Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Anleihe Tel-Avivs
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 521 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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eignete Entwicklung des Landes zu fördern. Es kann nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden, daß ein gesundes System von Hilfsgeldern und Anleihen, die für eine weise konstruktive Arbeit verwendet werden, die gesündeste Art von Wirtschaftspolitik ist. Fachorganisationen und Fachpresse in Palästina Von Dr. J- Adler, Tel Aviv. Mit der fortschreitenden Expansion und Spezialisierung des palästinensischen Wirtschaftslebens im Laufe der letzten Jahre ist auch das Problem der organisierten Interessenvertretung von Erwerbszweigen und Berufsgruppen in früher nicht gekanntem Grade akut geworden. In Struktur und Programm dem westlichen Vorbild nachgeformt, sind Fachorganiationen in großer Anzahl entstanden und haben auch versucht, sich ein Sprachrohr ihrer Wünsche und eine Tribüne der Information und der Aussprache in Gestalt einer modernen Fachpresse zu schaffen. Wie in unserem Aufbauland noch alles im Flusse und vieles in seiner endgültigen Form noch nicht entschieden ist, so weist auch die Entwicklung der palästinensischen Fachorganisationen und ihrer Fachpresse noch starke Ungleichmäßigkeiten auf, bald Doppelorganisationen und Überschneidung, bald offene Lücke, so daß manche Rückschläge und Stockungen zunächst unausbleiblich sind. Es kommt hinzu; daß zumal im Unternehmertum der Individualismus in schärfster Ausprägung auftritt und erst allmählich von der Notwendigkeit des organisatorischen Zusammenschlusses zu überzeugen und zur organisatorischen Disziplin zu erziehen ist. In späterer Zeit werden hier unsere Historiker und Soziologen viel interessantes Material zur Entstehungsgeschichte des modernen palästinensischen Wirtschaftskörpers und Wirtschaftsgeistes vorfinden und verarbeiten können. Im Augenblick ist es nicht unsere Absicht, ihnen hierin vorzugreifen. Vielmehr soll heute nur kurz als Beitrag zur Landeskunde und für praktische Information ein Bild vom gegenwärtigen Stande der Fachorganisationen und der Fachpresse skizziert werden. Unter »Fachorganisationen« verstehen wir hier nach internationalem Sprachgebrauch Vereinigungen zur gemeinsamen Wahrung wirtschaftlicher und berufsständischer Interessen ohne eigenen Wirtschaftsbetrieb, so daß Genossenschaften, Genossenschaftszentralen, Einkaufs- und Verkaufssyndikate, Versicherungsanstalten auf Gegenseitigkeit, Krankenkassen usw. nicht mitbehandelt werden. I. Öffentlich-rechtliche Wirtschaftsvertretungen. a) Von der Regierung organisiert. Während heute in Europa der berufsständische Aufbau mehr und mehr als öffentliches Interesse betrachtet und der staatlichen Regelung unterworfen wird, gibt es in Palästina weder einen Handels- und Gewerbekammerzwang noch einen Innungszwang, noch einen sonstigen Koalitionszwang; es ist lediglich geplant (in einem noch nicht zum Gesetz erhobenen Entwurf), eine Anwaltskammer zu errichten. Was die britische Mandatsverwaltung Palästinas bisher an öffentlich-rechtlichen Wirtschaftsvertretungen ins Leben gerufen hat, sind Fachausschüsse mit lediglich beratender Funktion, deren Mitglieder in erster Linie Beamte sind, teils auch —* nicht durchwegs Persönlichkeiten des Wirtschafts- und Berufslebens, die vom High Commissioner ohne offizielle Einwirkung der Interessentenverbände erannt werden; zu diesen Fachausschüssen zählen insbesondere das Zitruskomitee, das Komitee für Handel und Industrie, das Komitee für