Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Fachorganisationen und Fachpresse in Palästina
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 525 (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
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8. Makler» Vertreter: Gut organisiert sind die amtlich zugelassenen Zöllagenten der Hafenplätze; soeben haben sie in Haifa die Schabbat-Ruhe für die jüdischen Berufsangehörigen durchgesetzt. Aus Kreisen der lizenzierten jüdischen Grundstückmakler wird, bisher noch ohne Erfolg, der Aufbau einer starken Standesvertretung versucht, um die Überschwemmung durch berufsfremdes Spekulantentum wieder loszuwerden. Noch völlig unorganisiert und daher äußerster Ausbeutung preisgegeben sind Geschäftsreisende, Provisionsvertreter, Hausierer. 9. Fremdenindustrie: In Jerusalem, Tel Aviv, Haifa und auf dem Karmelgehirge entstanden neuerdings überwiegend oder rein jüdische Hotelier- und Pensionsinhabervereinigungen, die sich kürzlich zu einem Landesverband zusammenschlössen. Dem Vernehmen nach wird ein Fachblatt »Ha-Malon« geplant. Vermutlich wird diese Organisation auch den Anstoß dazu geben, daß sich die Reisebüros zusammenschließen, und damit würde nun endlich ein arbeitender Ersatz für die palästinensische Touristikvereinigung erzielt sein, die unter dem Protektorat der Regierung zwar nominell in Jerusalem domiziliert, bisher aber nur wenig Lebenszeichen von sich gegeben hat. 10. Hausbesitz: Nach verschiedenen lockeren Organisationsversuchen in den Städten hat sich jetzt in Tel Aviv ein straff aufgebauter Hausbesitzerverein gebildet, der auch eine Monatsschrift »Habajith« herausgibt. Bemühungen für einen Landesverband der jüdischen Hausbesitzer sind im Gange. 11. Allgemeine Handelskammern: Mit Programmen, die europäischem Vorbild entsprechen, jedoch, wie*schon bemerkt, auf absolut freiwilliger Basis, ohne Mitgliedszwang, ohne behördliche Rechte, existieren: eine gemischt jüdisch-arabisch-englische Industrie- und Handelskammer in Jerusalem, je eine jüdische in Tel Aviv-Jaffa und in Haifa, je eine arabische in Jaffa und in Haifa. Die in Palästina residierenden Auslandhandelskammern wurden bereits erwähnt. Versuche zu Handelskammerzeitschriften wurden wiederholt auf jüdischer und arabischer Seite unternommen, ohne dauernden Erfolg. Gegenwärtig erscheinen nur Jahresberichte. Ein Landesverband der Handelskammern kam noch nicht zustande. d) Organisationen der Konsumenten. 1. Mietervereine wurden bisher in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa gegründet, die zumal vor Erlaß des Mieterschutzgesetzes viel Zulauf fanden, dann aber unter der Interesselosigkeit des Publikums zu leiden bekamen. 2. Hausfrauenvereine wären sehr nützlich im Hinblick auf die Dienstbotenfrage, auf die Regelung der Bedarfsartikelpreise und auf die. Qualitätskontrolle der Lebensmittel. Man hofft, daß sich die palästinensische »Wizo« mehr und mehr zu einer Hausfrauenorganisation entwickelt; ein Symptom dafür ist es, daß sie demnächst das erste Palästina-Kochbuch publizieren wird. e) Immigrantenorganisationen. Das organisatorische Beispiel der »Hitachduth Olei Germania«, die auch eine Halbmonatsschrift und eine Schriftenreihe herausgibt, hat Schule gemacht. Gegenwärtig bestehen in analoger Form Vereinigungen der Einwanderer unter anderen aus Österreich, Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Litauen, Ungarn, Jemen und den angelsächsischen Ländern. ★ ★ ★ Im ganzen gewährt der heutige Stand von Fachorganisationen und Fachpresse in Palästina den Eindruck rapider Intensivierung des Wirtschaftslebens, strenger Ausprägung der sozialen Positionen, zunehmender Abwanderung der öffentlichen Aufmerksamkeit vom Kampfe um Ideologien zum Kampfe um Interessen — was alles jedoch noch kein letztes Wort ist.