Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Zum Problem der "Haavarah"
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 655 (sequence 7)
- Language
- German
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Arbeiter aus dem Betrieb ziehen, werden sie wahrscheinlich für Landeserzeugnisse und für Einfuhrwaren aus befreundeten Ländern ausgeben. Noch wichtiger als die Verteilung der Einfuhren auf die einzelnen Lieferländer wäre die Berücksichtigung des Aufbaus des jüdischen Sektors der palästinensischen Volkswirtschaft. In dem oben zitierten Aufsatz haben wir zu zeigen versucht, daß in erster Reihe die Schaffung von auf der Bezugswie auf der Absatzseite möglichst marktunabhängigen bäuerlichen Siedlungen zu stehen hat. Nur soweit die Bodenknappheit dazu zwingt, sollte das Land industrialisiert werden. Die Industrien sollen sich möglichst auf die Bedürfnisse des inneren Marktes beschränken, also nicht ausfuhrorientiert sein. Innerhalb des Industriesektors sollten die am wenigsten maschinenintensiven, also »leichten« Industrien bevorzugt werden. Ungefähr dasselbe ist mit der Forderung gemeint: nicht Produktionsmittel erzeugende, sondern Konsumgüterindustrien! — Das Wirtschaftsamt könnte die Verwirklichung dieser Grundzüge eines Aufbauplanes unter anderem dadurch fördern, daß sie die Einfuhr der diesem Plane dienenden Güter über die »Haavarah Ltd.« mit besonderen Vergünstigungen ausstattet. Damit wäre der Exekutive ein gewisser Ersatz für die mangelnde Zwangsgewalt gegeben. Unabhängig von Art und Bestimmung der »Haavarah«-Importe müßte in Anbetracht des Auswanderungsdranges der deutschen Juden und der Ungewißheit ihres Schicksals in Deutschland die Gesamt-Transfersumme gesteigert werden. Eine solche Steigerung ist auf den regulären Warenmärkten Palästinas nur schwer möglich; die Aufnahmefähigkeit dürfte, besonders bei Berücksichtigung der in- und ausländischen Konkurrenzinteressen, durch den gegenwärtigen Umfang der »Haavarah«-Einfuhr ziemlich erschöpft sein. Es müßten zusätzliche Märkte gesucht werden. Die beste Lösung wäre die Eröffnung solcher Märkte außerhalb des Landes. Was hier von der deutschen Regierung über die bereits gemachten Konzessionen hinaus zu erreichen ist, ist eine Frage der Diplomatie und der Finanzierung der Käufer. Auch innerhalb Palästinas ist die Unterbringung zusätzlicher Warenmengen wesentlich ein Finanzierungsproblem. Könnte man eine Anleihe aufnehmen, mit der man die Transfereinwanderer auszahlt und den Abnehmern der Zusatzimporte den Aufbau einer — bäuerlichen, handwerklichen oder auch industriellen — Existenz ermöglicht, so könnten diese ihre Schuld in Jahresraten, entsprechend der Laufzeit der Anleihe, abtragen. Auf diese Weise wäre ein dreifaches Ziel erreichbar: die Erweiterung des Vermögenstransfers aus Deutschland, die planmäßige Gestaltung des Wirtschaftsaufbaus und die Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten für die außenpolitisch hervorgerufene Stagnationsperiode im Lande. ★ * * Wir haben gesehen, daß es keine andere Rettung der deutschen Juden gibt, als durch den Vermögenstransfer mittels des »Haavarah«-Prinzips. Die Vorwürfe gegen die »Haavarah Ltd.« erwiesen sich teils als unstichhältig, teils als in großem Umfange abstellbar: Über diese Rehabilitierung hinaus zeigte es sich, daß der Vermögenstransfer aus Deutschland bei entsprechender Erweiterung des palästinensischen Marktes in der Hand des Amtes für Wirtschaftsplanung zum wirksamen Werkzeug für eine planmäßige Entfaltung der Wirtschaft des Landes werden könnte. Damit würde das »Haavärah«-Prinzip sowohl den Juden in Deutschland zu schneUerer Einwanderung verhelfen, wie -auch dem Jischuw zum Segen gereichen.