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Palästina · 1936-02-01 · Heft 2 (Februar 1936) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 2 (Februar 1936)
Article
Übergangs- und Schulungslager für Mittelstandseinwanderer in Palästina
Date
1936-02-01
Page
Seite 89 (sequence 2)
Language
German
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Einwanderer dieser Art gehören zunächst für eine längere oder kürzere Übergangszeit in Übergangs- und Schulungslager, die sich in der Nähe der Städte befinden müssen. Dort sollen diese Leute, ohne dadurch diffamiert zu werden, in wohl durchdachter Weise mit möglichst billigen Mitteln auf ihre eigenen Kosten so lange durchgehalten werden, bis sie einen passenden Unterschlupf in der Gesamtwirtschaft des Landes gefunden haben. Ich schlage vor, auf Boden, der einer nationalen Gesellschaft gehören soll, in einer Entfernung von maximal 10 Kilometer vom Stadtkern, das heißt also 1 Piaster Omnibus- Tarif, passende Bodenflächen bereit zu stellen. Im Gegensatz zu den in Palästina üblichen Einzelhaustypen sollen dort entweder permanente oder provisorische Baulichkeiten nach dem Reihenhaustyp errichtet werden. Jede Familie soll neben entsprechenden Unterkunftsräumen ein entsprechendes kleines Grundstück zur Verfügung gestellt erhalten, auf dem sie sofort für den Anbau des für ihren eigenen Bedarf erforderlichen Gemüses unter Anleitung selbst zu sorgen hat. Auch in allen anderen Zweigen der landwirtschaftlichen Hilfswirtschaft, wie Geflügelzucht und Milchwirtschaft, soll diesen Familien Gelegenheit zur Betätigung gegeben werden. Im Zentrum dieses Lagers sollen sich die nötigen Räumlichkeiten für Unterrichtszwecke befinden. Allen Bewohnern des Lagers soll außerdem die Möglichkeit der Schulung in einem von ihnen selbst gewählten Fache gegeben werden, für das im Lande voraussichtlich Bedarf ist. Dazu gehören in erster Linie alle Handwerkerberufe, dazu gehört ferner die Möglichkeit der Erlernung der Landessprachen. Die Kosten der Existenz einer Familie in einem solchen Lager werden wegen der absoluten Zweckmäßigkeit dieser Methode nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was eine aus Deutschland einwandernde Familie im allgemeinen zur Zeit ausgibt. Abgesehen von einem kleinen Prozentsatz von mittellosen Elementen wird der weitaus größere Teil der Reflektanten seinen Unterhalt aus Eigenem bezahlen können. Ich schätze die Kosten der Einrichtung eines solchen Lagers einschließlich der notwendigen sanitären Einrichtungen bei bescheidenem Ausmaß der Wohnungen und Verwendung von halbmassiven Materialien auf durchschnittlich 120 £P pro Familie. Selbst wenn man 20% für Verzinsung und Amortisation rechnet, wird ein viel kleinerer Anteil für Wohnungskosten pro Familie herauskommen, als vergleichsweise heute in den Stadtkernen bezahlt werden muß. Die Verpflegung wird, wie oben vorgeschlagen, zum Teil Selbstversorgung sein, im übrigen aber, da sie in größerem Rahmen erfolgt, viel billiger sein als die schrecklichen Überpreise, die heute in den' palästinensischen Städten bezahlt werden müssen. Dazu wird der Aufenthalt in einem solchen Lager den betreffenden Bewohnern nicht nur die Möglichkeit geben, ihre Existenz auf billige Weise zu fristen, sondern sich so rasch wie möglich für eine produktive Tätigkeit im Lande vorzubereiten. Ich schätze, daß selbst für schwierige Fälle ein Aufenthalt von sechs bis zwölf Monaten genügen wird, um den Weg zur gesunden Existenz zu finden. Da das in einem solchen Lager investierte Kapital demnach nicht ä fonds perdu angelegt wird, so dürfte es nicht schwierig sein, den für die Einrichtung solcher Lager erforderlichen Kapitalbedarf zu sichern. Da der größte Teil der Einrichtungen in Baumaterialien besteht, die sowieso auf dem Wege -des Transfers ins Land kommen, so wird ein nicht unerheblicher Teil der Kosten der Einrichtung auf dem Wege von Transfer-Anleihen beschafft werden können. Dieser Gedanke, wenn er nur richtig ausgeführt wird, dürfte ferner in zweierlei Hinsicht günstige Wirklingen haben. Zunächst werden solche Einrichtungen auch auf die Miets- und Lebensmittelpreise in den Stadtkernen kontrollierend wirken. Ferner

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