Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Das Wirtschaftsbarometer: August/September 1935
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 538 (sequence 2)
- Language
- German
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Wirtschaftsmaßnahmen machten in Palästina einen sehr günstigen, vertrauenerweckenden Eindruck. Zugleich trug es zur Hebung der Stimmung wesentlich bei, daß am 1. September eine Kapitalerhöhung der General Mortgage Bank von £P 250.000.— auf £P 350.000.— beschlossen wurde, die eine Vermehrung des Pfandbrief Umlauf es von 1.5 auf 2.1 MilL £P ermöglichen wird. Schließlich sei erwähnt, daß die an der Londoner Börse gehandelten palästinensischen Papiere, insbesondere Ritenberg-Aktien, die ganze Zeit hindurch ihr Kursniveau gut behaupteten. Anderseits darf nicht verschwiegen werden, daß die palästinensischen Banken, da ja bis zur Stunde die politische Spannung im Mittelmeerraum noch nicht gewichen ist, gewisse Vorsichtsmaßregeln durchführten, insbesondere eine schärfere Sichtung des angebotenen Wechselmaterials zwecks Einschränkung des Kreditvolumens und Erhöhung der Liquidität. Bemerkenswerterweise wurden hiedurch größere Firmenzusammenbrüche nicht verursacht; immerhin herrscht natürlich im ganzen Wirtschaftsleben momentan eine abwartende Haltung, sowohl in der Bauwirtschaft als auch auf den Warenmärkten. Der Grundstückmarkt ist stark eingeschränkt; die Spekulation ruht völlig. Zitrusfrüchte. Von Haifa ging am 6. September die erste Zitronensendung nach Rumänien; auch der Ethrogimversand hat lebhaft eingesetzt. Das sind natürlich nur symptomatisch interessierende Vorläufer, da der Export der Grapefruits erst im Oktober und der Orangenexport nicht vor Mitte November beginnt. Zwecks verstärkter Zitruspropaganda hat die Palästina-Regierung die Ausfuhrgebühr von 2 auf 3 Mils pro Kiste erhöht, woraus ihr schätzungsweise ein Fonds von £P 24.000.— zur Verfügung stehen wird; davon will sie £P 13.000.— für die Werbung in Großbritannien ausgeben, £P 8000.— für die Werbung in den Ländern des Kontinents und den Rest in Kanada, Indien, Ceylon und auch in Palästina selbst, dessen Markt man dringend braucht, um die nicht exportfähige zweitklassige Frucht — »Brara« — zu verwerten, in der kommenden Saison bei mindestens 2 Millionen Kisten »Brara« ein besonders schwieriges Problem! Dank günstigen Wetters haben sich die Ernteaussichten in den letzten Monaten so weit gebessert, daß man das Exportvolumen nun doch schon wieder auf mindestens 814, Millionen Kisten berechnet. Leider haben sich die Absatzaussichten nicht in demselben Grade entwickelt. Die englische Zollpräferenz ist bisher noch immer nicht zu erzielen gewesen. Der deutsche Markt muß aus Devisengründen vorsichtiger denn je zuvor beurteilt werden. Auf den kanadischen Markt wird infolge der Dollarbaisse nur schwach zu hoffen sein. Frankreich hat zwar ein festes Einfuhrkontingent bewilligt, leider jedoch den Orangenzoll nicht gesenkt und den Grapefruitsmindestzoll sogar von Frcs. 56.— auf 100.— pro 100 kg erhöht. Die ägyptische Zollsenkung für Orangen ist praktisch bedeutungslos geblieben, da sie nur bis zum 30. September gewährt war; mehr Hoffnung gibt die zunächst bis zum 30. Juni 1937 bewilligte Senkung des ägyptischen Grapefruitszolles von 2^ auf 114. £E pro Tonne. Wichtige Verhandlungen schweben mit der Sowjetunion, um ein Tauschgeschäft von russischem Bauholz gegen palästinensische Orangen zustandezubringen, und mit der Tschechoslowakei über den Eintausch von Zitrusfrüchten gegen Lokomotiven, Waggons und Hafenbaumaterial. Was die Verschiffung der kommenden Ernte betrifft, so haben die in der Jaffa Citrus Exchange vereinigten jüdischen Exporteure die Transporte nach Triest an den Lloyd Triestine vergeben, nach Skandinavien an die Svenska Orient Linien, nach Hamburg an die Deutsche Levantelinie und nach dem Baltikum an die Zagluba Polska (Gdynia). Dadurch erscheint eine systematische Beschickung dieser Märkte in Anpassung an die Absatz- und Preisverhältnisse gesichert. Leider ließ sich eine solche Einmütigkeit nicht hinsichtlich des überragend wichtigen englischen Marktes erzielen; eine Gruppe von jüdischen Exporteuren wird ihre Ware nach England mit den englischen Conference