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Palästina · 1936-05-01 · Heft 5 (Mai 1936) · p. Seite 231

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 5 (Mai 1936)
Article
Der Hauran, Land und Einwohner
Date
1936-05-01
Page
Seite 231 (sequence 13)
Language
German
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seiner alten Privilegien aus der Türkenzeit beraubt. Die Syrische Wüste, wo einst der Beduine nach freiem Willen umherziehen konnte, wurde in getrennte nationale Territorien geteilt, und jedes wird jetzt von einer anderen Macht regiert. Die Entwicklung des Autoverkehrs und die Ausdehnung cles Straßennetzes haben im Nahen Osten die Bedeutung von Kamel und Pferd als Transportmittel verringert und den Beduinen seiner Hauptunterhaltsquelle beraubt. Als charakteristisch für die neue Ordnung mag genannt werden: Aufhebung des Rechtes, von Karawanen und Pilgern auf ihrem Wege zu den heiligen Städten des Hedschas Tribut zu verlangen, Abschaffung der »Khawa«, einer besonderen Abgabe, die stärkere Stämme von Schwächeren erhoben und von ländlichen Siedlungen als Gegengabe für ihren »Schutz« einforderten, schließlich das strikte Verbot von Beutezügen, durch die der Beduine nicht so sehr seine Freude am Kampf als rein ökonomische Bedürfnisse, besonders in Zeiten der Dürre, zu befriedigen pflegte. Überbleibsel des alten Stämmerechtes, das die Angelegenheiten der Beduinen vor dem Krieg regelte, finden sich noch jetzt in dem Gesetzbuch der Beduinendistrikte in Syrien und besonders im Hauran. Aber diese Überbleibsel werden immer mehr außer Kraft gesetzt, und in allen wichtigen Fällen erfolgt die Rechtssprechung nach den allgemeinen Gesetzen. Bei weniger wichtigen Angelegenheiten passen sowohl Regierungsbeamte wie Richter ihre Entscheidungen dem traditionellen Gesetz der Wüste an. Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen, den Beduinen in einen Zustand von hoffnungsloser Verwirrung und Chaos hineinzutreiben. Die Entwicklung einer Gesellschaft vom Nomadentum zur Landwirtschaft ist ein höchst schwieriger und verwickelter Prozeß und keineswegs ein rein mechanischer Vorgang. Nicht nur ungeheure physische Kraftquellen, sondern auch eine weitgehende psychologische Vorbereitung, wie zum Beispiel Ausmerzung des Gefühls der Verachtung für den Ackersmann, sind notwendig, um dem Gang anarchischer Zersetzung Einhalt zu bieten und einen mehr oder weniger geordneten Übergang vom Wanderleben zu einer mehr seßhaften Lebensführung zu bewirken. Schon vor dem Kriege waren verschiedene Stämme, besonders solche, die dauernd in der Nähe von Dörfern lagerten, dabei, zur Landwirtschaft überzugehen. Dieser Vorgang setzte sich in der Nachkriegszeit in wachsendem Maße fort, der Übergang ging aber weder geordnet noch umfassend genug vor sich, da der Regierung die nötigen Mittel fehlten, um eine Ansiedlung der Beduinen in großem Maßstabe durchzuführen. Viele Beduinen verlassen, von Hunger und Not getrieben, die Wüste und strömen in die Städte, wo ihre niedrigen Löhne den Lebensstandard des städtischen Arbeiters noch mehr herabdrücken. 'Die Dörfer in Syrien, Und besonders im Hauran, sind zu arm, um den Fellachen als Taglöhner aufzunehmen. Viele Beduinen suchen sich zwar ihren Unterhalt außerhalb der Wüste zu verdienen, hängen aber meist noch stark an ihren alten Eigentümlichkeiten und hoffen ungeachtet der erbärmlichen Zustände auf bessere Tage, auf die Wiedererlangung ihrer einstigen Machtstellung. Unter solchen Bedingungen hält den hungernden und erbitterten Nomaden nur die Gewalt der Waffen in Schach und sichert der Wüste den Frieden. Aber wehe den Landgemeinden, wenn der Beduine die Stunde der Vergeltung gekommen sieht. Wenn er auch fürs erste unterworfen ist, so hängt doch seine Gegenwart als Gewitterwolke, als unaufhörliche Gefahrenquelle, besonders in den Wüstenranddörfern über den Bauern. Die Beziehungen zwischen Fellachen und Beduinen, wie sie vor dem Weltkriege bestanden, als der Bauer unbarmherzig von dem gebieterischen Sohn der Wüste unterdrückt wurde, sind bereits dargelegt worden. Mit der Einführung einer starken Re-

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