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Palästina · 1935-08-01 · Heft 8-9 (August 1935) · p. Seite 463

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 8-9 (August 1935)
Article
Landstrasse oder Schienenstrang?
Date
1935-08-01
Page
Seite 463 (sequence 2)
Language
German
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Die moderne Universal-Einstellung zielt zweifellos dahin, die ständigen Fortschritte der Technik so volkstümlich auszugestalten, daß das Individuum leicht in die Lage versetzt wird, sie selber aktiv zu gebrauchen. Daher in allen Ländern das Streben nach Massenherstellung von Autos, Flugzeugen usw. Diese Bewegung geht parallel mit der unverkennbaren Abbiegung der Spitzenvermögen des Hochkapitalismus und deren Verteilung auf eine größere Menge von Teilhabern, desgleichen mit der wie es scheint doch erfolgreichen Tendenz der Regierenden in den meisten Kulturländern, den Arbeitslosen Beschäftigung und Verdienst zu verschaffen. Durch diese und andere Maßnahmen soll sich das Existenzniveau einer Ebene nähern, auf der das Individuum sich die Errungenschaften der modernen Technik zu eigen machen kanri. Gewiß hat in letzter Zeit diese Tendenz Unterbrechungen durch die monetären Kalamitäten einzelner großer Staaten und durch die gewollte nationale Abschließung mit ihren mißlichen Folgen auf die allgemeine Gütererzeugung erfahren, aber diese Entwicklungsintervalle sind nur scheinbar, denn in Wirklichkeit schreitet die Technik unaufhaltsam weiter, der Erfindungsgeist der Menschen — ob zum Guten oder zum Bösen des Geschlechtes bleibe hier unerörtert — läßt sich durch kapitalistische Nöte garkeine oder nur wenige Schranken auferlegen, und bei Rückkehr einer gewissen Prosperity in das Weltgefüge, aber auch ohne diese, wird die aktive Teilhaberschaft des Einzelnen an der Technik im weitesten Sinne steigen. Hieraus folgt von selber die gefühlsmäßige starke Sympathie der heutigen Menschheit mit dem Auto, dessen Gebrauchsmittler die Landstraße ist. Der Besitz eines Autos ist heute für sehr viele Mittel zum Zweck und gleichzeitig Endzweck; es bedeutet für sie Geschäft und Leistung, aber auch Freude und Sport. Berücksichtigt man weiter die sich aus leichtverständlichen Gründen mit diesen Bestrebungen deckenden und sie auf jede Weise, besonders durch Reklame fördernden Aspirationen der Großindustrie, so findet man einen Schlüssel dazu, daß sich in allen Ländern die Autostraßen in letzter Zeit so ungeheuer vermehrt haben, ebenso die Autos selber, deren Zahl sich allein in Palästina im Jahre 1934 von rund 6100 auf 10.200, d. h. um rund 67% vermehrt hat. Allenthalben werden in Palästina neue Wege und neue Autostraßen angelegt. Erst kürzlich las man in der Presse von dem Projekt einer großen Autostraße durch die Wüste von Ägypten und Palästina; und auf dem Landstraßen folgen die Autos und Autobusse, von Juden und Arabern gesteuert, dicht aufeinander, um den Menschenverkehr zwischen Städten und Dörfern zu regeln. Die große Beliebtheit, die der Autobus im Laufe der Jahre erlangt hat, beruht auf seinem einfachen, losen Betrieb: Er fährt meist nicht nach einem Fahrplan, vielmehr nach Bedarf, hält nicht nur am Bahnhof, sondern nahe dem Hause usw., das liegt der heutigen Menschheit mehr, die Eisenbahn ist schwerfällig, die Fahrt mit ihr bedarf der Vorbereitung. — In Amerika, England, Frankreich, Deutschland, überall ergibt sich das gleiche Bild: Große Autostraßen werden gebaut — die Straße Hamburg—Frankfurt—Basel ist eines der vielen Beispiele —, denn gute Straßen sind moderne Anreiz- und Reklamemittel der Staaten zum Kauf privater Autos und damit die Mittler für Staats- und Stadteinkünfte in Form von Umsatz- und Autosteuer, Benzinverbrauch usw. Hiezu kommt, daß die Anlage und Unterhaltung der Autostraßen leichter und billiger als die der Schienenbahnen ist: Der gesamte kostspielige Bau und die Pflege der Bahnhofs- und Signalanlagen, der Schienen, Schwellen und des Oberbaues fallen fort; die Kurven können enge, d. h. die Radien kleiner sein — bei den Bahnen liegen die Minimalradien etwa bei 150 bis 180 m, selten weniger, bei den Straßen können sie bis auf 50 m herabgehen —, die Steigungen können größer werden, bis 5 und 6%, während sie im Eisenbahnbau im allgemeinen 2% nicht überschreiten, was besonders

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