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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 279

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Palästinensische Industriezollpolitik
Date
1936-06-01
Page
Seite 279 (sequence 5)
Language
German
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sierung. Im Gegenteil: Die Beziehungen zu großen Industrieländern wie England würden dadurch nur enger werden, wenn sie auch in ihrer Struktur wesentliche Wandlungen erfahren würden. Wir würden sehr viel mehr Maschinen brauchen als bisher, und zwar zunächst für ein sehr langjähriges Durchgangsstadium, später aber auch in gewissem Umfange für die Dauer, denn bestimmte Zweige der Maschinenindustrie werden und können wir gar nicht entwickeln. Wohl aber können wir im Zuge einer primitiven Produktionsmittelindustrie, die es uns gestattet wenigstens die einfachsten Maschinenteile und Handwerkzeuge für unsere Konsumgüterindustrien aus eingeführten Rohmaterialien und Halbzeugen selbst zu produzieren, einen Bedarf an Maschinen haben, der über den augenblicklichen weit hinausgeht und ähnlich liegen die Dinge auch in bezug auf die Konsumgüterindustrien selbst. Es ist also keineswegs so, daß wir jetzt einfach sagen, Europa als Lieferant Palästinas soll ausgeschaltet werden. Sondern wir wollen aus diesen Ländern in Zukunft, gewisse andere Dinge kaufen, was übrigens keineswegs ausschließt, daß wir auch ein Käufer von industriellen Fertigwaren bleiben. Nach den bisherigen Erfahrungen steigt die Konsumkraft des Landes viel schneller an, als seine Produktionskraft auf industriellem Gebiet; eine Reihe von Erzeugnissen, die wir jetzt im Lande produzieren, wird trotzdem in steigenden Mengen importiert. Es besteht Grund zur Annahme, daß diese Situation grundsätzlich bestehen bleiben wird, durch diese Pläne können sich die Industrieländer Europas nicht irgendwie fühlbar benachteiligt sehen. Das Gegenteil kann richtig sein, denn vorläufig würden wir durch den Ausbau unserer Industrie die Aufnahmefähigkeit des Landes für Industrieerzeugnisse auf gewissen Gebieten sehr stark erweitern, ohne sie zunächst auf anderen Gebieten fühlbar verringern zu müssen. Es handelt sich hier also keineswegs um ein starres »Entweder-Oder«, sondern um ein sehr elastisches »Sowohl als Auch«. Gerade die Absicht, die einer jüdischen Zollpolitik der angedeuteten Art zugrunde liegt, dient ja einer gewissen Auflockerung der zweifellos nicht geringen Starrheit und Einseitigkeit, in der sich die Wirtschaft Palästinas trotz aller gegenwärtigen Entwicklung noch immer befindet, und es unterliegt gar keinem Zweifel, daß schließlich alle irgendwie Beteiligten von einer solchen Auflockerung Vorteile haben würden, nicht nur die eine oder die andere Seite. Vor allem würde das aber auch auf die großen rohstoffliefernden Länder in Südamerika, Afrika, Asien usw. zutreffen. Das sind in großen Zügen die theoretischen Erwägungen, von denen ausgehend meiner Ansicht nach an die Durchführung der Aufgabe herangegangen werden sollte, eine systematische jüdische Zollpolitik im Sinne industrieller Erziehungszölle festzulegen. Zum Ärzteproblem in Palästina Von Dr. L. Peritz, Haifa. Der Aufsatz von Dr. Peller in dieser Zeitschrift1 gibt sehr beachtliche Auskünfte über die Lage der jüdischen Ärzte in Palästina. Dieser stellt fest, daß das Verhältnis zwischen Bevölkerungs- und Ärztezahl ungesund ist, daß daher der ärztliche Konkurrenzkampf in gehäuftem Maße unerwünschte Erscheinungen zeitigt, und die Not diesen Kampf verschärfen muß, warnt daher nachdrücklichst vor weiterem Ärztezuzug im Interesse der Neuankömmlinge, warnt diese, ihr kleines Kapital nicht zwecklos zu opfern und rät, wo immer möglich, zu Berufsumschichtung. Er schlägt eine große Zahl von Mitteln vor, der gegenwärtigen Notlage der Ärzte zu steuern, und bekennt, daß sie nur Palliativmittel sind, aber doch die Situation erleichtern könnten. 1 Siehe Nr. 3 dieser Zeitschrift.

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