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Palästina · 1935-12-01 · Heft 12 (Dezember 1935) · p. Seite 650

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 12 (Dezember 1935)
Article
Zum Problem der "Haavarah"
Date
1935-12-01
Page
Seite 650 (sequence 2)
Language
German
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von der Reichsbank für »Vorzeigegelder« freigegebene Summe nahm von Monat zu Monat ab. Zur £eit beträgt sie nur noch etwa 20.000 £. Die Folge ist, daß auch die Kapitalisten-Auswanderer, die nicht mehr besitzen als den Mark-Gegenwert des »Vorzeigegeldes« von 1000 £, auf die »Haavarah Ltd.« zurückgreifen müssen. In gleichem Maße wird der erwähnte Vorwurf, daß die Gesellschaft nur für* wenige Reiche da sei, hinfällig. Er war übrigens auch schon früher sinnlos, da die Prosperity der letzten Jahre, das »palästinensische Wirtschaftswunder« inmitten der Weltwirtschaftskrise, zu einem wesentlichen Teil von dem Einstrom der großen Vermögen getragen wurde. Diese Tatsache ist gerade auch von den Arbeiterkreisen im Lande immer anerkannt worden. Es ist ein dringliches Problem, die Transferkapazität der »Haavarah Ltd.« so auszuweiten, daß sie dem Auswanderungsdrang sowohl der kleinen wie auch der großen Vermögen nachzukommen vermag. Denn bei der bekannten sozialen und beruflichen Struktur der deutschen Juden und bei ihrem verhältnismäßig hohen Durchschnittsalter ist ein relativ großer Teil der Auswanderer nicht imstande, sich aufkörperliche Arbeit umzustellen. Sie sind daher darauf angewiesen, sich durch Investition ihres mitgebrachten Kapitals' in Industrie, Handel oder Plantagenwirtschaft eine neue Existenz zu gründen. Ihnen die Möglichkeit des Vermögenstransfers nehmen heißt also, sie der Möglichkeit auszuwandern berauben, heißt weiter, all den Arbeitern, die durch die Investition dieser Vermögen in Palästina in Brot gesetzt würden, solche Arbeitsgelegenheiten vorzuenthalten. Und dieses »Arbeitsbeschaffungsargument« spricht besonders für die großen Vermögen, deren Investition viele Arbeitsplätze schaffen würde. Bezeichnenderweise machen die Polemiken gegen das »Haavarah«-Prinzip durchwegs nicht einmal den Versuch, eine andere Lösung des Problems der jüdischen Auswanderung aus Deutschland vorzuschlagen. Wenn sie wenigstens einräumten, daß sie es vorziehen, die deutschen Juden ihrem Schicksal in Deutschland zu überlassen oder sie in Palästina durch Almosen mit durchzufüttern — aber auch zu diesem logischen Ergebnis ihrer Haltung bekennne sie sich nicht. II. Vielleicht wenden manche »Haavarah«-Gegner ein: Wir haben ja gar nichts dagegen, daß die deutschen Juden ihr Vermögen hieher verbringen; sie sollen es nur nicht in Form deutscher Waren tun. Mögen sie Devisen oder schließlich englische, dänische, amerikanische Waren mitbringen — nur keine Erzeugnisse aus Hitler- Deutschland! Wir können dieses Argument an drei typischen Beispielen prüfen: 1. Der Einwanderer möge deutsches Geld oder deutsches Bankguthaben mitbringen. Kann über diese Guthaben nicht im Auslande frei verfügt werden, wie es in Deutschland bei Auswanderervermögen in der Regel der Fall ist, so nützen sie dem Auswanderer nichts. Zwar läßt die deutsche Gesetzgebung gewisse engbegrenzte Verwendungsmöglichkeiten für sogenannte »Auswanderermark« und »Sperrmark« zu, aber das Angebot solcher Guthaben übertrifft die Nachfrage danach beträchtlich. Daher ist der Devisengegenwert so gering, daß ein solcher Verlusttransfer für die Auswanderer praktisch nicht in Frage kommt Die Aus- und Einfuhr deutschen Stückgeldes ist in Deutschland verboten. Sehen wir einmal hiervon ab, so würde der Auswanderer für das deutsche Geld nur dann und dadurch einen Käufer finden, daß irgend jemand in Palästina oder sonstwo außerhalb Deutschlands diesem Lande eine Anleihe gewährt — ein praktisch nicht vorkommender Fall — oder an Deutschland Schulden zu zahlen hat; diese Schulden können stammen: daraus, daß Deutschland selbst dem Auslande eine Anleihe gewährt

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