Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 11 (November 1935)
- Article
- Der Moschaw Kfar Jecheskel und seine Wirtschaftsstruktur
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 586 (sequence 7)
- Language
- German
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wieder hochkommen werden, so zeigte es sich, daß diese Hoffnung nicht für alle gegeben war. Wo ist der Ausweg? — In der Schaffung von Hilfsfonds gegenseitigen Charakters in jedem Moschaw und im Landesmaßstab für sämtliche Moschawerim, die die schlechtergestellten Chawerim stützen sollen, in einer Progressivbesteuerung oder gestaffelten Einkommensteuer« (»Tlamin«, Juli 1935, S. 10). Gedacht wird natürlich nicht an eine Ausschaltung der wirtschaftlichen Differenzierung, was beim individualwirtschaftlichen Charakter des Moschaw-Lebens unvorstellbar wäre, sondern, wie aus der obigen Formulierung des Problems hervorgeht, daran, eine Durchbildung von krassen Unterschiedlichkeiten zu verhindern, indem die unteren Differenzierungsspitzen durch gegenseitige Hilfe zugunsten des Schlechtergestellten, dessen Betrieb in seiner Ertragsgestaltung einer zwingenden Aufbesserung bedarf, die oberen Differenzierungsspitzen durch stärkere Heranziehung der Bessergestellten — und die Besserstellung beruht ja überwiegend auf der Höhe des Wirtschaftsertrages —- auf dem \yege einer der Einkommenshöhe mehr oder minder entsprechenden Steuerstaffelung (progressive Skala) abgebrochen werden. Das Ergebnis. Bringt man die oben angeführte Summe der Betriebsausgaben in Höhe von 11.450 £P vom gesamten Bruttoertrag in Höhe von 17.9083/2 £P in Abschlag, so erhält man einen Gesamtüberschuß von 6458J4 £P* Dieser Überschuß muß in doppelter Form zum Ausdruck kommen: Einmal unter dem Gesichtspunkt seiner akkumulierenden Wirksamkeit für die laufenden Betriebsinvestierungen, zweitens sich in den Aufwendungen für den Lebensunterhalt niederschlagen, da ja jedes Wirtschaften schließlich auf die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse gerichtet ist. Der Lebenshaltungsaufwand ist für die 59 erfaßten Familieneinheiten mit 7730 £P ermittelt worden, also einem den obigen Gesamtüberschuß überschreitenden Betrag, was jedoch zu keinen voreiligen Schlußfolgerungen führen darf. Fügt man dem Gesamtbetrag des Wirtschaftsertrages die Nebeneinnahmen aus Außenarbeiten und addiert man dem Wirtschaftsaufwand die Ausgaben für den Lebensunterhalt hinzu, so erhält man einen Überschuß der Einnahmen über die Gesamtausgaben in Höhe von 1107^ £P (20.287^2 £P Gesamteinnahmen abzüglich 19.180 £P Gesamtausgaben). Dieser Nettoüberschuß ist weniger ein Ausdruck des Aukkumulationsergebnisses als vielmehr eine Rechenziffer, ein Resultat in der Gegenüberstellung der laufenden Einnahmen und Ausgaben eines einzigen Jahres, eine unvermeidliche Lücke des vorliegenden Enquetematerials, da keine anderweitigen Vergleichsdaten für die Vorjahre vorlagen. Eine Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben für ein einziges Jahr vermag zwar eine Bilanzierung der Rechengrößen in ihrem ziffernmäßigen Ausdruck zu gewähren, jedoch keine konkrete Vorstellung über die akkumulierende Wirksamkeit der wirtschaftlichen Betätigung, die sich ja auf längere Zeiträume erstreckt, zu vermitteln. Es ist keineswegs so, daß Einnahmen und Ausgaben sich unbedingt innerhalb eines und desselben Jahres decken müssen. In Wirklichkeit gibt es sowohl auf der Einnahmenals auch auf der Ausgabenseite antizipative und transitorische Posten, die sich im Verlauf einer Reihe von Jahren ausgleichen und damit auch das Nettoergebnis der Arbeit klar veranschaulichen können. Ganz anders, wenn die Betrachtung auf ein einziges Jahr zugespitzt ist, weil keine andere Möglichkeit bestand. Sofern es sich also um eine Veranschlagung der Nettoerträge als Akkumulationsfaktor handelt, so läßt sie sich erst für eine Reihe von Jahren definieren, und wir werden noch unten bei der Behandlung des Vermögensbesitzes der Chawerim Gelegenheit haben, darauf näher einzugehen. Überdies bleibt zu beachten, daß die Erfassung der Daten eines einzigen Jahres, wie dies hier geschieht, gewisse Fehlerquellen nicht ausschließt. Ebenso wie auf der Einkommensseite manche Einzelteile sich ziffernmäßig nicht miterfassen, bzw. ausdrücken ließen, ebenso vermögen einzelne nicht miterfaßte Aufwandsteile den rechnen-