Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 532 (sequence 2)
- Language
- German
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Kongresses fast durchaus den internen Fragen der Bewegung. Der Prozeß der Zersetzung, der sich zehn Jahre lang infolge eines schrankenlosen Parteikampfes im Zionismus vollzogen hat, forderte Überwindung. Durch die Loslösung der Revisionisten wurde die Gefahr einer Zerbröckelung der Organisation offenbar, zumal da heute die Organisation nicht mehr lediglich aus Ideenträgern besteht, sondern aus Gruppen zusammengesetzt ist, die ihre konkreten Sonderinteressen, oft auch materielle und persönliche Interessen, zu wahren haben. Daher ist es dazu gekommen, daß kleine Gruppen immer mit dem Gedanken des Austrittes spielen können und diesen zumindest als Pression benützen. Die alte Generation, die noch eine gewisse Pietät gegenüber Herzls Schöpfung hat, schreckt vor dem wirklichen Austritt zurück, aber die Jugend hat weniger Hemmungen. Es ist das Verdienst der Arbeiterpartei, den größten Teil der jungen Generation mit der Organisation verbunden zu haben. Ein Teil der jungen Generation steht aber fraglos bei den Revisionisten, die aus der Organisation ausgetreten sind. Der Gedanke, daß der alte Bau, für dessen innerliche Erneuerung und Verjüngung so lange nichts getan wurde, seine Anziehungskraft vielleicht einbüßen könnte, war in manchen Äußerungen des Kongresses fühlbar. Es wurde die Parole ausgegeben, das ganze Volk in einer neuartigen Weise zusammenzufassen. Die Durchsetzung des Palästinagedankens, der wohl in der jüdischen Welt keinen ernsten Gegner mehr hat, gibt die große Chance, unter Beseitigung der in den letzten fünfzig Jahren entstandenen und allmählich versteinerten Parteischranken etwas gänzlich Neues, der Größe des Augenblickes Entsprechendes zu schaffen. Besonders Ben Gurion war es, der immer wieder diesen Gedanken aussprach und die Wahl Dr. Weizmanns unmittelbar damit in Verbindung brachte., Das Bedürfnis nach Konsolidierung im Innern entspricht einer Tendenz, die in den letzten fünf Jahren bei den meisten europäischen Völkern merkbar war. Unmittelbar nach dem Weltkriege standen die Probleme der Außenpolitik im Vordergrund, bis sich empfindlich fühlbar machte, daß auch nach außen hin kein Volk handlungsfähig ist, wenn im Innern ein völlig ungeklärter Zustand herrscht, der alle Zeichen einer geistigen und politischen Krise enthält. Wir konnten beobachten, wie ein Primat der Innenpolitik vor der Außenpolitik etabliert wurde. Für den Zionismus, beziehungsweis die Jewish Agency, ist der XIX. Kongreß nur ein erster Schritt auf diesem Wege. Die Neigung des jüdischen Volkes, aus jeder feinen Nüance und Schattierung der Weltanschauung eine Gruppenbildung abzuleiten und vor allem die sich daraus ergebenden endlosen Diskussionen mit politischer Arbeit zu verwechseln, machen das Zusammenschweißen des Volkes zu einer einheitlich wirkenden Kraft besonders schwierig. Auch auf diesem Kongreß haben sich die Differenzen in sehr deutlicher Weise gezeigt. Auch wenn nicht die erste Woche des Kongresses mit einem Parteikonflikt ausgefüllt gewesen wäre, hätte man fühlen müssen, daß die Konsolidierung erst am Anfang steht. Dabei zeigt sich, daß auch die alten, sozusagen historischen Gruppen nicht mehr standhalten, denn die neuen Probleme, die sich aus der tatsächlichen Entwicklung Palästinas ergeben, schaffen Meinungsverschiedenheiten, die sich quer durch alle Gruppen hindurchziehen. Die Möglichkeit, dissentierende Teile zwangsweise einzugliedern, besteht im Zionismus nicht. Soll sich aber ein einheitlicher Wille aus dem Zusammenspiel verschiedener Parteien und Ansichten ergeben, so bedarf das einer sehr hohen Stufe demokratisch-politischer Kultur, die wir noch nicht erreicht haben. Es ist ein sehr großer Fortschritt, daß wenigstens das Problem auf diesem Kongreß klar erkannt wurde und daß der gute Wille da war, eine Wendung herbeizuführen. Dies zeigte sich vor allem in drei Punkten, in denen auch ein Erfolg erzielt wurde: erstens in dem Willen nach einheitlicher und starker Führung, die verwirklicht wurde durch die Wahl Dr. Weizmanns, zweitens in