Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Anleihe Tel-Avivs
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 518 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Regierung — gewährt worden ist. Diese Anleihe bezeichnet einen entscheidenden Abschnitt in der Entwicklung des Städtewesens im Lande. Die Anleihe, die die Prudential Assurance Co. Ltd. der Stadt Tel Aviv zur Verfügung gestellt hat, ist zu 4J/£% Zinsen, rückzahlbar in 25 Jahren. Der Betrag wird je nach Bedarf innerhalb der nächsten vier Jahre abgehoben. Zinsendienst und Amortisation werden ungefähr £ 80.000.— bis £ 90.000.— im Jahr beanspruchen. Das Geld soll dazu verwendet werden, Anlagen zur Befriedigung städtischer Bedürfnisse zu schaffen. So soll unter anderem eine Kanalisationsanlage für etwa £ 200.000.— gebaut werden, eine bessere Wasserleitung für £ 130.000.—, ein städtisches Krankenhaus für £ 160.000.—, Siedlungsbauten für £ 130.000 und Schulgebäude für £ 150.000.—. Der Rest soll zum Teil für andere öffentliche Gebäude verwendet werden und zum Teil zur Konversion früherer Schulden. (Siehe darüber Nr. 6, S. 324.) Öffentliche Gärten und freie Plätze sind in dem Ausgabenplan nicht vorgesehen. Zur Verbesserung der Straßen und Wege und dadurch zur Erleichterung des Verkehres wird wohl kaum etwas unternommen werden, noch findet sich irgendwo eine Bemerkung, aus der man schließen könnte, daß auch nur das Geringste zur Verschönerung der Stadt verwendet werden soll. Die Anleihe ist vor allem dazu bestimmt, dringliche und notwendige Anlagen zu finanzieren, weil die Stadt bisher dazu nicht in der Lage war. Tel Aviv ist immer noch nicht im richtigen Fahrwasser, und die Anleihe und ihr Verwendungsplan können sich nicht anmassen, die Lösung der munizipalen Probleme der Stadt zu bedeuten. Der Dreischritt der lokalen Finanzen. Im großen ganzen werden die Ausgaben lokaler Körperschaften aus drei Quellen gedeckt: Einkommen aus der Bürgerschaft, Beiträge der Zentralregierung und Anleihen. Das wichtigste Problem einer lokalen Körperschaft ist, die Einnahme aus diesen drei Quellen in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Anleihen sind ein wesentlicher Teil der lokalen Finanzen, aber als Ersatz für die anderen beiden Quellen ein gefährliches Mittel. Solange die Regierung Palästinas dies nicht einsehen wird, kann kein wirklicher Fortschritt gemacht werden. Jede Zunahme der Anleihen, die nicht begleitet wird von einer veränderten Haltung der Regierung bezüglich der Subsidien, führt immer schneller und tiefer in die falsche Richtung. Die Palästinaregierung, ungleich der englischen, nimmt gegenwärtig eine knickerische Haltung bezüglich der Subventionen und eine kritische in bezug auf Anleihen ein, denn ihre Vorstellung über Verwaltung entspricht jener der englischen Regierungen und Munizipalitäten vor 50 Jahren. Sie würdigt wenig ihre konstruktiven Aufgaben, wie dies etwa die Stadtgemeinde von Birmingham von heute tut. Manche beklagenswerte Entwicklungen in Tel Aviv und Haifa haben ihre Ursachen in der falschen Politik der Zentralregierung gegenüber den Lokalverwaltungen. Sie kann ihren Teil der Verantwortlichkeit daran nicht abschütteln. Die staatlichen Subventionen bilden in Großbritannien einen immer zunehmenden Teil der lokalen Einnahmen. Die Munizipalitäten wurden aufgefordert, solche Tätigkeiten aufzunehmen, zu deren Bedeckung aus eigenen Mitteln die meisten nicht imstande wären, die aber nicht unterbleiben konnten, ohne daß schwere Nachteile für das ganze Land entstanden wären; so war der Staat dazu gezwungen, zu den Kosten beizutragen. Die Gebiete, bei welchen die Notwendigkeit solcher Interventionen am augenfälligsten erscheinen, sind Polizei, Straßen, Erziehung, öffentliche Gesundheitspflege, Parkanlagen .und Hausbau.