Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1936-05-01 · Heft 5 (Mai 1936) · p. Seite 258

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 5 (Mai 1936)
Article
Jewish Agency. Von d. e.
Date
1936-05-01
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2379786-2379939-2379945--22706-2408051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ereignisse des Jahres 1936 Parallelen zu denen von 1929. Damals und jetzt relativ kleine Ursachen, die durch eine auf beiden Seiten schnell zunehmende Spannung über ihre Grenzen hinauswachsen und den Arabern zum Anlaß dienen, sofort ihre alten politischen Forderungen sowie überhaupt das Palästina-Problem in aller Schärfe zur Diskussion zu bringen. Für diese politische Situation mag es dabei relativ unerheblich sein, daß sich die Araber heute wie 1929 durch unmenschliche Mordtaten, Überfälle und Brandstiftungen selbst ins Unrecht setzen. Ihre politische Konzeption, die sie mit größtem Nachdruck vertreten und auch außerhalb Palästinas propagieren, geht ja ebenso wie 1929 darauf hinaus, den arabischen Angriff als einen Aufstand, eine Abwehr der unterdrückten arabischen Nation gegen die übermächtigen zionistischen und englischen Bedrücker darzustellen. Allerdings ist in der Situation der beiden einander feindlich gegenüberstehenden Seiten manches gegenüber 1929 verändert. Die Juden sind zunächst rein numerisch sehr viel stärker geworden. In den Städten ist es mit Ausnahme der peripheren Viertel kaum möglich, ihnen durch gewaltsame Überfälle großen Schaden beizufügen, und auch in den gemischten Städten dort nicht, wo die jüdische Bevölkerung in geschlossener Siedlung wohnt. Auch auf dem Lande sind sehr viele Siedlungen inzwischen so stark geworden und so günstig angelegt, daß bei hinreichender Wachsamkeit nichts für das Leben der Siedler zu befürchten ist. Die Schäden, die nach, der wirksamen Mobilisierung der Polizei und der militärischen Kräfte verursacht werden können, erstrecken sich daher jetzt auf Untaten, die unter dem Schutze der Dunkelheit oder gegen isolierte Einzelpunkte verübt werden, wozu in erster Linie die Brandstiftung gehört; leider sind die Sachverluste, die dadurch verursacht wurden, bei den Siedlungen bisher sehr beträchtlich. Auf der arabischen Seite ist eine entschiedene Wandlung darin zu erblicken, daß es der arabischen Leitung gelungen ist, den größeren Teil der arabischen Bevölkerung um sich zu scharen und vor allem einen Generalstreik zu organisieren, der trotz gelegentlichen Widerstandes nunmehr schon die dritte Woche anhält und zu einer empfindlichen Störung des öffentlichen Lebens geworden ist. Seine Bedeutung liegt dabei nicht allein darin, daß er in möglichst augenfälliger Form den arabischen Protest zum Ausdruck bringen soll, sondern daß er sowohl durch die Unterbrechung der wirtschaftlichen Tätigkeit bei einem großen Sektor der Bevölkerung Beunruhigung hervorbringt, als auch arbeitslose Elemente auf der Straße hält, die jederzeit zu Unruhen aufgeputscht werden können. Von jüdischer Seite hat man bald nach Ausbruch des Streikes erwartet, daß die Regierung der arabischen* Streikleitung entschlossen entgegentreten würde. Dies ist zunächst nicht geschehen. Wie es scheint aus dem Grunde, daß man annahm, die Stoßkraft des Streiks würde schnell nachlassen. Nachdem die Gefahr des andauernden Streiks und seine Begleiterscheinungen aber immer erheblicher wurden, hat der Hochkommissär in einer Unterredung mit den Führern der arabischen Parteien eine energische Warnung an diese gerichtet und sie auch auf die Folgen aufmerksam gemacht, die aus der weiteren Anwendung illegaler Mittel und insbesondere der Fortdauer der Überfälle und Brandstiftungen für die Vertretung der arabischen Forderungen in London erwachsen könnten. Obwohl die arabischen Führer unmittelbar nach Ausbruch der Unruhen die Entsendung der vorgesehenen Delegation als nicht mehr aktuell abgelehnt hatten, hat der Hochkommissär in der eben genannten Unterredung nochmals auf diesen Weg verwiesen und wiederholt betont, daß die Regierung sich durch Gewaltakte nicht in ihrer Politik beeinflussen lasse. Zwei Mitglieder des Streikkomitees, Hassan Sidki Dagani und Saleh Abdu, die inzwischen einen Aufruf zum Steuer- und Beamtenstreik, also zu offenem Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgefordert hatten, wurden am gleichen Tage verhaftet. Es bleibt nur zu hoffen, daß die Regierung, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.