Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Die Gefahr der Bodenspekulation
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Es sind Fälle bekannt, in denen Bauplätze am »Strand bei Tel Aviv« verkauft wurden, während in Wirklichkeit diese Bauplätze weit vom Meer abseits liegen, 15 bis 20 km von Tel Aviv entfernt. Man weiß von Bodenverkäufen auf dem Mt. Cannel in Haifa, wobei die Böden tatsächlich weit weg von Haifa lagen. Man hat Böden in der Haifa-Bay verkauft in Gegenden, die noch nicht drainiert waren und wo noch viel Zeit vergehen wird, bis sie zur Besiedlung geeignet sein werden. Die Agenten und Mittelsleute versprechen alles Mögliche und legen herrliches Karten- und Planmaterial auf dem Papier vor, die das Publikum betrügen und sie stecken die höchsten Preise für Parzellen von 500 bis 600 Pik ein, wo der Dunam höchstens ein paar Pfund wert ist. Ebenso ist es bekannt, daß die Spekulanten Böden kaufen, mit denen überhaupt nicht das Geringste zu beginnen ist, zum Beispiel Bergketten und Abhänge, und daß sie sie zu »volkstümlichen« Preisen an Leute verkaufen, die sich ein Stückchen Boden zum Bau eines Hauses ersehnen. Gewöhnlich verpflichten die Gesellschaften ihre Käufer auch nicht, sich an den Ausgaben für Straßenbau und Wasserinstallation zu beteiligen, und da die Auslandsverkäufe meist mit Leuten getätigt werden, die in verschiedenen Städten, sogar in entfernten Ländern leben, ist es nachher unmöglich, sie zu gemeinsamem Handeln zwecks Erschließung der erworbenen Böden zusammenzubringen. Anderseits ist durchaus keine Sicherheit dafür vorhanden, daß die Gesellschaften oder Makler die Ameliorierung der Böden selbst durchführen werden, sogar wenn derartige Verpflichtungen seitens der Verkäufer im Kaufvertrag stehen. Auf die übrigen Probleme, die mit unserer Bodenpolitik in Zusammenhang stehen, braucht hier nicht eingegangen zu werden, auch nicht auf die großen Schädigungen unserer Aufbauarbeit, die mit der ungezügelten Spekulation zusammenhängen, und in der man vielleicht auch eine Ursache für die Flucht vom Land in die Stadt erblicken darf. Man weiß zur Genüge, wie die Bodenpreise durch den Wettbewerb und das Gegeneinanderarbeiten der Interessenten immer weiter in die Höhe getrieben und dadurch Hunderttausende von Pfunden wirtschaftlich völlig grundlos den Verkäufern in die Hände gespielt werden. Man hat Land an Orten gekauft, die von jüdischer Umgebung weit entfernt liegen, um es in Bauparzellen aufzuteilen. Viele Böden, die anfangs für Zitrusplantagen und Hilfs wirtschaften erworben wurden, gerieten in die Hände von Spekulanten und wurden Bauplätze. Hunderte von Dunam bepflanzter und fruchttragender Plantagen wurden zu diesem Zwecke ausgerissen. ^— In zwei, drei Jahren gelang es den Spekulanten und ihren Helfershelfern, die Bodenpreise künstlich um ein Vielfaches zu steigern, in Tel Aviv und Haifa um das Zehnfache und noch mehr des gewöhnlichen Preises. Das Anziehen der Bodenpreise in der städtischen Zone läßt die Preise in der vorstädtischen nachfolgen und geht von dort auf die ländlichen Bezirke über. Von den zahlreichen Transaktionen, in der Hauptsache zwischen Juden und Juden, hat selbstverständlich die Gemeinschaft überhaupt keinen Nutzen. Die Gelder, die produktiven Zwecken hätten dienen können, z. B. für Hilfswirtschaften, Pflanzungen, Aufforstungen, Vorstadtbauten usw. fließen in die Taschen der Verkäufer und ihrer Agenten, ohne daß unsere nationale Arbeit auch nur den geringsten Nutzen daraus zöge. Der KKL. konnte dem Bodenwucher nicht Schach bieten und von der Jewish Agency ist nichts. Entscheidendes geschehen, um die Tätigkeit der Bodengesellschaften und der sich mit Spekulation abgebenden Händler zu zügeln, die die Unkenntnis des Publikums ausnützen. Auch in der notwendigen Organisierung, der Führung und Überwachung der Gesellschaften und Individuen, die ihre Bodengeschäfte anständig durchführen, ist bis jetzt nichts geschehen.