Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1936)
- Article
- Das Wirtschafts-Barometer: Jänner 1936
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
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der Stadt Tel Aviv noch immer nicht die l-Million-£PrAnleihe seitens der »Prudential« ausbezahlt worden ist. Verstimmend wirken ferner die neuen Schwierigkeiten der Kapitalisten-Alijah aus Deutschland' undder enttäuschend knappe Umfang der neuen »Labour Schedule«. Gerade dadurch ist die Wiederbelebung des Baumarktes, die sich da und dort schon bemerkbar - machte, aufs Neue eingeschüchtert worden. Zu alledem kommt noch die Baisse des Zitrus-Marktes hinzu, die wir weiterhin noch im Einzelnen besprechen werden. Das Geschäftsleben hält sich daher in den engen Grenzen der Umsätze »von der Hand in den Mund«, zumal auch, da einesteils die Außenstände nur sehr schleppend eingehen, andernteils neue Buchkredite fast überhaupt nicht, neue Wechselkredite nur höchst ungern erteilt werden. Der Grundstückmarkt liegt völlig still, ebenso die Pflanzungstätigkeit, und auch an Neugründungen in Industrie und Handel wagen sich größere Kapitalien im Augenblick begreiflicherweise nur ungern heran. Bei dieser Sachlage ist es nicht verwunderlich, daß zur Auswertung brachliegender Kapitalien, soweit man sich nicht mit den Depositenzinsen der Banken begnügt oder Geschäfte in amerikanischen und englischen Werten macht, erstklassiges palästinensisches Hypotheken- und Effektenmaterial gegenwärtig relativ stark begehrt ist, war vor allem von Papieren wie »General Mortgage«, »Rutenberg« und »PLDC* gilt. Eben diese Tatsache zeigt, daß das Vertrauen zu den gesunden Fundamenten ungeschwächt ist, daß also die palästinensische Volkswirtschaft sich nach wie vor einer unvergleichlich günstigeren Position erfreut als die Masse der europäischen Länder, und daß es ein Leichtes wäre, unser Wirtschaftsleben im Ganzen wieder in flotten Gang zu bringen — wenn sich auch nur eine Spur von moderner amtlicher Wirtschaftsförderung in unserem Lande fände, und wenn wir uns nicht immer wieder jener grenzenlosen Indifferenz und Passivität der Regierung gegenübersähen, die sich bei mittleren und unteren Administrationsorganen bisweilen zu offener Gegenaktion verschärft. Allem Anscheine nach wird die gegenwärtige Exportsaison das mengenmäßige Vorjahrsergebnis (7,283.705 Kisten) wohl erheblich Zitrusfrüchte übertreffen. Leider aber wird dabei das wertmäßige Resultat der vorjährigen Zitrus- Ausfuhr, das sich nach einer soeben mitgeteilten Berechnung der »Jaffa Citrus-Exchange«: auf 3,096.958 £P stellte, diesmal wohl kaum wieder erreicht werden. Schuld daran trägt die bisher ziemlich ungünstige Gestaltung der Absatz- und Preisverhältnisse in der laufenden Saison. Der Export nach Deutschland, dem ehedem zweitgrößten Abnehmer der palästinensischen Zitrusfrüchte, der sich 1933/34 auf 1,107.774 Kisten und auch 1934/35 immerhin noch auf 506.799 Kisten belief, kam diesmal, infolge der bekannten Devisenschwierigkeiten, bis Mitte Jänner überhaupt noch nicht zur Geltung. Nunmehr ist, dem Vernehmen nach, zwischen den amtlichen deutschen Stellen einerseits, und einem jüdisch-arabisch-templerdeutschen Export-Konsortium in Palästina anderseits vereinbart worden, daß Deutschland für 3 Millionen Reichsmark Palästina-Zitrusfrüchte kauft, sie jedoch nicht in bar, sondern in Waren bezahlt, ein Transfer, der unabhängig von dem Auswanderervermögens-Transfer der »Haavara« abgewickelt werden soll. Die praktische Bewährung des Abkommens ist noch abzuwarten. Vorläufig konzentriert sich mehr denn je zuvor der palästinensische Zitrus-Export auf den britischen Markt, und zwar trotz aller Bemühungen der »Jaffa Citrus-Exchange« in reichlich irregulärer Form, mit der unerwünschten Folge, daß zeitweilig die Frucht-Auktionshallen in London. Liverpool, Glasgow von Palästina-Ware überflutet waren und zu geringsten Preisen geräumt werden mußten. Kurz nach Jahresbeginn ging dort der Preis für Orangen und Grapefruits bis auf 6 sh pro Kiste loko hinab, also 2 sh unter den Selbstkosten des palästinensischen Exporteurs. In der letzten Jänner-Woche bewegten sich die britischen Notierungen für Orangen zwischen 7 und 12J/£ sh, für Grapefruits zwischen 9l/z und