Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 4 (April 1936)
- Article
- Die Zahlungsbilanz Erez Israels im Jahre 1934
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 193 (sequence 6)
- Language
- German
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liehen Existenzform von barem Gelde vorstellen; er ist keine geschlossene Barreserve, die, an wenigen Stellen konzentriert, sofort eingesetzt werden könnte, wenn eines Tages die äußere Zahlungsbilanz mit einem Passivsaldo abschlösse. Ein großer Teil dieser Depositen steckt als Betriebskredit in der Wirtschaft. Mit ihnen werden Wechsel diskontiert, Wertpapiere lombardiert, Ein- und Ausfuhrdokumente bevorschußt und andere kurzfristige Bankgeschäfte finanziert. Alle diese Kredite sind zwar formell kurzfristig; was aber nicht bedeutet, daß sie jederzeit zurückgezogen werden können. Der Aktivsaldo einer Zahlungsbilanz hat schließlich nur symptomatische Bedeutung. Er zeigt an, daß in dem betreffenden Jahre kein Nettoverlust an Zahlungsmitteln und volkswirtschaftlichem Kapital an das Ausland stattgefunden hat. Der Gold- und Devisenreserve einer Notenbank ist er nicht zu vergleichen. Solange die Kapitalzufuhr nach Erez Israel im Umfange des Jahres 1934 anhält, wird die Zahlungsbilanz aktiv bleiben. Aber damit kann man nicht immer rechnen. Wahrscheinlich wird schon 1935 der Aktivsaldo erheblich geringer sein. Nur wenn die Einfuhr entbehrlicher Genußgüter eingeschränkt und der Verbrauch inländischer Erzeugnisse gesteigert wird, ist es auf die Dauer möglich, die Einfuhr der notwendigen Produktionsmittel zu sichern. Zur Frage der Bodenspekulation Von Dr. Albert Baer, Haifa. V o r b. d. Red. Wir haben mit dem Artikel: »Die Gefahr der Bodenspekulation« die Diskussion über dieses wichtige Thema neuerdings eröffnet. Die gesamte Literatur, die in den letzten Jahren zur Frage der Bodenspekulation in Palästina und ihrer Bekämpfung entstanden ist, litt an drei wesentlichen Mängeln: a) Es wurde nirgends klar ausgesprochen, daß die Spekulation in der freien Wirtschaft überhaupt nicht ernstlich bekämpft werden kann, b) es wurde nicht unterschieden zwischen dem Vertrieb von Böden aus jüdischer Hand als Ware und dem Erwerb von Böden aus nichtjüdischer Hand zur Entwicklung und Erschließung für jüdische Siedlung, c) es wurde der Verkauf unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht gesondert betrachtet, sondern im Gegenteil mit dem ordnungsmäßigen Verkauf zusammengeworfen, der so ebenfalls mit Bezeichnung »Spekulation« versehen und in Bausch und Bogen verurteilt wurde. Für diese Betrachtungsweise ist z. B. die gesamte Zeitungskampagne im »Haaretz« und »Dawar« in der Zeit vor dem Kongreß typisch. Alle dort gebrachten Ausführungen enthielten, wie gesagt, eine Verurteilung der Spekulation, und die Formulierungen waren so allgemein gehalten, daß jede private Tätigkeit im Bodenerwerb darunter verstanden werden konnte und mußte, so daß in der Zeit des Höhepunktes dieser Kampagne der Durchschnittsleser tatsächlich jeden privaten Bodenerwerb als Spekulation ansah, obwohl doch, wenn bei der Darstellung verurteilenswerten Verhaltens Beispiele genannt wurden, es hauptsächlich immer nur zwei waren: Hassagath Hagwul, die Preisüberbietung beim Erwerb von Nichtjuden und insbesondere auch gegenüber nationalen Institutionen, und die Vorspiegelung falscher Tatsachen, der Verkauf von »Seeparzellen« 20 Kilometer von Tel Aviv, und die Parzellierung von »Tel Scharlatan«, wie es zutreffend genannt wurde. Nur selten blitzte in dieser Kampagne einmal ein Gedanke auf, vielleicht widerwillig aus der Feder geflossen, daß vielleicht doch der Erwerb von Böden auch durch Private in der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situation eine große Bedeutung hat, und an versteckter Stelle wurde in Nebensätzen und Nebenbemerkungen der »anständige