Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Wirtschaft. Von Dr. J. Adler, Tel Aviv.
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 666 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379938-2406503--21653-2406674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
glieder, sich auf der verengerten Kreditbasis einzurichten; es zeigt sich, daß man auch mit kleineren Warenbeständen und kürzeren Wechselsichten arbeiten kann. Zweitens bemerken wir vielseitige Bemühungen, die Bauwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Die »General Mortgage Bank of Palestine, Ltd.« in Tel Aviv, deren Leitung soeben als Nachfolger Direktor Estermanns Dr. Ernst Lehmann (früher in Berlin) übernommen hat, bewilligte im Oktober 1935 insgesamt 175 neue Hypotheken im Gesamtbetrage von 129.670 £P. Insbesondere suchen öffentliche und gemeinnützige Körperschaften mit eigenen Bauprojekten die Lücken des Baumarktes auszufüllen. Der Bau der Zentralkanalisation der Stadt Tel Aviv absorbiert zahlreiche Arbeitskräfte. Der »Misrad Kablani« der Histadruth hat neben anderen Projekten mit dem Bau eines neuen großen kooperativen Wohnhäuserblocks in Tel Aviv-Nord begonnen. Um so mehr ist zu bedauern, daß die Regierung sich mit ihren Projekten viel Zeit läßt, obwohl es sich um teilweise recht dringende Arbeiten (z. B. Hauptpostamt Tel Aviv, Justizgebäude Tel Aviv, Autostraße durch den Scharon usw.) handelt und obwohl das Geld dafür ihr reichlich zur Verfügung steht. Unter den anregenden Faktoren sei nicht vergessen, daß der Tel Aviver Einzelhandelsverband und das Tozereth-Haaretz-Komitee vom 21. bis 28. Dezember (Chanukkah-Feiertac(e) in Tel Aviv die erste palästinensische kollektive Werbewoche (»Schewua Habizaron« — »Woche der Konsolidierung«) veranstalten werden, um die Kauflust der Konsumenten durch einen Schaufensterwettbewerb und andere Reklamemaßnahmen aufzumuntern und das Geld »aus den Sparstrümpfen hervorzulocken«, damit es wieder den Wirtschaftskreislauf stärken und beschleunigen hilft. Parallel damit gehen in gewissem Sinne die flott vorwärts schreitenden Bemühungen der Finanzkreise, durch eine zweckmäßige Organisation des Effektenmarktes das Vertrauen der Kapitalisten aller Größenordnungen zur einheimischen Vermögenslage zu kräftigen. Die werktäglich im Hause der »Anglo-Palestine-Bank« in Tel Aviv stattfindende inoffizielle Börse wird heute bereits von etwa zehn führenden Kreditinstituten regelmäßig beschickt und handelt und notiert bisher die Stamm- und Vorzugsaktien der »PLDC« und die Pfandbriefe und Vorzugsaktien der »General Mortgage« sowie Goldpfunde und Golddollars, wozu in nächster Zeit noch »Keren Kajemeth«-, »Nir«- und »Shimshon«-Obligationen, »Palestine Potash«-Stamm- und Vorzugsaktien und die Aktien von »Rutenberg«, »Jerusalem Electric«, »Nesher«, »Palestine Gold Storage«, »Palestine Hotels« und! »Spinney's« zum Verkehr vorgesehen sind. Im allgemeinen bewahrt der Jischuw trotz aller Schwierigkeiten eine besonnene Haltung :— auch im politischen Urteil — und rechnet mit allmählich wiederkehrender Normalität der Wirtschafts- und Arbeitslage. Zitrus-Früchte: Nach Zitronen und Grapefruits hat nun auch für die Orangen die Exportsaison 1935/36 begonnen; sie wurde am 15. November offiziell, im Beisein des High Commissioner, in Jaffa mit der Verschiffung der ersten 65.407 Orangenkisten eröffnet. Die geschäftlichen Prognosen sind vorläufig noch uneinheitlich. Einesteils heißt es, daß Palästina mit starker Nachfrage und hohen Preisen rechnen dürfe, da der italienische Export durch die Sanktionen dezimiert werden würde und da mit einer ziemlich knappen spanischen Ernte infolge gewisser Nachwirkungen der Fröste des letzten Winters zu rechnen sei. Andernteils hebt man hervor, daß Palästina infolge seiner bekannten handelspolitischen Wehrlosigkeit selbst eine günstige Weltmarktlage nicht voll auswerten könne. In der Tat haben verschiedene Länder in ihren Handelsverträgen mit Spanien der spanischen Apfelsine durch Quote oder Kontingent so breiten Raum auf ihrem Markte eingeräumt, daß kaum eine nennenswerte Absatzmöglichkeit für Palästinaorgangen verbleibt. An neuesten handelspoliti-