Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1936)
- Article
- Ein Vorschlag zur Unterbidung des Lohndumpings durch außer-palästinensische Araber
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 84 (sequence 3)
- Language
- German
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gebenen Macht können Vorkehrungen in Form von Aufsichts- und Beschwerdeinstanzen getroffen werden. II. Die spätere, laufende Ausgabe der Arbeitskarten. Da die Landarbeit vielfach Saisonarbeit ist, könnten die betreffenden Arbeitskarten vor jeder Saison von den Mukhtaren mit begrenzter Gültigkeitsdauer neu ausgegeben werden. Wenn die Arbeiter genügend organisiert sind, kann auch hier die Gewerkschaft die Verteilung übernehmen. Der Hauptgesichtspunkt für die laufende Kartenausgabe sollte die Arbeitsmarktlage sein. Diese kann am besten wiederum von den Fachgewerkschaften überblickt werden, die sich zum Beispiel durch Arbeitsnachweise auf dem laufenden halten. Es wäre denkbar, daß den tlnternehmerverbänden ein Mitbestimmungsrecht für die Zahl der anzufordernden Arbeitskarten eingeräumt würde. Das Prinzip, daß im Lande nur eine jeweils beschränkte Zahl neuer Arbeitsplätze verfügbar sei, ist von der Regierung bei der Zuteilung der Einwanderungszertifikate für Arbeiter bereits angewandt worden, aber mit einseitiger Spitze gegen die Juden. Nun ist den Juden aber im Mandat Palästina als »nationale Heimstätte« verbürgt und die ebenfalls im Mandat festgelegte Berücksichtigung der Interessen der bereits im Lande Ansässigen erstreckt sich offenbar nicht auf hauranische und andere Araber. Man mag zu der These von der beschränkten Absorbtionskraft des Landes für neue Arbeitskräfte stehen wie man will — da sie nun einmal von der Regierung angenommen ist, müßte sie sich in erster Linie gegen die Einwanderung richten, der kein »Nationalheim« durch das Mandat verbürgt ist. Daraus folgt erstens, daß die Juden, die auf Arbeiterzertifikat ins Land gekommen sind, eo ipso ein Anrecht auf die Arbeitskarte haben. Praktisch wird das so gehandhabt werden können, daß die Histadruth zugleich mit den Zertifikaten entsprechende Mengen Arbeitskarten erhält und weiterverteilt. Es folgt weiter daraus ein Argument gegen die Regierung, falls sie sich dem Plan gegenüber ablehnend verhalten sollte: wenn sie nicht imstande war und nicht gewillt ist, den Zustrom ausländischer Araber zu unterbinden, so müßte sie mit um so größerem Recht die Juden in unbeschränkter Zahl in ihr »Nationalheim« hereinlassen. Das System der Arbeitskarte, als Ersatz der Sperrung der Landgrenzen Palästinas, Ist nur das logische und gerechte Gegenstück zu der beschränkten Zuteilung der jüdischen Arbeiterzertifikate — mehr noch, erst bei Aussperrung der illegalen Arabereinwanderung kann überhaupt der wahre Bedarf des Landes an Arbeitskräften ermessen werden. Während von Regierungsseite eine Ablehnung des Planes, wenn überhaupt, so mehr aus Abneigung gegen Neuerungen im allgemeinen erfolgen dürfte, werden alle Arbeitgeber, die an der Ausnutzung billiger, und das heißt unorganisierter, Arbeit interessiert sind, Juden wie Araber, aus ihrem Profitinteresse heraus dagegen agitieren. Ihnen müßte eine geschlossene Front der jüdischen und der arabischen Arbeiterschaft und darüber hinaus aller fortschrittlich gesinnten Kreise bei beiden Nationen entgegentreten. Wenn der Plan geeignet ist, den palästinensischen Arbeitsmarkt gegen das Lohndumping außerpalästinensischer Araber zu schützen, so wäre erst damit die Voraussetzung für eine gewerkschaftliche Organisierung der arabischen Arbeiterschaft des Landes geschaffen, wie wir eingangs dieses Aufsatzes gesehen haben. Erst von dieser Basis aus könnte also das Problem der »jüdischen Arbeit« angepackt werden. Wer, wie wir, in dessen Lösung die vielleicht wichtigste Aufgabe des jüdischen Aufbaues erblickt, wird zugeben, daß jede Maßnahme, die uns der Lösung näherbringen kann, »des Schweißes der Edlen wert« ist.