auf fünf Jahre gewählt und bilden für weitere fünf Jahre das mitberatende, aber nicht mitentscheidende Gremium der Senioren der Akademie. Die Akademie ist verpflichtet, jede ihr von einem jüdischen Arzte zugehende Anregung über grundsätzliche ärztliche Fragen innerhalb von drei Monaten durch Referat und Korreferat zu behandeln. Die Ergebnisse der Verhandlungen sind schriftlich niederzulegen und am Jahresende der Ärzteschaft bekannt zu geben. Die Konstitution der ärztlichen Akademie soll vom Vorstand des allgemeinen Ärztevereins Palästinas alsbald in die Wege geleitet werden. Den kommenden Typus des Arztes, seine Stellung und seine Aufgaben im Volke so früh wie möglich zu erkennen, seine Entstehung zu erleichtern und zu beschleunigen, wird die wesentliche Aufgabe der Akademie sein. Diese als isolierte Erscheinung würde im Volksleben nicht existieren können oder eine falsche Entwicklung nehmen müssen. Ihre Aufgabe ist nicht, die Exklusivität der Ärzteschaft zu fördern, sondern ihre organische Eingliederung ins Volksleben zu vollziehen. Sie wird diese Aufgabe im Volksauf bau nur erfüllen können, wenn auch die anderen großen Berufsgruppen die ihren erkennen und sich des gleichen Mittels zum gleichen Zweck bedienen. Berufsumschichtung kann nicht allein Wechsel der persönlichen Erwerbsart aus Zweckmäßigkeitsgründen bedeuten. Das kann vielleicht für Juden in den Galuthländern genügen, wo sie weder Möglichkeit noch Auftrag haben, das Leben in seinen Formen zu bestimmen, vielmehr ist es dort ihre Rolle, sich den Gegebenheiten in Urteil und Ausübung anzupassen. In Palästina aber, wo weder eine Formung des beruflichen oder des sonstigen Volkslebens überhaupt bereits vorhanden ist, noch andere als wir selbst das Amt des Gestalters haben, bedeutet Berufsumschichtung mehr als individueller Berufswechsel. Hier bedeutet sie Umstellung und Neubau der Berufsgruppen und damit Schaffung eines neuen menschlichen Berufstypes. Bisher hat nur die Landwirtschaft ihre Aufgaben richtig erkannt. Sie bemüht sich nicht nur um den Ernteertrag, sondern auch um den jüdischen Bauern. Aber diese Bemühungen der Landwirtschaft in Palästina um den neuen ländlichen Menschentypus sind deshalb so verlustreich, das heißt es laufen deshalb so viele Menschen wieder vom Lande zur Stadt, weil in den Städten noch ausschließlich der Kleinbürger herrscht: in der Fünfzimmerwohnung, im Cafe, in der Fabrik und in der Arbeitersiedlung, das heißt in allen Berufen und allen Lebensäußerungen, auch unter den Ärzten. Dieser Kleinbürger wird