Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1936)
- Article
- Die Landwirtschaftliche Versuchsanstalt in Palästina
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 244 (sequence 2)
- Language
- German
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mitgemacht. Eine Analyse dieser Wandlung muß zuerst auf die Ursachen des Mißlingens der Vorkriegskolonisation eingehen. Die anfänglichen Schwierigkeiten« Der Boden. Der Boden Palästinas war im Laufe von Jahrtausenden teils durch natürliche Versumpfung und Vertrocknung, teils durch Raubbau der Fellachen vollständig der Verwahrlosung verfallen. Niemals sind dem Boden seine durch fortwährende Ernten entzogenen Säfte ersetzt worden. Den derart entkräfteten Boden haben die ersten jüdischen Siedler bestellen müssen. Sie haben auf ihm Getreide angebaut, Reben und Mandeln gepflanzt. Die Ernte dieser Kulturen mußte deshalb sehr niedrig ausfallen. Arbeitsmethoden. Die Arbeitsweise des Fellachen hat im Laufe der Jahrhunderte nichts von ihrer Primitivität eingebüßt. Auch die Rothschildschen Siedler machten sich diese zu eigen, da sie keine Bessere kannten. Und so kam es, daß der jüdische Bauer der Vorkriegszeit die Fellachenwirtschaft fortsetzte. Lebensweise. Natürlich genügte der karge Ertrag dieser Bodenbewirtschaftung nicht den Lebensbedürfnissen des jüdischen Bauers. Das Einkommen des Fellachen, das ungefähr 40 bis 60 £ jährlich pro Familie nicht überstieg, konnte naturgemäß einer jüdischen, an städtische Lebensweise gewohnten Bauernfamilie nicht genügen. Notgedrungen mußte sich der jüdische Bauer dem Lebensstandard des Fellachen anpassen. Bewirtschaftung. Um diese wirtschaftliche Diskrepanz halbwegs ausgleichen zu können, versuchte der jüdische Siedler der Vorkriegszeit — und noch heute ist dies in manchen PICA-Siedlungen der Fall —eine größere Fläche zu bewirtschaften. Während sich der Fellache normalerweise mit 30 bis 40 Dunam begnügte, mußte der jüdische Bauer zur Deckung seiner Lebensbedürfnisse mehrere hundert —- gewöhnlich 300 — Dunam Bodens in Bearbeitung nehmen. Da diese Fläche weit über das Maß der Bearbeitungsmöglichkeit einer Familie ging, sah sich der jüdische Bauer gezwungen, fremde Arbeitskräfte (Lohn- und Pachtarbeiter) anzustellen. Diese Arbeiter waren selbstverständlich Araber, da das Einkommen des Gutes kaum die Familie des jüdischen Siedlers zu ernähren imstande war. Dies ist eine der Hauptursachen, weshalb in jeder von der PICA geführten Bauernwirtschaft zum größten Teil arabische Lohnarbeiter anzutreffen sind. Diese besorgen die Haus¬ und Feldarbeit und dieser Siedlungstypus läßt sich schwer oder fast überhaupt nicht ohne arabische Arbeiter denken. Das Widersinnige solcher Zustände ist klar. Menschenmaterial. Umstellung in mancher Beziehung tat not. Der Jude sah sich bei seiner Rückkehr zur Scholle vor eine Fülle von subjektiven und objektiven Hemmungen gestellt, seine europäische Lebensweise mußte auf dem Boden Asiens eine Umgestaltung erfahren, die städtische Lebenshaltung einer ländlichen weichen und last not least mußte er den ihm fremden Beruf eines Bauern ergreifen, der größte Ausdauer und aufopfernden Fleiß voraussetzt. Die meisten Mißerfolge der jüdischen Vorkriegswirtschaft sind der mangelnden technischen Ausbildung der Siedler zuzuschreiben. Die neue Ideologie« Die eben erwähnten Schwierigkeiten der jüdischen Landwirtschaft sind inzwischen fast völlig überwunden worden und gehören der Vergangenheit an. Die wirtschaftliche Bewegung im Lande, das Entstehen einer großen, jüdischen Verbrauchermasse in den Städten und die neugeschaffenen Absatzmöglichkeiten der Zitrusfrüchte ins Ausland haben gewiß sehr viel zum landwirtschaftlichen Aufschwung Palästinas beigetragen, es würde jedoch keineswegs den Tatsachen entsprechen, wollte man behaupten, daß