Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Das Bewässerungsproblem Palästinas
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 2)
- Language
- German
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den kann. Infolgedessen sinkt auch der Druck an der Pumpstelle und mit ihm der Wasserspiegel. Die Förderung der Pumpen läßt also nach. Als mittelbare Folge dieser Tatsachen werden alle in der Umgebung liegenden Brunnen mehr oder weniger benachteiligt, denn der Wasserspiegel sinkt leider nicht nur an der unmittelbar betroffenen Pumpstelle, sondern auch an denen der Nachbarschaft. Das Wasser sinkt mehr und mehr, und schließlich sitzen in des Wortes wirklicher Bedeutung, die Verbraucher auf dem — Trockenen. In Kalifornien hat man in dieser Beziehung sehr unliebsame Erfahrungen gemacht, wie aus einer von der Regierung des Landes angestellten Untersuchung hervorgeht. Es heißt da: »Der allgemeine Brauch die Bewässerung durch Pumpen aus Brunnenanlagen zu bewerkstelligen — hat den Grundwasserspiegel gesenkt. Auch hat sie ein Vollsaugen des Bodens mit Wasser verhindert. Diese Beanspruchung der unterirdischen Bassins, besonders in vielen Tälern des Santa Clara-Tales, war viel größer, als die natürliche Wiederauffüllung das zuließ. Dadurch entstand ein starkes Sinken des Grundwasserspiegels und ein Steigen der Pumpkosten. — Da viele Ströme nach schweren Regenfällen stark anschwellen, sollte man kleine und mittlere Reservoire zur Speicherung des Überschußwassers anlegen. Hiedurch könnte ein weit größeres Gebiet bewässert werden, als das jetzt durch Oberflächenwasser möglich ist.« Für die Bewässerung Palästinas ergeben sich aus diesen Erfahrungen bedeutsame Lehren. Auf jeden Fall muß diese primitive und eher schädliche als nützliche Art der Wassergewinnung durch Brunnenanlagen, in absehbarer Zeit abgelöst werden durch eine großzügige, auf weite Sicht berechnete Regelung der Wasserwirtschaft. Alle Erfahrungen und Beobachtungen in anderen Ländern soll man sich hiebei zunutze machen, denn das Lehrgeld, das dort bereits bezahlt worden ist, kann sich Palästina in erheblichem Maße ersparen, wenn es baldigst systematisch zu Werke geht. Daß die Trinkwasserfrage ein Korrelat der landwirtschaftlichen Bewässerungsfrage ist, bedarf keiner weiteren Erörterung. In Kalifornien, wo ich zur Zeit lebe, war das Wasserproblem ähnlich gelagert wie in Palästina. Die Farmer, die auch zunächst das Wasser aus Brunnen — und zwar jeder für sich — gewonnen hatten, suchten und fanden einen Weg, ihre Ländereien ausgiebig und dauernd mit Wasser zu versorgen, als die Ergiebigkeit der Brunnen nachließ: sie schlössen sich zu Korporationen zusammen, die mit Hilfe des Staates die Wasserfrage löste. Der Staat lieh diesen Korporationen seine finanzielle Unterstützung, im übrigen aber brachten sie die notwendigen Mittel durch Steuerauflagen und Ausgabe von Schuldscheinen selbst auf. Dabei ist erwähnenswert, daß der Staat nicht etwa in den Fehler eines »Direktionsprinzips« verfiel, sondern den Korporationen möglichst freie Hand ließ und sie lediglich in den rein technischen Irrigationsfragen überwachte. Unter Beihilfe des Staates wurden zunächst Staudämme gebaut, wobei zuweilen ganze Flußläufe verlegt wurden. Danach errichtete man Wasserzuführungen in die vielen kalifornischen Täler, wo jetzt das kostbare Naß an die Farmer verteilt wird. Dies scheint sehr einfach zu sein, in Wirklichkeit aber waren hiebei viele Schwierigkeiten zu überwinden. Man überlege sich einmal, was es bedeutet, zu jeder einzelnen Farm einen Zuführungskanal zu bauen: mit Brücken, Syphons, Tunnels durch die vielen Gebirge. Auch müssen die Kanäle aus Beton hergestellt sein, damit möglichst kein Wasser versickert. Riesige Pumpstationen wurden errichtet, die das Wasser über mehr als 600 km leiten, Meßeinrichtungen zur Kontrolle des Wasserverbrauches mußten vorhanden sein. Aber trotz all dieser Schwierigkeiten und der dadurch bedingten Aufwendungen ist diese Art der Wasserversorgung noch die relativ billigste